Lokales FD 13.08.2025

Landwirte bangen um den Weizen – Wetter verzögert die Ernte

Fulda (fp) – Erst Hitze, dann Dauerregen: Auf vielen Feldern in der Region steht die Ernte an, etwa beim Weizen. Dies gestaltet sich aufgrund des sehr unbeständigen Wetters in den vergangenen Wochen als eine Herausforderung für die Landwirte. Wie Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld, berichtet, bleibe für eine verlustfreie Ernte nur noch wenig Zeit.

Symbolfoto: Pascal Fischer

Symbolfoto: Pixabay

„In den kommenden ein bis zwei Wochen muss der Weizen runter“, erklärt Schramm, der selbst Landwirt ist: „Die Bestände, die jetzt draußen sind, sind in der Regel alle reif.“ Zwar komme es auf den Aussaatzeitpunkt an, doch die meisten Landwirte in der Region müssten langsam ernten. Andernfalls drohen Ernte- und Qualitätseinbrüche. „Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt“, führt er weiter aus: „Da muss in wenigen Tagen, viel bewegt werden.“ Gerade die Landwirte, die mit Backqualität, also die höchste Stufe der Weizenbeschaffenheit, rechneten, müssten jetzt langsam schnell werden, denn sonst drohen Einbuße: „Bis zu 20 bis 30 Prozent Wertverlust könnte man schon annehmen“, so Schramm: „Das ist im Zweifel nicht existenzbedrohend, so hoch würde ich es nicht hängen. Aber im Geldbeutel tut das schon sehr weh.“ Preissteigerungen für den Endkunden, sind dadurch nicht zu erwarten, stellt er klar: „Da müssten schon an ganz vielen anderen Orten wesentlich größere Katastrophen passieren, dass wir das spüren würden.“

Während die sogenannte Wintergerste vielerorts bereits eingefahren ist, braucht der Winterweizen oft einige Wochen länger für den Reifeprozess. „Ende Juli ist so der Zeitpunkt meistens“, erläutert Steffen Zengerle, Betreiber des Dipperzer Dornhofs: „Der wird teilweise schon schwarz.“ Das liege daran, dass der Weizen einen Pilz ansetzt, wenn er zu feucht wird, was sich negativ auf die Ernte auswirken könne, so der Landwirt weiter. Generell brauche es nur etwa zwei oder drei Tage gutes Wetter, damit die Ernte des wertvollen Weizens eingefahren und getrocknet werden kann. „Wir müssen eine Feuchte von etwa 15 Prozent auf dem Feld unterschreiten, damit wir verlustfrei einfahren können“, berichtet er: „Und dann muss das Stroh noch mindestens einen Tag zum Trocknen liegen können, sonst bringen wir das nicht rein.“ Die Verderbnis-Gefahr sei sonst zu hoch, so Zengerle. Da es sich dabei um einen Jahresvorrat handle, sei bei der Wahl des Erntezeitpunkts Vorsicht angesagt. „Man muss die Zeit haben, weil am Ende fährt man etwas ein, was keiner mehr brauchen kann“, mahnt er, Der Landwirt bleibe mit Blick auf den diesjährigen Erntezeitpunkt dennoch entspannt. Lachend fügt er hinzu: „Wir haben schon im September abgeerntet. Solange die Feuchtigkeit im Lager stimmt, geht das.“ Im Gegensatz zum Weizen, hätte der Regen Mais und Grünschnitt außerdem sehr gutgetan, fügt er an: „Da können wir bisher sagen: ‚Toi, Toi, Toi‘, dass sich der wieder erholt.“ Durch die starke Hitze im Juni hätte der Grasschnitt, aus dem Futter für die Tiere gewonnen werde, nämlich ebenfalls gelitten. „Jedes Jahr auf’s neue mit dem Wetter“, merkt Zengerle nüchtern an: „Wir müssen uns da halt nach richten. So ist das in dem Beruf.“