Tischtennis 16.04.2025

World Cup in Macau – Ovtcharov und Duda bestreiten deutsches Duell

Macau (pm/pf) – Der EM-Zweite Benedikt Duda und der Weltpokal-Sieger von 2017, Dimitrij Ovtcharov, haben beim mit 1 Million US-Dollar dotierten World Cup der Damen und Herren (14. bis 20. April) den Sprung aus der Vorrunde ins Achtelfinale geschafft. Ovtcharov behielt in einem dramatischen Krimi gegen Lin Yun-Ju die Nerven und setzte sich mit 3:1 durch. Duda genügte ein 2:2-Remis im letzten Gruppenspiel gegen den Südkoreaner Oh Junsung zum verdienten Gruppensieg. In der Endrunde kommt es nun am Donnerstag um 12 Uhr MESZ zum direkten Aufeinandertreffen der Nationalmannschaftskollegen.

Foto: Christine Görlich

Internationale Duelle der beiden Deutschen gab es bislang zweimal. 2022 gewann Ovtcharov, den letzten Vergleich entschied Duda im Oktober 2024 im Halbfinale der Europameisterschaften von Linz für sich. Bundestrainer Jörg Roßkopf war von der Auslosung alles andere als angetan: „Es wurden nur die ersten Vier der Weltrangliste gesetzt, alle anderen frei ins Feld gelost. Auch wenn Deutschland damit in jedem Fall einen Vertreter im Viertelfinale haben wird – solch ein Spiel will kein Nationaltrainer schon in der ersten Hauptrunde sehen. Solche Konstellationen bei einem World Cup sollten die Verantwortlichen künftig vermeiden.“ Der Sieger des deutschen Duells trifft im Viertelfinale auf den Gewinner der Partie zwischen dem Weltranglistenzweiten Wang Chuqin (China) und Kanak Jha (USA).

Die übrigen sechs DTTB-Asse verpassten am dritten Vorrundentag den möglichen Einzug in die K.-o.-Runde. Sie mussten sich in ihren Gruppen fünfmal mit Platz zwei und einmal mit Rang drei zufriedengeben. Kurios: Durch das ausschließlich beim World Cup eingesetzte Vorrundensystem, bei dem alle Partien über exakt vier Sätze ausgetragen werden, treten mit dem Weltranglistenachten Patrick Franziska, Ex-Europameister Dang Qiu und U19-Weltmeisterin Annett Kaufmann drei Deutsche sogar ungeschlagen die Heimreise an.

Dramatischer Krimi: Dimitrij Ovtcharov behält gegen Lin Yun-Ju die Nerven

Dimitrij Ovtcharov behielt in einem dramatischen Gruppenfinale gegen den Weltranglisten-15. Lin Yun-Ju die Nerven und zog durch einen 3:1-Erfolg ins Achtelfinale ein. In der ungemein hochklassigen Neuauflage des Spiels um die olympische Bronzemedaille von Tokio, gespickt mit spektakulären Rallyes, gewann der Fuldaer Durchgang eins. Nach dem anschließenden Ausgleich des Taiwanesen schien sich das Blatt im dritten Satz bei einem 4:7-Rückstand endgültig gegen Ovtcharov zu wenden. Doch nach einer Auszeit von Bundestrainer Jörg Roßkopf drehte der Olympiadritte von 2012 und 2020 diesen Durchgang noch in der Verlängerung und sicherte sich die wichtige 2:1-Führung.

Satz vier hätte dramatischer kaum verlaufen können. Als die Partie zum dritten Mal in die Verlängerung ging, war klar: Nur ein 3:1-Sieg würde Ovtcharov ins Achtelfinale bringen – bei einem 2:2 hätte Lin aufgrund des nur um einen einzigen Punkt besseren Ballverhältnisses die K.-o.-Runde erreicht. In der an Spannung kaum zu überbietenden Schlussphase wehrte der ehemalige Weltranglistenerste drei Satzbälle des Taiwanesen zum 2:2-Ausgleich ab. Beim Stand von 13:12 im vierten Satz schien es für einen Moment sogar so, dass Lin Yun-Ju bereits den entscheidenden Punkt zum Achtelfinaleinzug erzielt habe. Tatsächlich jedoch hatte ein plötzlich angehendes vielstrahliges Beleuchtungssyystem der Halle beide Spieler während des Ballwechsels irritiert. Lin brach seine Schlagbewegung halb ab, der Ball jedoch berührte noch die Tischkante. Ovtcharov lobte das sportlich faire Verhalten seines früheren Teamkollegen: „Die Situation war eindeutig, und es gab auch keine Diskussionen – Lin hatte im Schlag seine Bewegung halb abgebrochen. Aber trotzdem war es großes Fair Play von ihm, dass die Wiederholung für ihn selbstverständlich war – gerade bei diesem Spielstand.“

Kurz darauf glich Ovtcharov zum 13:13 aus und machte zwei Punkte später den Einzug ins Achtelfinale perfekt.
„Ich hatte zuletzt viele knappe Spiele nach starken Leistungen verloren. Das hat schon sehr an meinem Selbstvertrauen gezehrt. Heute war es auf jeden Fall eines meiner besten Spiele in letzter Zeit. Ich bin sehr happy, einen so starken Spieler geschlagen zu haben und im Achtelfinale zu stehen – das tut aktuell richtig gut“, so der sichtlich erleichterte Ovtcharov.

Nach 2:2-Remis: Beeindruckender Benedikt Duda steht verdient im Achtelfinale

Benedikt Duda hat bei seiner zweiten World-Cup-Teilnahme den Sprung ins Achtelfinale geschafft. Im entscheidenden Gruppeneinzel gegen den Südkoreaner Oh Junsung reichte dem Bergneustädter dank des deutlich besseren Punkteverhältnisses von 43:34 ein 2:2-Remis zum Weiterkommen.

Der beeindruckend stark aufspielende EM-Zweite von Linz verschaffte sich gegen den Weltranglisten-24. mit den klar gewonnenen ersten beiden Sätzen (11:7, 11:2) früh eine glänzende Ausgangsposition. Zwar konnte Duda beim anschließenden 12:14 – nach zwei vergebenen Satzbällen – nicht den Anschluss des 18-jährigen Asiaten zum 1:2 verhindern. Doch nach dem nur knapp verlorenen dritten Satz reichte Duda im vierten Durchgang, der durch einen unerreichbaren Netzroller mit 11:9 erneut an Oh ging, bereits der verwandelte Vorhandtopspin zum 1:0, um im Punkteverhältnis uneinholbar in Führung zu gehen und sich Platz eins in Gruppe 15 zu sichern.

Duda hätte seinen Einzug in das Achtelfinale allerdings noch lieber mit einem Sieg verbunden: „Schade, ich hätte das Match heute gerne gewonnen. Aber ich bin weiter, das ist entscheidend – und das war auch das Ziel. Nach dem knapp verlorenen dritten Durchgang mit zwei Satzbällen hat mir im vierten nur ein Punkt zum Gruppensieg gefehlt. Ich bin froh, dass ich diesem enormen Druck mit dem Viersatz-System standgehalten habe. Ich bin in guter Form und warte nun einfach einmal die Auslosung für das Achtelfinale ab.“

Zwei Unentschieden: Patrick Franziska verpasst den Einzug in die Endrunde

Mit dem im Tischtennis ungewöhnlichen Ergebnis von zwei Unentschieden hat der Saarbrücker Patrick Franziska den World Cup beendet. Auf das Remis im Auftakteinzel gegen den Spanier Alvaro Robles ließ der Weltranglistenachte heute ein weiteres 2:2 im entscheidenden Duell mit Simon Gauzy folgen. Für den erhofften Einzug ins Achtelfinale war das zu wenig.

Der Europe-Top-16-Sieger von 2021 wusste bereits vor dem abschließenden Duell mit dem Franzosen, der Robles mit 3:1 bezwungen hatte, dass ihm aufgrund des auf vier Sätze beschränkten Vorrunden-Systems nur ein Sieg weiterhelfen würde. Trotz einer Leistungssteigerung von Satz zu Satz stand der seit Wochen stark aufspielende Gauzy nach seiner zwischenzeitlichen 2:1-Führung vorzeitig als Gruppensieger fest.

Franziska sagte nach seinem Ausscheiden: „Ich bin natürlich enttäuscht. Ich wusste aber, dass die Vorrunde in dieser starken, sehr ausgeglichenen Gruppe nicht leicht wird. Gratulation an Gauzy, der sehr stark gespielt hat. Ich habe mich von Satz zu Satz gesteigert und zumindest kein Spiel verloren. Auch wenn man über Unentschieden im Tischtennis sicher trefflich streiten kann – ich bin ausgeschieden und suche nicht nach Ausreden."

Kritisches Fazit: Dang Qiu scheitert zum zweiten Mal in der Vorrunde

Wie schon im Vorjahr bei seiner World-Cup-Premiere hat Dang Qiu den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Der Europameister von München 2022 beendete das entscheidende Gruppeneinzel gegen Kanak Jha zwar mit einem 2:2. Zum Weiterkommen hätte der Düsseldorfer, der heute trotz eines Satzballs in Durchgang zwei mit 0:2 in Rückstand geriet, allerdings einen 3:1-Erfolg benötigt.

Der Grund: In dem nur bei diesem Turnier angewandten Vorrundensystem auf vier Sätze hatte der US-Amerikaner zuvor Horacio Cifuentes mit 4:0 besiegt, während Qiu dem Argentinier beim 3:1 nach einer verspielten 10:5-Führung einen Satzgewinn hatte überlassen müssen.

Dang Qiu machte aus seiner Enttäuschung über das Ausscheiden und seinem Ärger über das ungewohnte System keinen Hehl: „Ich bin bei meinem zweiten World Cup erneut in der Gruppenphase gescheitert. Ich bin sehr enttäuscht – nicht nur über mein Ausscheiden, sondern auch darüber, wie es zustande gekommen ist. Das für die Vorrunde angewandte System finde ich sehr fragwürdig – es ähnelt aus meiner Sicht eher einem Glücksspiel als normalem Sport. Wäre es ein reguläres ‚Best of Five‘ gewesen, hätten die Spiele und Ergebnisse in der Vorrunde ganz anders ausgesehen.“

Qiu weiter: „Am Ende habe ich den Einzug ins Achtelfinale gestern durch den Satzverlust gegen Cifuentes nach 10:5-Führung verloren. Das hat mir das Genick gebrochen, denn dadurch brauchte mein heutiger Gegner in diesem System nur zwei Satzgewinne. Das hat mich natürlich extrem unter Druck gesetzt. Ich muss aber auch anerkennen, dass Kanak heute sehr gut gespielt hat.“

Trotz des frühen Ausscheidens richtet Dang Qiu den Blick nach vorn – auf die Weltmeisterschaften im Mai in Doha (Katar): „Durch die vielen Termine in den letzten Wochen konnte ich erst spät anreisen. Eine gezielte Vorbereitung auf den World Cup, bei dem mit einer ansonsten nie genutzten Ballmarke gespielt wird, war für mich leider unmöglich.  Aber ich richte jetzt meinen Blick nach vorn. Das nächste Turnier ist die WM in Doha, und davor stehen für mich keine weiteren Wettkämpfe an. Jetzt gehe ich mit Vollgas in die Vorbereitung.“