„Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich das schaffe, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht“, sagt der gelernte Maurer. Den Auslöser für seinen Wandel beschreibt er schlicht: „Ich habe mich in meiner Haut einfach nicht mehr wohlgefühlt.“ Schon früher war er mit seinem Opa beim Rhön-Special-Cup gefahren, dann lange nicht mehr. Als er abnehmen wollte, entdeckte er das Rennrad wieder für sich.
Vorbereitung in Rekordzeit
Die Idee für die Tour war schnell geboren – nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz, sondern auch aus einem familiären Grund: Sein Opa lebt in Untertweng. „Das Ziel stand damit fest.“ Geplant hat David die Fahrt nur eine Woche lang, trainierte dafür aber konsequent: dreimal pro Woche Krafttraining in der Corpus Lounge Großenlüder und mindestens einmal pro Woche eine Radtour über 100 Kilometer. Vor der Tour hatte er bereits rund 3000 Kilometer in den Beinen – darunter eine Vier-Tage-Fahrt nach Hamburg und zurück mit 868 Kilometern und 7000 Höhenmetern. Sein Rad für die Reise war ein KTM Strada 2000 – ein Geschenk seines Opas. Die Taschen stammten von Cyclite: eine Oberrohrtasche, eine Rahmentasche und, wie er schmunzelnd sagt, „eine Arschrakete“. Kleidung: Trikots von Rhön Sprudel, Hose von Amazon, Schuhe von Shimano. Dazu ein Multitool, Luftpumpe, Kettenglieder und zwei Ersatzschläuche. Übernachtet wurde im Zelt, mit Schlafsack und Isomatte.
Vier Tage zwischen Euphorie und Erschöpfung
Am Mittwochmorgen, 6. August 2025, ging es in Fulda los. Die erste Etappe führte über Gersfeld, Schweinfurt, Bamberg und Erlangen bis zu einem Campingplatz – 209 Kilometer, Schmerzen und eine plötzlich auftretende Herpes-Infektion inklusive. „Aufgeben war keine Option.“ Der zweite Tag: Fürth, Nürnberg, Berching, Landshut – 193 Kilometer. Die Rezeption des Campingplatzes war bereits geschlossen, doch ein Anruf verschaffte ihm einen leeren Wohnmobil-Stellplatz. „Ich hatte kein Wohnmobil, aber den Platz ganz für mich – ein echter Lichtblick.“ Am dritten Tag weckten ihn Mückenschwärme an der Isar. Die Route führte über Geisenhausen, Mühldorf am Inn, Garching und Tittmoning bis nach Salzburg. Dort gönnte er sich beim Italiener eine große Pizza und eine ebenso große Portion Spaghetti Bolognese. „Die Kellnerin war überrascht, dass ich das alles essen wollte – ich habe es geschafft“, schmunzelt Wacker.
Der Tag der Wahrheit
Der vierte und härteste Tag wartete mit Hitze, wenig Schlaf und den gefürchteten Anstiegen über die Tauern und den Katschbergpass auf. Schon am frühen Morgen erlebte Wacker einen dieser Momente, die sich einbrennen: „Es war atemberaubend schön, morgens zwischen den Bergen zum ersten Anstieg zu fahren.“ Doch die Idylle wich schnell der Anstrengung. „Als ich den ersten Anstieg hochfuhr, wusste ich, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich war wirklich am Ende, aber ich habe mir gesagt: Stück für Stück. Und oben angekommen, geht’s ja wieder bergab.“ Mit 120 Kilogramm Gesamtgewicht inklusive Gepäck kämpfte er sich Schritt für Schritt hinauf, überholt von E-Bikern und Motorradfahrern – unbeirrbar. „Oben am Katschberg wusste ich, dass ich es geschafft habe. Aber ich blieb cool – es kann immer noch etwas passieren.“ Die Abfahrt führte ihn nach Seeboden, Gmünd und schließlich nach Untertweng, wo ihn Familie und Freunde erwarteten. „Das halbe Dorf wusste, dass ich komme“, sagt er. Die Ankunft war überwältigend – mit Freudentränen. Im Gasthof Wacker, seit Generationen in Familienbesitz, gab es eine deftige Kärntner Mahlzeit als Belohnung.
Mehr als nur ein sportlicher Erfolg
Seine Durchschnittsgeschwindigkeit lag anfangs bei 25 Stundenkilometern, am letzten Tag bei 19,6. Verpflegt hat er sich überwiegend aus Lebensmittelgeschäften – Gebäck, Cola, Gummibärchen – „es ging nicht um gesunde Ernährung, es musste funktionieren“, erklärt Wacker. Trotz weniger Kilometer als bei der Hamburg-Tour war die Fahrt nach Österreich deutlich härter. „Egal wie schwer das Leben gerade ist – man kann jeden Tag neu anfangen und etwas verändern. Man darf nicht in seiner Komfortzone verharren, denn nur wer sie verlässt, erlebt echte Veränderung und persönliches Wachstum.“ Zurück fuhr er mit dem Zug. Und denkt schon an das nächste Ziel: den Ironman 2027 in Kärnten – oder, falls der dort nicht mehr stattfindet, in Frankfurt. „So wie bei dieser Tour: Wenn ich mir etwas vornehme und es selbst will, dann schaffe ich es.“
Instagram-Profil von David Wacker: d.wacker04
