„Die Menschen bei Amazon sind aufgebracht, dass ihr Arbeitgeber lediglich eine minimale Lohnanpassung zwischen 2,2 Prozent bis 2,5 Prozent vornimmt. Das bedeutet für den überwiegenden Teil der Belegschaft rund 30 Euro mehr im Geldbeutel. Angesichts der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten und der nachhaltig hohen Lebensmittelpreise zu wenig,“ sagt Marcel Schäuble, Landesbezirksfachbereichsleiter Handel der ver.di Hessen. Die Einkommen liegen weiterhin je nach Entlohnungsgruppe bei Amazon bis zu 4000 Euro Jahreseinkommen niedriger als nach vergleichbarer tariflicher Bezahlung. „Jeder Euro zählt für die Beschäftigten, nicht nur jetzt, sondern auch mit Blick auf die Rentenerwartung. Tarifliche und faire Bezahlung bei Amazon ist auch angesichts der Arbeitsbedingungen geboten. Dafür kämpfen die Kolleginnen und Kollegen weiter,“ so Schäuble. Der Standort Bad Hersfeld wird in den kommenden zwei Jahren auf neue Robotertechnologie umgestellt. Bereits im Vorfeld wird massiv Personal abgebaut. „Für die verbliebene Stammbelegschaft sind einschneidende Veränderungen vorgesehen. Die neuen Arbeitsplätze bedeuten, dass die Maschine die Taktung vorgibt. Arbeitszeit und deren Lage haben sich nach Vorstellung von Amazon dieser Taktung anzupassen. Digitalisierung bei Amazon bedeutet eben nicht, dass die Arbeitsprozesse zu Entlastung der Beschäftigten führen und gesundheitsförderlich gestaltet werden, sondern die Arbeitsbedingungen perspektivisch nicht nur bei den Einkommen schlechter werden,“ sagt Schäuble.
Amazon reagiert und weist Kritik zurück
„Wir weisen die Kritik zurück, die mit der Realität an unserem Standort nichts zu tun hat. Kundinnen und Kunden können sich wie immer auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung ihrer Bestellungen verlassen. Die Kolleginnen und Kollegen profitieren von fairen Löhnen und guten Zusatzleistungen. Der Einstiegslohn bei Amazon in Deutschland liegt ab September bei 15,65 Euro brutto pro Stunde aufwärts“, reagiert Thorsten Schwindhammer aus der Abteilung Communications bei Amazon Deutschland auf die Ankündigung von ver.di: „Dazu gibt es viele Extras, wie die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen mit bis zu 4.500 Euro jährlich, die Kostenübernahme des Deutschlandtickets und die betriebliche Altersvorsorge. Nicht umsonst ist die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen schon seit über fünf Jahren bei uns. Das bedeutet uns als Unternehmen viel.“
Er verweist außerdem darauf, dass der neue Einstiegslohn in Bad Hersfeld ab September sogar 16,05 Euro betrage und sich nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit auf 17,73 Euro erhöhe – wohlgemerkt für ungelernte Tätigkeiten. „Fachkräfte steigen mit 21,83 Euro ein. Der Betriebsrat hat der Erhöhung zugestimmt“, so Schwindhammer. Dazu erklärt er, dass Amazon „signifikant“ in den Standort investiere, wo zukünftig Transportroboter die Mitarbeitenden unterstützen werden. „Dadurch entfallen Laufwege und die Arbeit wird leichter. Diese Technologie kommt bereits an vielen anderen Standorten von Amazon in Deutschland zum Einsatz und die Erfahrungen sind durchgängig positiv. Perspektivisch werden viele neue Jobs u.a. für Fachkräfte wie Techniker entstehen.“
