Lokales HEF 14.08.2025

„In die Arbeit gestürzt“: Hinkel geht mit „hunderten Erinnerungen“

Bad Hersfeld (pf/pm) – Es war seine letzte Saison als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele: Auch das Jahr 2025 verbuchte Joern Hinkel als erfolgreiches – was die Aufführungen, und auch die Besucherzahlen angeht. Er geht nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge – und gestaltete sein letztes Jahr bewusst etwas anders.

Joern Hinkel wird die Festspiele verlassen... Fotos: Andreas Schellenberg

... die Stiftsruine war jahrelang sein Arbeitsplatz. Foto: Pascal Fischer

„Wenn ich auf meine Zeit als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückblicke, bleiben mir viele viele hundert schöne Erinnerungen. Erinnerungen an einen absolut einmaligen Aufführungsort. An ein Team, das immer offen für neue Ideen war. So gut wie nie habe ich hier den Satz gehört; `Das ist nicht möglich‘, sondern meistens: ,Wir überlegen, wie wir das möglich machen können.‘ Mit Liebe zum Detail haben alle Abteilungen einen fantastischen Job gemacht. Jeden Abend haben die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Musikerinnen und Musiker, die Sängerinnen und Sänger, die Tänzerinnen und Tänzer vollen Einsatz gezeigt“, sagt Joern Hinkel in einem persönlichen Rückblick.

„Der Kontakt und der Austausch mit den Sponsoren war mir im Laufe der Jahre immer wichtiger. Die meisten unter ihnen sind Weggefährten über einen langen Zeitraum, kennen die Festspiele oft schon seit Jahrzehnten, sind nicht nur finanzielle Unterstützer, sondern auch wichtige Seismographen aus dem Zuschauerraum und aus dem Wirtschaftsleben“, so der scheidende Intendant weiter.

„Besonders hervorheben möchte ich die enge, immer herzliche Kooperation mit unserem Hauptsponsor, der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg. Angefangen mit der Ausrichtung von Pressekonferenzen in ihren Gebäuden, über die Zusammenarbeit bei Ausstellungen, Lesungen, dem Treffen der Bürgermeister aus der Region, bis hin zu guten, konstruktiven inhaltlichen Gesprächen, sind die Mitarbeiter und das Vorstandsteam immer verlässliche Partner - und das seit Gründung der Festspiele“, so Hinkel.

 

Herausforderungen und Highlights

Eine Herausforderung dieses Spieljahres war die Kürzung des zu erwartenden Bundeszuschusses um 560.000 Euro – die Planungen für den Spielplan waren bereits abgeschlossen, die Vertragsverhandlungen in vollem Gang. „Kolleginnen und Kollegen, die die Festspiele in den vergangenen Jahren maßgeblich mitgestaltet haben, waren bereit, ihre Gagen zu reduzieren oder ihre Konzepte zu überarbeiten – ich bin allen sehr dankbar, dass sie diese Spielzeit trotz komplexer finanzieller Herausforderungen voller Leidenschaft und Tatendrang realisiert haben. Das ist alles andere als selbstverständlich“, betont Hinkel.

Unvergessen bleibe für ihn wiederum „der andere Sommer“ im Corona-Jahr 2020: „Die Stadt und alle städtischen kulturellen Einrichtungen taten sich solidarisch zusammen und wir stellten gemeinsam ein fantastisches Programm in der leeren Stiftsruine, im Park, in Hotels und auf öffentlichen Plätzen zusammen“, so Hinkel. Hygieneregeln, neue Perspektiven, Solidarität – diese Zusammenarbeit sei noch nie dagewesen.

Zu den Highlights und Schwerpunkten seiner Amtszeit zähle Hinkel unter anderem, Kinder und Jugendliche für Theater zu begeistern: „Mit dem Sommernachtsträumer e.V. und den Schülern der Konrad-Duden-Schule konnten in Zusammenarbeit mit so wundervollen Kolleginnen und Kollegen wie Andrea Exner, Oliver Urbanski, Jurriaan Bles, Christoph Jonas und Elias Christen in den vergangenen acht Jahren eine Vielzahl von Projekten realisiert werden“. Außerdem freute Hinkel die „aufrichtige Herzlichkeit, mit der Ministerpräsident Boris Rhein mir den Hessischen Verdienstorden am Bande ans Revers heftete. Für seine Unterstützung bin ich sehr dankbar - ich kenne ihn seit meinem ersten Jahr in Bad Hersfeld, damals hat er den Festspielen in seiner Funktion als Minister für Wissenschaft und Kunst einen Besuch abgestattet. 2025 eröffnete er als Hessischer Ministerpräsident und Schirmherr meine letzte Saison als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele“. Den Besuch des Oscar-prämierten Drehbuchautoren Tom Schulman im Jahr 2023, der extra aus Hollywood nach Bad Hersfeld anreiste, werde Hinkel auch nicht vergessen.

Die Abschiedsworte des Intendanten: „Vielleicht ist es aufgefallen, dass ich in dieser Spielzeit besonders oft selbst auf der Bühne stand, für Kollegen eingesprungen bin, zahlreiche Einführungsvorträge gehalten, individuelle Backstage-Führungen dazwischengeschoben oder zuletzt eine Lesung zusammen mit meinem Schulfreund und Kollegen Alexander Netschajew im Kapitelsaal gemacht habe“, so der 54-Jährige. Das Warum beantwortet er sogleich mit: „Ich wollte die Festspiele in all ihren Möglichkeiten selbst in vollen Zügen genießen, weil alles, was damit zu tun hat, mir eine große Freude macht. Mich in die Arbeit zu stürzen, war meine Methode, nicht zu viel über den Abschied zu grübeln. So kann man dann auch mit einem guten Gefühl gehen“.

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