Seit Beginn des neuen Schuljahres ist die Polizei osthessenweit im Rahmen der Aktion „Blitz für Kids“ auf Schulwegen und unmittelbar vor den Schulen im Einsatz. An der Grunschule in Flieden wechselten sich am Donnerstag vier Teams mit jeweils acht Viertklässlern innerhalb von einer halben Stunde ab und unterstützten die Beamten. Während die Polizisten die Verkehrsteilnehmer über die Aktion aufklärten, überreichten die Kids den vorblichen Fahrern jeweils eine grüne Karte und Rosen und sprachen ihren Dank aus. Für Verstöße, wie beispielsweise Handy-Nutzung, Fahren ohne Gurt oder zu schnelles Fahren vor der Grundschule, verteilten die Schüler eine gelbe Karte sowie eine Zitrone und appellieren an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer.
„Wir wollen der Geschwindigkeit ein Gesicht geben und zeigen, wieso sie so wichtig ist“, erklärte Polizeioberkommissar und Einsatzleiter Harald Schlenk. Bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern betrage der Bremsweg allein etwa 13 Meter – und das bei günstigen Verhältnissen. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer würde sich der Bremsweg mehr als verdoppeln. Damit würden die Autofahrer das Kind, welches beispielweise einem Ball hinterherrennt, erwischen. „Das müssen wir den Autofahrern beibringen“, betonte Schlenk. Erst ab dem zwölften Lebensjahr entwickle sich die Ortungsfähigkeit sowie Geschwindigkeitseinschätzung bei Kindern, weswegen es umso wichtiger sei, an Schulen die angeordneten 30 Sachen einzuhalten. „Wir müssen von der Denke wegkommen, dass Kinder kleine Erwachsene sind – Kinder sind Kinder“, hob der Polizist nochmal hervor.
Daher seien Aktionen wie „Blitz für Kids“ umso wichtiger. Statt einen „anonymen Blitzer“ aufzustellen, kommen die vermeintlichen Raser in den direkten Kontakt mit den betroffenen Kindern und überdenken ihre Fahrweise, so zumindest die Hoffnung der Polizei. „Wir müssen damit kein Geld verdienen. Am liebsten ist es, wenn wir in freundliche Gesichter und freundliche Autofahrer sehen können“, so Schlenk. Die Zahlen für Schulwegunfälle seien weiterhin auf einem erschreckend hohen Niveau. Besonders die Unfälle mit Todesfolgen seien deutlich angestiegen, so Engelbert Auth von der Verkehrswacht Hessen. „Wir müssen den Fokus auf die Straßen legen. Es wird immer wichtiger, gerade für die Erstklässler“, betonte er.
Das Feedback der Verkehrsteilnehmer für solche Aktionen wie sei durchweg positiv: „Man denkt nur an die Termine und vergisst, dass man vorsichtig fahren muss. Im Zweifelsfall passiert noch etwas Schlimmes“, zeigte ein Fahrer vor Ort in Flieden Einsicht. Der Mann fuhr deutlich schneller als erlaubt und bekam von den Kids eine gelbe Karte sowie eine Zitrone überreicht. „Es ist eine Top Aktion“, freute sich eine weitere Autofahrerin, die als Dank für ihr rücksichtsvolles Fahren eine grüne Karte sowie eine Rose von den Schülern erhielt.
