Hesse bedankte sich am Dienstagmittag zunächst bei ihrem Vorgänger: „Nicht nur für die schöne und reibungslose Übergabe. Was er alles geleistet hat, ist nicht selbstverständlich.“ Die Fußstapfen sind groß, für die 1964 in Österreichs Landeshauptstadt geborene Hesse ist die Bad Hersfelder Stiftsruine allerdings keine Unbekannte: Viel mehr kehrt die renommierte Direktorin und Produzentin nach ihrem Abschied als Intendantin 2009 nun in die Kreisstadt zurück. „Für mich ist es ein sehr, sehr gutes Gefühl, überwältigend“, freute sich die 61-Jährige. Und für ihre zweite Amtszeit hat sich Hesse einiges vorgenommen: „Der Weg von Tradition zu Innovation wird sich auch in den Aufführungen widerspiegeln. Mir liegt vor allem die künstlerische Qualität am Herzen. Gerade im Jubiläumsjahr des 75-jährigen Bestehens wollen wir deutlich machen, dass die Bad Hersfelder Festspiele eine Ikone bedeuten. Es handelt sich hier nicht um irgendein Festspiel, sondern eine Benchmark in einer Reihe mit Salzburg, Bayreuth und Bregenz. Wir spielen dabei nicht nur die leichte Note des Musicals, sondern wollen das Besondere der Bühnenwelt in vielerlei Varianten zeigen.“ Aus diesem Grund wollen Hesse und ihr Team auch eine Art Festivalzentrum schaffen, welches sich direkt vor der Stiftsruine befinden soll: „Zum Nachdenken, zum Austauschen, aber auch zum Feiern“, wie die Intendantin betonte: „Darüber hinaus wird es ein Bürgerprojekt geben, denn die Stadt prägt dieses Festival und wir wollen die Menschen noch mehr abholen. Das Ziel ist eine noch engere Verbindung und das Schaffen eines ‚Wir-Gefühls“. Dieser Gedanke der „res publica“, also das konstante Miteinander von und mit der Stadt als Organisation wie auch von und mit den Bürgerinnen und Bürgern in der gesamten Festspielzeit, gepaart mit der einzigartigen Stiftsruine, machen die Einzigartigkeit der Bad Hersfelder Festspiele aus.“
Bis 2030 wird Elke Hesse nun die Intendanz der traditionsreichen Festspiele innehaben. Die Wienerin blickte bereits einmal voraus und erklärte, was das Besondere an den künftigen Spielzeiten an der Stiftsruine sein soll: „Wir machen Klassiker der Bühne zu Innovationen, möchten uraufführen, haben vor, den guten Geist vergangener Zeiten – wo immer möglich – mit neuen klanglichen Dimensionen zu einem neuen Erlebnis zu gestalten. Alle Projekte auf und neben der Bühne gehen von der Ruine aus, sind für sie gedacht. Die Einzigartigkeit unseres Spielortes möchten wir in Verbindung zu großen Werken der Weltliteratur setzen und kreieren dazu ein spezielles unverwechselbares „Hersfeld-Ensemble“, das sich mit der Stadt und ihren Menschen identifiziert. Das Musiktheater möchten wir weiterentwickeln“, betonte die neue Intendantin: „Die Festspiele dürfen nicht altern, daher setzen wir uns zum Ziel, wirklich jedes Jahr etwas Neues zu bieten. Dazu zählt im ersten Jahr beispielsweise unser Community-Projekt als Sinnbild des Gedankens des Gemeinsamen, einer ‚res publica‘: Die Stadt trägt das Festival – wir tragen das Festival in die Stadt.“
