Lokales FD 08.08.2025

Keine Farbpflicht für Schutzkleidung mehr – Feuerwehren erleichtert

Fulda (fp) – Dunkelblau war lange Zeit die einheitlich vorgeschrieben Farbe für Schutzkleidung der Feuerwehr in Hessen. Das Landesinnenministerium hat vor einigen Monaten diese Regelung gelockert und erlaubt nun eine freie Farbwahl. Die Reaktion in den Wehren rund um Fulda fällt unterschiedlich aus. Vermehrt wird Erleichterung geäußert, da der Wunsch nach helleren Farben schon länger bestehe.

Symbolfoto: pixabay

Dunkle Farben würden sich deutlich schneller aufheizen, stellt Martin Fischer, Gemeindebrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehren Eichenzell, heraus. Das führe bei den Einsatzkräften zu deutlich mehr Transpiration und erhöhe das Risiko einen Hitzschlag zu erleiden. Für Fischer, der gemeinsam mit den Wehren in Eichenzell, lange für eine Abschaffung der Farbpflicht eingesetzt habe, käme die Regelung knapp anderthalb Jahre zu spät. „Ich halte die Entscheidung für sehr sinnvoll“, betont er und kritisiert das Vorgehen des Ministeriums: „Man darf nicht auf irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen festhalten.“ Als Begründung habe das Innenministerium angegeben, dass eine hessenweite, einheitliche Erkennbarkeit der Einsatzkräfte gegeben sein muss. „Außerdem hatten sie Sorge, dass alle sich sofort andere Kleidung anschaffen, sobald das umgestellt wird“, erläutert Fischer weiter: „Das werden aber die wenigsten Wehren machen, weil die Bekleidung sehr teuer ist. Das wird, wenn dann sukzessive umgestellt.“

Neben dem geringeren Temperaturproblem böten hellere Farben auch Vorteile bei der Sicherheit im Straßenverkehr und in Sachen Hygiene- und Kontaminationsverschleppung, berichtet auch Thomas Helmer, Leiter der Feuerwehr Fulda. „Helle zum Beispiel sandfarbene Einsatzkleidung in Kombination mit geeigneten Reflexstreifen ist sowohl am Tage als auch bei Dunkelheit besser sichtbar. Zudem zeichnet sich die Kontur einer Einsatzkraft deutlich besser ab“, so der Feuerwehr-Leiter: „Verschmutzungen und Kontaminationen durch Brandrückstände, Gefahrstoffe, Öle und Fette können auf sandfarbenen Obermaterialien erheblich besser erkannt werden. Infolgedessen kann eine Kontaminationsverschleppung verhindert werden.“ Die Sicherheitsbekleidung könnte dadurch zielgerichteter gereinigt und ihre Lebensdauer damit erhöht werden.

Die Entscheidung, Wehren künftig nicht mehr zu einer starren Farbvorgabe zu verpflichten, sehe Helmer genauso wie sein Eichenzeller Kollege als sinnvoll an. „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Bemühungen um ‚Entbürokratisierung‘ der Verwaltung hält die Feuerwehr Fulda eine starre Farbvorgabe für Feuerschutzkleidung durch das Land für nicht zielführend“, führt er aus: „Die Auswahl sollte grundsätzlich in der fachlichen Zuständigkeit der Aufgabenträger – also der Kommunen – liegen.“ Eine Umstellung auf eine andere Farbe sehe er allerdings nicht als unmittelbar notwendig an, da „alle Sicherheits- und Hygieneanforderungen für die Einsatzkräfte durch die modernen marktverfügbaren Textilien, unabhängig von deren Färbung, erfüllt werden“, so der Feuerwehrleiter: „Entscheidend ist für die Feuerwehr Fulda die Empfehlung des Landes, dass die bestehende Feuerschutzkleidung weiter genutzt werden und nur im Bedarfsfall, zum Beispiel bei turnusmäßiger Ersatzbeschaffung, durch eine Feuerschutzkleidung in einer anderen Farbe – wenn es auch wirtschaftlich darstellbar ist – ersetzt werden kann.“ Denn Sicherheitsbekleidung sei teuer, hebt er hervor. Nur für die Kombination Überjacke/Überhose, ohne Schuhe und Helm, sind mit Preisen zwischen zirka 900 und 1700 Euro pro Einsatzkraft zu rechnen.