Das 2:2 beim SC 1960 Hanau gab Hoffnung, auch wenn es sich am Ende wie eine Niederlage anfühlte: Steinbachs Trainer Petr Paliatka mag den Punkten aber nicht hinterhertrauern, sondern weiß um die Chance, die seine Mannschaft weiter im Abstiegskampf besitzt: „Die Jungs haben gezeigt, dass in jedem Spiel was drin ist, auch wenn uns keiner etwas zutraut“. Er habe gesehen, dass sein Team trotz einiger Ausfälle abermals mitgehalten hat, über weite Strecken gar besser als der Gegner war. „Was man mit viel Einsatz und Willen nicht alles wegstecken kann“, so die Erkenntnis.
Das braucht der SVS auch am Sonntag gegen Weidenhausen wieder, gepaart mit einer besseren Chancenverwertung und Cleverness, die dem Coach in der Schlussphase zuletzt fehlte. Seine negative Aussage bezüglich des Platzverweises von David Brähler hat Paliatka von sich aus bravourös zurückgezogen und bereut. Brähler fehlt mit seiner „guten Einstellung“ aber dennoch gesperrt. Ebenso wie Alin Neacsu, der nun – was vor einigen Monaten schon mal im Raum stand – endgültig in seine Heimat zurückgekehrt ist und Steinbach nicht mehr zur Verfügung steht. Max Stadler und Fabian Koch sind weiterhin angeschlagen und dürften ebenfalls noch keine Option sein.
Unklar ist noch, wie viele Absteiger es in der Hessenliga letztlich gibt: Kassel boxte sich in der Regionalliga zuletzt etwas raus, die SG Barockstadt ebenso. Frankfurt II und Gießen müssten Stand jetzt runter – was für die Hessenliga fünf Direktabsteiger bedeuten würde. Damit würde der SV Weidenhausen auf dem aktuellen Relegationsplatz liegen – drei Punkte vor dem SV Steinbach, der die Lücke am Sonntag schließen will. Abstiegskampf pur? Ja. Aber Antifußball will Paliatka nicht sehen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einmal zur Mannschaft gesagt hätte, wir agieren nur mit langen Bällen. Das würde ich nicht über meine Seele bringen. Wir haben uns die Hessenliga-Jahre durch Fußballspielen erarbeitet. Manchmal geht es in die Hose, das gehört aber dazu. Wir werden es trotzdem weiter so machen“.
Man kennt sich, man schätzt sich auch: Würde der SV Steinbach, wenn er es selbst schafft, einen Konkurrenten mit „retten“ können, die Wahl könnte auf Weidenhausen fallen: Nicht zuletzt, weil der eine oder andere Spieler schon auf beiden Seiten aktiv war. Jan Ullrich beispielsweise besuchte Steinbach vor zwei Wochen beim 1:2 im Heimspiel gegen Hornau. „Das sind ganz normale Jungs, wir sind ja immer noch alle nicht nur Sportler, sondern auch Menschen. Es ist immer schön, wenn man sich sieht – keiner ist im Bösen auseinandergegangen“, betont Paliatka. Die drei Punkte bräuchte der SVS, der schon das Hinspiel am Chattenloh gegen Gonnermann und Co. mit 3:0 gewann, trotzdem etwas dringender.
