Lokales FD 11.04.2025

Fulda im Hexenwahn - Mit digitaler Stadtführung auf Zeitreise gehen

Fulda (fp/pm) – Eine neue digitale Stadtführung lädt Osthessen und Touristen ein, sich auf eine interaktive Zeitreise gut 400 Jahre zurück zu begeben. Unter dem Titel „Fulda im Hexenwahn – Das Schicksal der Merga Bien“ können historische Orte aus dem Leben einer der rund 270 Frauen, die zwischen 1600 und 1606 in Fulda Opfer der Hexenverfolgung wurden, erkundet werden. Gleichzeitig gibt es natürlich viel von der Stadt zu sehen. Am Donnerstag wurde das neue Angebot vorgestellt. (update)

Von links: Sebastian Brähler, Beate Kann, Ingrid Möller-Münch und Katharina Roßbach stellten die neue Tour vor. Foto: Felix Pillat

Die Führung wurde auf Initiative des Fördervereins Frauenzentrum, des Frauenbüros der Stadt Fulda in Zusammenarbeit mit dem Fuldaer Startup-Unternehmens kaleidos:code GmbH, dem Kulturamt sowie dem Amt für Tourismus und Marketingmanagement erstellt. Die Führung solle dabei das Angebot der von Menschen geleiteten Führungen ergänzen, erklärte Katharina Roßbach, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Frauenbüros Fulda: „Wir wollten ein Angebot schaffen, dass von den Leuten orts- und zeitunabhängig genutzt werden kann.“

Die etwa 90-minütige Tour verbindet an insgesamt zehn Stationen quer durch Fulda historische Fakten mit eindrucksvollen Erzählungen und einem modernen Storytelling-Ansatz. Denn für die Erzählung der Geschichte der Merga Bien wurden mittels künstlicher Intelligenz die Ereignisse von damals nachgestellt und so den Protagonistinnen und Protagonisten sowie den Antagonisten Leben eingehaucht. Diese wurden zusätzlich von professionellen Hörspielsprechern vertont und erzählen so dem Zuhörer quasi ihre eigene Geschichte. „Wir wollten ein möglichst immersives Erlebnis schaffen“, erklärte Sebastian Brähler, Mitgründer von kaleidos:code, das neunköpfige Entwicklerstudio hinter der App. Dabei sei die Erzählung auch interaktiv gestaltet worden, um dieses Gefühl noch zu verstärken, fügte er hinzu: „Wir haben Dialoge- und Fragestellungen an den Benutzer an jeder Station eingebaut. Beispielsweise werden die Leute da gefragt: ‚Wie hättest du denn in dieser Situation gehandelt?‘“

Die Geschichte von Merga Bien hat Ingrid Möller-Münch, Heimatforscherin aus Fulda, ans Tageslicht gebracht. Sie hat sich in langjähriger Recherche verschiedene Stadtarchive und Bücher durchforstet, um so möglichst viel über die Hexenverbrennungsprozesse in Fulda herauszufinden. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Frauen ist die Geschichte von Merga Bien gut dokumentiert, wie Möller-Münch berichtete: „Zu den meisten Fällen gibt es gar keine Dokumente. Dass es zu Merga Bien etwas gab, liegt auch nur daran, dass sie wohlhabend war und ihr Mann einen Prozess gestartet hat“, erklärte sie. Möller-Münch hat sich auch in der Vergangenheit immer wieder für die historische Aufarbeitung des Falls von Merga Bien, wie die Gedenkstätte am Alten Dompfarrlichen Friedhof am Frauenberg, eingesetzt. Beate Kann, Vorsitzende des Fördervereins des Frauenzentrums Fulda, freute sich über das Angebot und stellte heraus: „Nun haben wir mit der Stadtführung von kaleidos:code auch eine Gedenkstätte im digitalen Raum.“ Seit 30 Jahren würden sich Frauen mit diesem Thema beschäftigen, sagte sie stolz: „Da stecken unglaublich viel Arbeit, viel Aktivität und viel Engagement dahinter.“

Die App doyo ist im App Store (iOS) und im Play Store (Android) erhältlich. Neben der Merga-Bien-Tour bietet die doyo-App weitere spannende Stadtführungen durch Fulda, die auch Einheimischen die Möglichkeit geben, die Stadt nochmal aus einem neuen Blickwinkel zu erkunden. So gibt es beispielsweise eine Tour durch das Barockviertel, auf den Spuren von Bonifatius, eine Kindertour durch die „Sternenstadt Fulda“ oder eine Tour zu „1000 Jahren jüdischem Leben in Fulda“.

Neue digitale Führungen durch Fulda. Fotos: Felix Pillat