Fußball 20.08.2025

Nachspielzeiten auf Rekordniveau: Zieht der Amateurfußball nach?

Osthessen (sim) – Immer länger werden sie – die Nachspielzeiten im Profifußball: Zwölf Minuten auf dem Betzenberg in Kaiserslautern, zehn Minuten auf der Alm in Bielefeld. Wer in den vergangenen Wochen die 2. Bundesliga oder 3. Liga verfolgt hat, kam sich stellenweise vor wie in einer Verlängerung. Für viele Fans wird das Spielgefühl intensiver – für andere wirkt es eher künstlich in die Länge gezogen. Die Diskussion ist entfacht: Drohen üppige Nachspielzeiten jetzt auch im osthessischen Amateurfußball? Wird hier bald auch so genau auf jede verlorene Sekunde geschaut?

Die Schiedsrichter (hier beim Regionalliga-Spiel Barockstadt gegen Mainz 05 II in der Vorsaison) stehen im Mittelpunkt, wenn es um die Nachspielzeit geht – doch zweistellig wird es in Osthessen noch nicht. Archivfoto: Christine Görlich

Hans-Dieter Köhler. Archivfoto: Pascal Fischer

In dem Fußballkreis Fulda ist Hans-Dieter Köhler lange Jahre Schiedsrichterobmann – und genau der richtige Ansprechpartner, wenn es um Regeln, ihre Umsetzung und die Auswirkungen auf den Amateurfußball geht. „Die Gründe für Nachspielzeiten sind bekannt und im Regelwerk klar definiert“, erklärt Köhler. Der Schiedsrichter soll die Zeit nachspielen lassen, die durch Auswechslungen, Verletzungen, Zeitschinden, Disziplinarmaßnahmen oder auch durch Torjubel verloren geht. Das alles steht so im offiziellen DFB-Regelwerk unter der Regel sieben: „Dauer des Spiels“. „Der Schiedsrichter zeigt dann an, wie viel nachgespielt wird – und das ist mindestens, nicht maximal. Der Schiedsrichter kann die Zeit noch verlängern, wenn in den Nachspielminuten noch etwas dazwischenkommt“ so Köhler.

Doch was bedeutet das für die heimischen Ligen? „In den ersten beiden Wochen der neuen Saison haben wir in unseren Klassen keine extremen Nachspielzeiten erlebt. Da sind es im Schnitt vier bis fünf Minuten. Also noch alles im Rahmen“, berichtet Köhler. Auch vom Hessischen Fußballverband gebe es bisher keine offizielle Anweisung, dass auch im Amateurbereich nun minutiös jede Unterbrechung nachzuhalten sei. „Das kann sich natürlich noch ändern – aber aktuell ist das noch kein Thema.“ Gleichzeitig stellt Köhler aber auch klar: „Dass die vergeudete Zeit nachgespielt wird, ist nichts Neues. Wir achten da schon immer drauf. Aber nur weil das jetzt in der Bundesliga plötzlich zwölf Minuten sind, heißt das nicht, dass wir bei uns bald auch zweistellig unterwegs sind.“

Für eine konsequente Umsetzung bräuchte es klare und praktikable Vorgaben. „Wenn der Hessische Fußballverband sagt, ‚jetzt stoppen wir jede Unterbrechung‘, dann müsste das ganz genau geregelt sein. Wann genau wird die Uhr angehalten? Was wird alles gestoppt? In der Praxis ist das gar nicht so einfach. Wir haben auf dem Platz so viele Entscheidungen zu treffen – das ist keine Maschinenarbeit“, so der Schiedsrichter-Obmann. Ein Schritt zur Minimierung verlorene Nettospielzeit ist bereits getan: „Seit dieser Saison gibt es die neue Acht-Sekunden-Regel – wenn der Torwart zu lange braucht, den Ball wieder ins Spiel zu bringen, gibt es eine Ecke für den Gegner. Das setzt schon mal ein Zeichen gegen Zeitspiel und bringt Tempo rein“, so Köhler.

Doch trotz allem bleibt er gelassen: „Die Verlängerung der Nettospielzeit ist ja kein neues Gefühl – sie ist nur in den oberen Ligen zuletzt besonders auffällig geworden. Persönlich sehe ich diese Entwicklung bei uns in der Region aktuell nicht kommen. Und wenn doch: Dann brauchen wir eine eindeutige Linie. Alles andere macht keinen Sinn.“ Eines ist für Köhler aber auch klar: „Wir haben in den letzten Jahren so viele Regeländerungen erfolgreich umgesetzt – wenn sich da nochmal etwas ändern sollte, dann kriegen wir das auch noch hin.“