Es regnete aus Strömen auf dem Bahnhofsplatz, als Anja Listmann, das Mikrofon unter dem weißen Pavillon nahm und zu ihrer Rede ansetzte. Um sie herum waren Menschen mit Regenschirmen versammelt und nahmen gemeinsam an der Kundgebung teil. „Lassen Sie uns gemeinsam derer gedenken, die während der Shoa ermordet wurden“, sagte Listmann: „Sie lebten hier unter uns und wurden auch hier von Gleis eins in die Konzentrationslager deportiert.“ Insgesamt 443 der sechs Millionen Opfer der furchtbaren Verbrechen der Nazis stammten aus Fulda. Bei 86 sei bis heute weder ein Todestag noch ein Todesort dokumentiert. „Jeder Mensch hat einen Namen“, heißt es in einem jüdischen Gebet, das traditionell zu Jom haScho’a vorgetragen wird. „Es liegt in unserer Verantwortung, dass ihre Namen nie vergessen werden“, betonte Listmann.
Zur Kundgebung verlas Roman Melamed außerdem ein jüdisches Gebet, sowohl auf Hebräisch und auf Deutsch. An der Kundgebung nahmen auch Bürgermeister Dag Wehner, sowie Angehörige der Stadtverordnetenversammlung – Dr. Sebastian Koch (FDP) und Dr. Albert Post, Vorsitzender des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport – und auch Stadtpfarrer Stefan Buß teil.
