Was war passiert? Beim Stand von 9:6 für die HSG Großenlüder/Hainzell entschied sich Fliedens Trainer Marc Stallmann dazu, sein Team nach 18 gespielten Minuten vom Feld zu holen. Vorausgegangen war ein Foul von HSG-Spieler Felix Grosch an Fliedens Tizian Seng. Grosch wurde vom Schiedsrichter dafür mit der Roten Karte bestraft. Bereits zuvor hatte Großenlüders Lukas Dimmerling TV-Spieler Tim Bagus im Gesicht getroffen, kam allerdings mit einer Zeitstrafe davon. Die erste Rote Karte kassierten jedoch die Gäste, als Manuel Betz nach einem Foul an Elia Sippel vorzeitig das Feld verlassen musste. Thorsten Seng, sportlicher Leiter des TV Flieden, kann mit etwas Abstand beide Seiten verstehen. „Es ist für beide ärgerlich und dumm gelaufen. Ich kann unseren Trainer verstehen, aber auch Großenlüder. Wir haben jetzt zwei verletzte Spieler, das sagt ja schon einiges aus. Es war trotzdem nicht unsere Absicht, das so zu beenden und im Nachhinein hätten wir das auch gerne anders gehabt“, konstatiert Seng.
In der Stellungnahme der HSG Großenlüder/Hainzell, die sich auf diverse Medienberichte der vergangenen Tage beruft, heißt es hierzu: „Unseren Spielern bei den Aktionen gegen die Fliedener Spielern Vorsatz hinsichtlich der Verletzungsabsicht zu unterstellen, ist nicht nur komplett fehl am Platze, sondern auch selbst grob unsportlich. Bei der ersten in Rede stehenden Aktion handelte es sich um einen unglücklichen Gesichtstreffer, wie er in unserem Sport (leider) infolge der Geschwindigkeit mehrfach pro Spiel vorkommt. Die Schiedsrichter hatten dies angemessen mit einer Zwei-Minuten-Strafe sanktioniert. In der anderen Aktion gegen den Sohn des sportlichen Leiters des TV Flieden handelt es sich um eine Rote Karte, wie sie ebenfalls von den Schiedsrichtern gegeben wurde. Beiden Spielern wünschen wir Gute Besserung. Im Übrigen wird die Herangehensweise der eigenen Mannschaft völlig außer Acht gelassen. Die erste Rote Karte des Spiels wurde durch den Spieler des TV Flieden verursacht, in dem er unserem Spieler bei vollem Tempo während eines Tempogegenstoßes von hinten in die Beine gelaufen ist. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass hierbei mindestens genau solche Verletzungen geschehen können, wie sie durch den Sportlichen Leiter des TV Flieden unseren Spielern vorgeworfen werden. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass bis zum Abbruch des Spiels durch den TV Flieden unserer Mannschaft bereits fünf Siebenmeter zugesprochen wurden. Unter Berücksichtigung des Vorstehenden sodann davon zu sprechen, dass lediglich unsere Mannschaft durch eine aggressive, zuweilen grob unsportliche Spielweise aufgefallen ist, muss daher auf das Schärfste zurückgewiesen werden.“
„Wobei von den fünf Siebenmetern drei allein dadurch zustande kamen, dass wir im Kreis verteidigt haben“, relativiert Thorsten Seng dahingehend. Aus Sicht des Oberligisten scheint das Band zwischen den Vereinen nun jedoch erstmal zerschnitten zu sein, wie der Verein in der Stellungnahme deutlich macht: „Schlussendlich ist festzuhalten, dass es ein von beiden Mannschaften engagiert geführtes Spiel war, wie es dies bereits in der Vergangenheit öfters gab. Als Konsequenz aus den Geschehnissen werden keine Freundschafts- bzw. Testspiele gegen den TV Flieden im Seniorenbereich mehr stattfinden. Alle bereits angesetzten Spiele werden bzw. wurden durch uns abgesagt, da es nach diesem Verhalten der für die gesamte Abteilung Verantwortlichen keine Basis mehr hierfür gibt.“
Auf Seite des TV Flieden hofft Seng dennoch auf eine Aussprache, wenn etwas Zeit vergangen ist: „Wir sind nicht nachtragend und ich glaube, Großenlüder ist das auch nicht. Die Emotionen waren hochgekocht und sind es vielleicht immer noch, aber wenn eine gewisse Zeit vergangenen ist, werden wir den Kontakt suchen. Wir sind beide Vereine aus dem Landkreis Fulda, wir sollten uns irgendwann wieder in die Augen schauen können. Im Endeffekt hat der Handballsport darunter gelitten. Ich hoffe, dass sich das wieder legt“, so Thorsten Seng abschließend.
Die vollständige Stellungnahme der HSG Großenlüder/Hainzell ist auf deren Homepage zu finden.
