Lokales FD 18.08.2025

„Kinder haben keine Knautschzone“: Sicherheitsaktion zum Schulstart

Maberzell (sim) – Die Sommerferien sind vorbei, der Alltag kehrt zurück – und mit ihm wird es auf den Straßen im Landkreis Fulda wieder deutlich voller. Besonders für die Jüngsten bedeutet der Schulbeginn eine große Umstellung: Neue Wege, neue Regeln, neue Gefahren. Um den Schulweg für Grundschulkinder sicherer zu machen, veranstaltete die Kreisverkehrswacht Fulda am Montag an der ABC Land-Schule in Fulda-Maberzell die kreisweite Verkehrssicherheitsaktion „Tempo runter – Schulanfang!“.

Symbolträchtiger Moment vor der ABC Land-Schule: Kinder und Verantwortliche präsentieren das Banner für mehr Sicherheit. Foto: Silas Messing

Bereits um 9 Uhr begrüßten Gerhard Brink, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Fulda, und die Schulleiterin der ABC Land-Schule, Martina Fischer, zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Polizei und Schule im Sekretariat. Mit dabei waren unter anderem der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt, die Leiterin des Schul- und Sportamts Fulda, Petra Korger-Vieres, sowie Vertreter der Polizei, des Staatlichen Schulamts und der Sparkasse Fulda. Auch Richard Hartwig vom Vorstand der Sparkasse und Peter Heil, Leiter der Polizeistation Fulda, waren vor Ort, um die Aktion aktiv zu unterstützen. In seiner Begrüßung erinnerte Gerhard Brink an frühere Zeiten, in denen Schulanfänger noch mit gelben Mützen als Warnsignal ausgestattet wurden – ein sichtbares Zeichen für Sicherheit im Straßenverkehr. Heute sind es Warnwesten, doch die Botschaft bleibt gleich: Wer fährt, muss auf Kinder Rücksicht nehmen. Brink betonte, dass es zwar weniger Unfälle gebe als früher, dies aber keineswegs bedeute, dass die Straßen automatisch sicherer geworden seien. „Nur wer das Tempo reduziert, schützt unsere Kinder und reduziert die Unfallgefahren. Es geht nicht um die 20 Sekunden, die man schneller ankommt – es geht um Leben und Unversehrtheit“, so Brink.

Besonders kritisch äußerte er sich zum Verhalten mancher Eltern, die trotz der bekannten Risiken viel zu schnell unterwegs seien oder ihre Kinder an unübersichtlichen Stellen aus dem Auto springen lassen. „Das Schlimmste für viele Eltern wäre ein Unfall mit dem eigenen Kind – und trotzdem sehen wir immer wieder, dass gerade sie sich nicht an die Regeln halten“, sagte Brink. Wenn dann ein Blitzerfoto ins Haus flattere, heiße es schnell, der Staat wolle nur abkassieren. „Aber das stimmt nicht – das ist Unfallschutz. Kinder haben keine Knautschzone!“ Auch Martina Fischer, Schulleiterin der Grundschule, unterstrich die Bedeutung der Aktion: „Kinder können Geschwindigkeiten nicht richtig einschätzen – das sehen wir hier an der Schule tagtäglich. Bis jetzt ist zum Glück noch nichts passiert, und es ist gut, dass es die Verkehrswacht gibt.“ Gerade für Schulanfänger sei das richtige Verhalten im Straßenverkehr noch völlig neu – sie seien nicht nur Schul-, sondern auch Verkehrsanfänger. Deshalb müssten Eltern nicht nur reden, sondern gemeinsam mit ihren Kindern den sicheren Schulweg einüben. „Kinder lernen durch Nachahmung, nicht durch bloßes Ermahnen“, ergänzte Brink.

Peter Heil von der Polizei lobte die kontinuierliche Arbeit der Verkehrswacht: „Die Kreisverkehrswacht hat ein Gesicht – und das ist Gerhard Brink. Wir haben im Landkreis über 3000 Verkehrsunfälle im Jahr, und die Hauptursache ist nach wie vor überhöhte Geschwindigkeit. Viele wollen das nicht hören – dann muss die Erkenntnis eben über den Geldbeutel kommen.“ Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt betonte in seinem Grußwort die dauerhafte Notwendigkeit solcher Aktionen. „Viele Menschen empfinden 50 km/h nicht als schnell – doch gerade im Bereich von Schulen ist das bereits viel zu viel. Die Verkehrswacht ist ein starkes Symbol für Sicherheit – und das ist untrennbar mit Gerhard Brink verbunden.“ Auch Petra Korger-Vieres vom Schul- und Sportamt der Stadt Fulda sprach der Verkehrswacht ihren Dank aus. „Das ist eine enorm wichtige Arbeit. Die Sensibilisierung der Kinder ist entscheidend – aber genauso wichtig ist die Sensibilisierung der Erwachsenen. Gemeinsam mit der Verkehrswacht versuchen wir stetig, die Sicherheit auf dem Schulweg zu verbessern.“

Brink erinnerte abschließend daran, wie wichtig ehrenamtliche Helfer wie Elternlotsen sind, deren Engagement in den vergangenen Jahren leider zurückgegangen ist. „Kinder können Geschwindigkeiten erst ab etwa zwölf Jahren richtig einschätzen – bis dahin brauchen sie unsere Unterstützung. Wir Erwachsene müssen uns auf die Kinder einstellen, nicht umgekehrt.“ Besonderen Dank sprach Brink an die Sparkasse Fulda aus: „Ohne sie wären viele Aktionen gar nicht möglich. Ein Banner kostet 60 Euro – und das finanzieren wir nicht aus der Portokasse.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei lobte er ausdrücklich: „Ich mache das hier nicht für die Verkehrswacht – ich mache das für die Sicherheit.“ Am Ende der Veranstaltung war die Botschaft klar: Jeder Verkehrsteilnehmer sollte sich eine „symbolische Warnweste“ anlegen – als Zeichen dafür, dass alle Menschen Verantwortung tragen. Und das nicht nur am ersten Schultag, sondern das ganze Jahr über. Denn Schulanfänger sind immer auch Verkehrsanfänger – und sie verdienen Rücksicht.

Auftaktveranstaltung zu Aktion in Maberzell. Fotos: Silas Messing