Lokales FD 22.04.2025

Raue Zustände: Häufigere Angriffe auf Personal im Klinikum Fulda

Fulda (fp) – Das Klinikum Fulda verzeichnete in den vergangenen Jahren einen Anstieg bei verbalen und körperlichen Übergriffen von Patienten auf Mitarbeitende. Betroffene Abteilungen sind insbesondere die Notaufnahme und in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Das Personal wird entsprechend geschult, manchmal muss aber auch die Polizei zur Unterstützung gerufen werden.

Die Zahl der Fälle, in denen es in der Zentralen Notaufnahme des Klinikums zu verbaler Aggressivität und sogar körperlichen Übergriffen von Patienten auf Mitarbeitende kommt, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Archivfoto: Görlich Media.

„Allgemein wird ein rauerer Ton in der Gesellschaft beklagt, in welchem mehr auf eigene Vorteile und weniger auf gegenseitige Rücksichtnahme Wert gelegt werde. Dies führe vielfach zu hoher Anspruchshaltung und großer Ungeduld bei geringerer Frustrationstoleranz“, ordnet Barbara Froese, Pressesprecherin des Klinikums Fulda, ein: „Zugleich scheint die Hemmschwelle für Aggressionen eher gesunken zu sein.“ Das mache auch vor den Krankenhaustüren nicht halt. Trotz medialer Aufklärung herrsche immer noch „oftmals weitestgehend Unverständnis, Desinteresse oder Unwissenheit über das Gesundheitssystem“, so Froese: „Viele Patienten wissen nach wie vor nicht, wohin und wann sie mit welchen Beschwerden zum Hausarzt, Facharzt, Ärztlichen Bereitschaftsdienst oder eine Notaufnahme gehen sollen. Die Folge sind gesteigerte Erwartungshaltungen an das Leistungsspektrum von Notaufnahmen.“ Würden diese nicht erfüllt, komme es zu Unmut seitens derjenigen Patienten, für die ohne echte Notfall-Indikation lange Wartezeiten entstehen. „Meist verbale Aggressivität bis hin zu körperlicher Gewalt“, führt Froese aus.

Die Mitarbeitenden der zentralen Notaufnahme seien gut geschult und würden situativ deeskalierend reagieren. „In den meisten Fällen lässt sich die Situation beruhigen“, schildert Froese. In Einzelfällen müsse das Klinikum aber auch die Polizei um Unterstützung bitten. Von 20 Uhr am Abend bis 6 Uhr am Morgen wird im Klinikum Fulda allgemein Wachpersonal eingesetzt, zusätzliches Wachpersonal in der Notaufnahme derzeit nicht. „Es werden aber auch Hausverbote ausgesprochen, meist aufgrund von bedrohlichem Verhalten und Angriffen auf Mitarbeitende (verbal oder körperliche Übergriffe) sowie wegen Vandalismus“, berichtet sie und hebt hervor, dass es nach wie vor Einzelfälle sind: „Im Klinikum Fulda pflegen wir einen freundlichen und respektvollen Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten, den diese – bis auf wenige Ausnahmen – auch so erwidern.“ In den vergangen Jahren sei es aber häufiger als zuvor auch zu verbalen und gelegentlich zu körperlichen Übergriffen gekommen.

Nicht nur in der Notaufnahme, auch in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie komme es vereinzelt zu Übergriffen. „Die Mitarbeitenden der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie haben verschiedene Techniken der Deeskalation in die Arbeit integriert (Deeskalationstraining, Konzept Safewards, regelmäßige Supervision) und arbeiten beständig an deren Weiterentwicklung“, führt Froese an: „Darüber hinaus sind alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch mit einem Notrufsystem ausgestattet. Bevorzugt jedoch wird an Interventionen gearbeitet, die eine Eskalation verhindern.“ Dazu gehörten beispielsweise die Früherkennung, also das rechtzeitige Erkennen und Wahrnehmen von Vorboten einer möglichen Eskalation mit dem Ziel der Frühintervention, und die Nutzung eines „Entspannungsraumes“. „Dadurch konnte die psychiatrische Klinik die Anzahl von solchen Notsituationen in den letzten Jahren verringern“, sagt sie. Um Transparenz zu schaffen und dazu beizutragen, die Anzahl solcher Vorfälle zu reduzieren, melde die psychiatrische Klinik fast alle Vorfälle verbaler oder tätlicher Aggressivität über einen anonymen Meldebogen der Landesärztekammer Hessen.