Lokales FD 09.04.2025

Kritik an Mindestlohnerhöhung - Gastronomen warnen: Teurere Preise

Fulda (fp) – 15 Euro Mindestlohn in Deutschland, darüber diskutieren die SPD und die CDU aktuell in den Koalitionsverhandlungen. Damit sollen Arbeitnehmer entlastet und der Fachkräftemangel bekämpft werden. Bei einigen Gastronomen in Osthessen lässt dieser Vorschlag jedoch die Alarmglocken läuten. Sie schätzen, dass sich durch die Lohnanpassung keine Verbesserungen für die Arbeitnehmer ergeben würden. Zudem würden in diesem Fall auch die Preise für Kunden steigen.

Symbolfoto: pixabay

Der bundesweit gesetzliche Mindestlohn wurde erst Anfang des Jahres auf 12,82 Euro erhöht. Das waren 40 Cent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Eine Erhöhung auf 15 Euro entspreche einem Anstieg von etwa 17 Prozent mehr Lohn, erklärt Andreas Jahn, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Osthessen. „Ich halte den Ansatz, drastisch zu steigern für schwierig, weil im Endeffekt zahlt es der Endverbraucher“, so Jahn. Denn die durch die Erhöhung steigenden Personalkosten könnten die Gastronomen nur mithilfe von steigenden Einnahmen ausgleichen können. Dies sei nur über ansteigende Preise zu erreichen, fügt er an. Der angestrebte positive Effekt für die Kunden bleibe also komplett aus. „Für viel sinnvoller halte ich es, an der Unternehmenssteuer und an den Lohnnebenkosten arbeiten. Das würde uns wirklich entlasten.“

Swen Bachmann, Inhaber der Äktschenkneipe Doppeldecker, betrachtet das Problem aus einem konjunkturellen Blickwinkel: „Wir befinden uns gerade in einer sehr schlechten Wirtschaftslage. Die müssen wir erst einmal in den Griff kriegen, dann können wir solche Maßnahmen umsetzen.“ Er halte die Erhöhung des Mindestlohns in Anbetracht dessen für „unangebracht“ und den falschen Weg. „Die Leute leben in Angst, sind verunsichert und geben sowieso schon kein Geld aus“, führt er aus. Steigende Preise würden eher für Stagnation in der Wirtschaft sorgen anstatt diese anzukurbeln, so Bachmann. Sein Vorschlag dagegen laute, dass die Regierung erst einmal die Projekte umsetzen soll, welche sie angekündigt habe und dann über eine Erhöhung des Lohns nachdenke.

Eine ähnliche Sicht auf die Dinge vertritt Dirk Schütrumpf, Hoteldirektor des Platzhirsches in Fulda. Er erläutert, dass von der Steigerung vor allem Mini-Jobber, Teilzeit- und Stundenkräfte betroffen seien. Diese würden folglich mehr Geld bekommen. Gleichzeitig müssten die Arbeitgeber jedoch die Stundenlöhne von gelernten Fachkräften anheben, wodurch die Personalkosten weiter ansteigen, berichtet er: „Ich habe sehr viele Kräfte auf Stundenbasis beispielsweise in der Reinigung. Die müsste ich alle mehr bezahlen, aber ich verkaufe deswegen ja nicht gleich ein Zimmer mehr oder weniger.“ Nach Einschätzung des Hoteliers würde die Regelung sich nur negativ auf den Fachkräftemangel und auf die Preise für den Kunden auswirken. „Wir leben ja von den Gästen, die zu uns kommen“, meint er weiter: „Ich halte das für kontraproduktiv.“

Björn Helfrich, Betreiber des Fuldaer Hofs, sieht vor allem die Mini-Jobber in Gefahr: „Als Unternehmer würde ich mir dann überlegen, ob ich dann eine ungelernte Kraft für 15 Euro einstelle oder eine gelernte Fachkraft für 16 oder 17 Euro einstelle.“ Das Resultat wären sinkende Chancen und wegfallende Arbeitsplätze. „Für Leute, die einfach nebenher etwas verdienen wollen, wäre es sehr viel schwerer einen Job zu finden“, stellt er heraus. Das hätte vor allem Auswirkungen auf kleinere Gastronomien, die sowieso schon Schwierigkeiten hätten, genug Personal aufzustellen, so Helfrich: „Es wird immer enger.“