Lokales FD 21.08.2025

Immer weniger Ärzte - Immer längere Wartezeiten - Neues MVZ?

Fulda (fp) – Unter dem Titel „Hausärztliche und fachärztliche Versorgung in Fulda“ lud die CDU-Stadtverordnetenfraktion am Mittwochabend zu einer Diskussionsrunde mit mehreren Experten ins Klinikum Fulda ein. Gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Vorstand Krankenversorgung des Klinikums, Simone Del Duca, Geschäftsführung des MVZ Osthessen und Dr. Ralph-Michael Hönscher, Vorsitzender des Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) wurden mögliche Lösungsansätze für die ärztliche Versorgung debattiert.

Die Experten diskutierten im Klinikum. Fotos: Felix Pillat

Fachkräftemangel, sinkende Anzahl an Bestandsärzten durch Rentenaustritt, lange Wartezeiten auf Termine für Patienten: Das Gesundheitssystem steht auch in Osthessen vor einigen Herausforderungen. Gerade in den kommenden Jahren soll die Anzahl der Fachkräfte im medizinischen Bereich durch den Rentenaustritt stark sinken, was ein großes Loch in die ärztliche Versorgung reißen könnte. Die CDU-Stadtverordnetenfraktion, das Klinikum Fulda samt MVZ Osthessen und dem GNO machten sich gemeinsam Gedanken, wie dieses Problem anzugehen ist. „Die Frage war ursprünglich, wie können wir das Kind noch aus dem Brunen ziehen“, erklärte GNO-Chef Hönscher: „Doch das Kind ist im Brunnen, wir müssen jetzt schauen, dass es schwimmt.“

Rund 37 Prozent der bisher beschäftigten Ärzte sollen in den kommenden Jahren aus dem Beruf austreten, führte er aus: „Können Sie sich vorstellen, was da für eine Welle auf uns zurollt?“ Auf der anderen Seite fehle junger Nachzug. Die Lösung sehe das Klinikum in früher Bindung von Fachkräften. „Wir haben gut daran getan, junge Menschen bereits während der Ausbildung langfristig an den Standort zu binden“, stellte Menzel heraus. In der Domstadt seien viele Medizinstudenten vorhanden, die durch attraktive Konditionen hier gehalten werden sollen, sagte er weiter. Dennoch bleibe der Arztberuf für viele unattraktiv, fügte Hönscher an. Gründe dafür seien beispielsweise die überbordende Bürokratie, schlechte Konditionen bei Mehrarbeit, aber auch hohem Arbeitsaufwand als niedergelassener Facharzt. „Das schreckt viele Menschen ab“, meinte er weiter. Gerade im ländlichen Bereich könnten dadurch Versorgungsstrukturen zusammenbrechen, warnte der GNO-Chef: „Wir dürfen die Leute vor Ort nicht alleine lassen.“

Eine weitere Lösung für das Fachkräftemangel-Problem sei die Weiterbildung existierender Fachkräfte in der Pflege und im medizinischen Bereich, führte Del Duca an: „Die Menschen, die jetzt eine medizinische Ausbildung machen, brauchen noch zehn bis zwölf Jahre, bis sie im System gefestigt sind.“ So müsse es Subventionen vom Land oder dem Bund geben, um beispielsweise Medizinische Fachangestellte so weit weiterzubilden, dass sie ähnliche oder gleiche Kompetenzen wie ein Assistenzarzt hätten. Das sei zwar kostenintensiv, könnte aber kurzfristig zu Entlastung führen.

Weitere Probleme seien die fachärztliche Überbeanspruchung seitens der Patienten. Das liege auch an der Vergabe von Facharztterminen für „Lappalien“, stellte Hönscher fest: „Viele Menschen gehen zu einem Spezialisten, mit Problemen, die eigentlich der Hausarzt regeln könnte.“ Einer der anwesenden Ärzte wusste: „Trauen Sie Ihrem Hausarzt eine Menge zu. Das ist wie mit gutem Wein, je älter sie werden, desto besser sind sie.“ Um die Zuweisung in den richtigen medizinischen Fachbereich zukünftig zu verbessern, plane das Klinikum außerdem, ein Online-Portal einzuführen, das Patienten Informationen zu ihren Symptomen und der nachfolgenden richtigen ärztlichen Versorgung geben soll, berichtete Menzel.

Ein weiterer Vorschlag war die Einrichtung eines weiteren MVZ in der Region, um mehr haus- und fachärztliche Versorgungsdichte zu schaffen. „Das ist sicherlich eine gute Lösung“, merkte Del Duca an: „Aber: Finden Sie erstmal die Leute, die dann da reingehen.“ Der Fachkräftemangel bleibe dennoch bestehen. Da mischte sich dann Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld ein und stellte heraus: „Bei all den Kalamitäten muss man sagen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir überhaupt so eine gute Versorgung haben.“ Er sah die Lösung in einer stärkeren Unterstützung medizinischer Hausarztpraxen in Fulda. Als Beispiel führte er die kürzlich eingeweihte Hausarztpraxis am Gallasiniring an, für die die Stadt Fulda die Trägerschaft übernommen hatte.

CDU vor Ort im Klinikum Fulda. Fotos: Felix Pillat