Sich im Heiligen Land einzufinden, sei anfangs eine Herausforderung gewesen, erzählt Chowanietz. Im Dezember 2019 war sie erstmals für vier Wochen nach Jerusalem in die Dormitio-Abtei gereist, weil eine Freundin davon geschwärmt habe. Die 26-Jährige beschreibt die Erinnerungen an die Abtei sehr positiv, anders als im restlichen Land: „Ich kam mit einem Kulturschock heim.“ Nach ihrem dualen Studium in Fulda während Corona suchte sie dann eine Auszeit – und bewarb sich 2023 für ein Volontariat für die Öffentlichkeitsarbeit in der Abtei. Ermöglicht wurde dieses durch den Deutschen Verein vom Heiligen Land, gibt sie an. Ende September gehe es dann nach einem weiteren Jahr als Mitarbeiterin für die Öffentlichkeitsarbeit wieder nach Fulda. Mittlerweile habe sich auch ihre Haltung zur Stadt geändert, ergänzt die Maberzellerin: „Ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe.“
Die Öffentlichkeitsarbeit in der Abtei Dormitio orientiere sich an dem strukturierten Alltag der Mönche, gibt Chowanietz an. Entweder begleite sie Gebete und Arbeiten vor Ort oder sei mit den Glaubensbrüdern im Land unterwegs, um darüber zu berichten. „Die Rückmeldung ist sehr positiv“, teilt sie mit. In ihrer Zeit in Jerusalem habe sich die Followerzahl auf Instagram mehr als verdoppelt und auch die Aufmerksamkeit für die Reels sei weiter gestiegen: „Man sieht, dass sich die Arbeit lohnt.“ Die 26-Jährige hebt hervor, dass ein reales Bild über das Leben im Land gezeigt wird. Dazu gehören positive Momente wie gemeinsame Friedensgebete als auch negative Momente, etwa das Fehlen von Pilgern wegen der kriegerischen Auseinandersetzung im Gaza-Streifen. Am 7. Oktober 2023 hatte die Hamas Israelis angegriffen und Zivilisten getötet oder entführt. Der daraus erwachsene Konflikt prägt bis heute die Situation im Land.
Die Familie sei wegen des Gaza-Krieges natürlich besorgt, erzählt die Mitarbeiterin in der Abtei. Sie stellt fest, dass ein „Schwarz-Weiß“ wie in den Medien kaum die Wirklichkeit abbilden könne und der Kontakt mit dem Krieg in Jerusalem nur indirekt sei, etwa durch Raketenalarme. In Gesprächen mit Einheimischen habe die 26-Jährige gemerkt, wie die unsichere Zukunft viele beschäftige: „Man spürt die Sorge. Freude und Sorgen, das ist beides da.“ In der Abtei gebe es auch palästinensische Mitarbeiter aus Betlehem, welche jeden Tag einen Checkpoint passieren müssten, um nach Jerusalem zu kommen: „Die werden eher schikaniert, manchmal bleibt die Grenze auch geschlossen.“
Die Maberzellerin ist dankbar für die schöne Zeit in Jerusalem und die vielen zwischenmenschlichen Kontakte. Trotz des großen Konflikts im Land habe sie gesehen, dass eine interkulturelle und interreligiöse Gemeinschaft in Harmonie zusammenleben kann und Menschen sich trotz ihrer Unterschiede wertschätzen können. Den Krieg selbst erlebt zu haben, aber das in einem geschützten Raum, sei für sie ein einmaliges Erlebnis gewesen: „Ich konnte nachvollziehen, wie es den Menschen geht.“ Gerade der Kontakt von anderen Kulturen und Hintergründen sei bereichernd: „Das Zusammenleben funktioniert, wenn man will. Es ist schön, ins Gespräch zu kommen.“
Zum Ende ihrer Zeit in Jerusalem berichtet die 26-Jährige: „Ich habe noch nicht alles gesehen, aber die großen To-dos gemacht.“ Dazu zählen unter anderem Reisen ans Rote Meer und das Tote Meer, die Westbank und Tel-Aviv sowie an den See Genezareth. In den kommenden Tagen wolle sie sich noch von einigen Menschen aus Jerusalem verabschieden, bevor es dann in die Heimat geht. Kulinarisch nimmt Chonawietz aus ihrer Zeit im Heiligen Land vor allem die Begeisterung für „Arabic coffee“ mit: „Das liebe ich mehr als normalen Kaffee.“ Außerdem ist sie sich sicher, dass Rodeina, eine Mitarbeiterin für das Priorat in Tabgha, den leckersten Falafel und den besten Hummus macht.
