Den gescheiterten Versuch, die Meerenge zwischen der Ostseeinsel Fehmarn und dem rund 21 Kilometer entfernten dänischen Festland zu durchschwimmen, nimmt der 53-Jährige gelassen. „Ich würde es nicht als Scheitern wegen meines fehlenden Könnens bezeichnen. Ich sehe es eher als eine Niederlage gegen die Natur“, stellt der Langstreckenschwimmer klar. Schon zu Beginn hätten die Chancen gegen ihn gestanden. „Ich hatte von Anfang an zirka 2,5 Knoten Querströmung, wodurch ich vom Start weg immer mehr nach Osten als nach Norden geschwommen bin.“ Nach knapp einer halben Stunde musste der Versuch dann abgebrochen werden. Doch bereits kurz darauf, war für Alt klar: „Wir werden es im nächsten Jahr wieder versuchen.“
Für den nächsten Versuch ändert der Schlüchterner aber seine Strategie: Statt Anfang Juli wolle er es etwa drei Wochen früher probieren, wie er erklärt: „Ich bin durch den Versuch am Fehmarnbelt in eine andere Community reingerutscht. Die haben mir geraten es Anfang/Mitte Juni zu probieren.“ Zwar sei in diesem Zeitraum das Wasser etwas kälter, aber dafür auch deutlich weniger Wind zu erwarten, führt er aus. „Bei der Durchquerung bin ich bei etwa 17,8 Grad ins Wasser, und bei 17,2 Grad wieder heraus. Das fand ich sehr angenehm“, fügt er an: „Mit ein oder zwei Grad weniger hätte ich kein Problem.“
Um dies zu testen, habe er Anfang Juli eine Trainingseinheit in den drei Seen nahe München eingelegt und schwamm so im Starnberger See, im Tegernsee und im Ammersee insgesamt rund 30 Kilometer. „Da war eine Durchschnittstemperatur von etwa 14 oder 15 Grad“, stellt er fest: „Und da habe ich gemerkt, dass ich locker sieben Stunden in der Temperatur schwimmen kann.“ Eigentlich wollte er 42 Kilometer zurücklegen, doch wie schon im hohen Norden, schienen sich die Elemente auch im Süden gegen ihn verschworen zu haben. So musste er sein Training jeweils wegen Gewitterwarnung, Sturmböen oder einem starken Sonnenbrand auf dem Rücken abbrechen.
Unterkriegen lasse er sich dennoch nicht. Für Alt sei das Schwimmen mehr als eine Freizeitbeschäftigung. „Es hilft mir im Kampf gegen meine Krankheit sehr“, führt er aus. Seit einigen Jahren leidet der Schlüchterner an einer ganzen Reihe von psychischen Erkrankungen. Darunter schwere Depression, Angststörung und Posttraumatische Belastungsstörung. Eigentlich wären diese – gerade in der Schwere – nicht behandelbar, dennoch erleichtere ihm das Schwimmen seinen Alltag sehr. „Ich merke oft Wochen nachdem ich aus dem Wasser herausgekommen bin, dass mir das gut tut“, meint er: „Auch wenn es mir gerade schwerfällt, mich zu motivieren, weiß ich, dass es das einzige ist, dass mir hilft. Es lässt mich all die negativen Gedanken für einen Moment vergessen und zur Ruhe kommen.“
Gerade deshalb hat er es sich auch zur Aufgabe gemacht, andere Menschen, die ähnliche Schicksale erlitten haben, zu inspirieren, ebenfalls etwas zu finden, dass ihnen derart guttut. „Ich will zeigen: ‚Man kann mit einer Krankheit umgehen und sogar leben, wenn man etwas hat, dass einem hilft.“ Neben ambitionierten Zielen, wie eine dreiwöchige Durchquerung des Mains vom oberfränkischen Mainleus bis zum 330 Kilometer entfernten Mainz-Kostheim am 1. Mai 2026, will der 53-Jährige auch mit seiner Spenden-Aktion für die nächste Fehmarnbelt-Durchquerung gleich ein Zeichen setzen. „Ich mache ein Zwölf-Stunden-Schwimmen mit der Wasserwacht“, erklärt er stolz. Für jede geschwommene Bahn erhält er dann Spendengelder. „Das soll auch klarmachen, dass es machbar ist, zwölf Stunden zu schwimmen“, fügt er an und ergänzt lachend: „Und auch, dass ich bekloppt bin.“
