Die Wasserkuppe in der hessischen Rhön, traditionsreicher Segelflugberg und Herzstück des europäischen Gleitschirmsports, ist von Donnerstag bis Samstag Austragungsort des Weltcup-Finales im Punktlanden. Die besten 80 Athleten der FAI-Weltrangliste reisen aus 29 Nationen an – von Südamerika über Europa bis nach Ostasien. Während Teams aus China, Südkorea, Indonesien oder Thailand zu den erklärten Favoriten zählen, ruhen die deutschen Hoffnungen vor allem auf den Brüdern Schubert – beide mit eindrucksvollen internationalen Erfolgen. Insgesamt fünf deutsche Starter sind beim Heimweltcup vertreten. Doch besonders Linus (17) und Lennard (20) rücken ins Rampenlicht – nicht zuletzt durch ihre Saisonleistungen. In Kasachstan und Albanien standen sie abwechselnd ganz oben auf dem Treppchen, in der Türkei gewannen sie gemeinsam den Team-Weltcup. Linus belegt aktuell Platz zwei, Lennard Platz fünf der Weltrangliste – in der U26-Wertung stehen sie auf den Rängen eins und zwei.
Der Auftakt am Donnerstagmorgen im Radom begann feierlich – und emotional. „Es ist wie ein Paradies hier“, sagte der amtierende Weltmeister Yang Chen aus China bei der offiziellen Eröffnung. Er lobte die Schönheit der Rhön und bedankte sich für die Herzlichkeit der Gastgeber. Weitere Stimmen aus der internationalen Szene folgten: Andy Shaw aus Großbritannien, ein Veteran des Sports, würdigte das Engagement der Organisatoren und Helfer. Eine Schiedsrichterin aus Malaysia, Mitglied des zehnköpfigen internationalen Schiedsrichterteams, hob das besondere Gemeinschaftsgefühl hervor – mit Kollegen aus Kroatien, Mazedonien, Rumänien, dem Vereinigten Königreich, Kosovo und Deutschland. Auch Athleten aus Spanien und der Mongolei betonten die familiäre Atmosphäre des Events. Vertreter aus Politik und Verwaltung – darunter Bundestagsabgeordneter Michael Brand sowie der amtierende Bürgermeister Manfred Helfrich und die zukünftige Bürgermeisterin Alexandra Ballweg aus Poppenhausen – hoben die Bedeutung des Sports für Völkerverständigung, Präzision und Fairness hervor.
Für die Schubert-Brüder ist dieser Ort mehr als nur eine Kulisse. Hier lernten sie das Fliegen – begleitet von ihrem Vater Andreas Schubert, Fluglehrer und Organisator des Events. Er berichtet von den Herausforderungen im Vorfeld: „Viele Teilnehmer aus dem Ausland hatten Schwierigkeiten, ein Visum für Deutschland zu bekommen. Einige konnten deshalb leider nicht anreisen.“ Doch der Wettbewerb finde wie geplant statt – trotz durchwachsener Wetterprognose. „Flüge werden morgens und abends durchgeführt, da die Wasserkuppe viele Möglichkeiten bietet und das Wetter zu diesen Zeiten meist passt.“
Linus Schubert, der amtierende Junior-Welt- und Europameister, zeigte sich vor dem ersten offiziellen Training hochmotiviert: „Ich bin unglaublich dankbar, hier vor heimischem Publikum fliegen zu dürfen. Natürlich spürt man den Druck – aber noch viel mehr die Freude.“ Bruder Lennard, aktuell Weltranglistenfünfter, verriet vor dem Start seine Erwartungen: „Top Fünf ist mein Ziel. Ein Podium wäre ideal. Wir haben viel trainiert, ich fühle mich gut vorbereitet.“ Der Heimvorteil könne dabei helfen: „Unsere Familie wohnt direkt am Fuß der Wasserkuppe – wir können oft fliegen, kennen das Gelände gut.“ Ein echtes Highlight: Linus Schubert hält aktuell den Weltrekord im Punktlanden – bei 96 Wertungssprüngen in Folge verfehlte er das Zielzentrum nie um mehr als fünf Zentimeter. Eine Konstanz, die im internationalen Vergleich herausragt. Den Rekord will er nun weiter ausbauen.
Der Wettbewerb stellt höchste Anforderungen an Präzision. Bei der Disziplin Punktlanden geht es darum, mit dem Fuß exakt das Zentrum eines Zielkreises von nur wenigen Zentimetern Durchmesser zu treffen. Jeder Zentimeter Abweichung zählt. Wer bei wechselnden Winden punktgenau aufsetzt, hat die besten Chancen auf eine Medaille. Die Entscheidungen fallen am Samstag zwischen 17 und 18 Uhr – live vor Ort, im Livestream und in der Fernsehberichterstattung. Sollte das Wetter nicht mitspielen, ist der Sonntag als Ausweichtermin vorgesehen. Die feierliche Siegerehrung ist für Samstagabend um 21 Uhr im Radom geplant.
Für Linus und Lennard Schubert ist es mehr als nur ein Wettkampf. Es ist der Moment, in dem sich monatelange Vorbereitung, jahrelange Erfahrung – und ein Hauch Heimat – vielleicht in Edelmetall verwandeln. „Nach der Landung ist die Atmosphäre immer schön – unabhängig vom Ergebnis, da der Zusammenhalt im Vordergrund steht“, sagt Linus.
