Lokales FD 30.04.2025

Frauenberger Klostergespräche - „Unsere Region ist und bleibt sicher“

Fulda (sk) – Beim fünften Fuldaer Klostergespräch sprachen Polizeipräsident Michael Tegethoff und Polizeihauptkommissar Alexander Sawatzki im Refektorium des Klosters über die aktuelle Sicherheitslage und präventive Maßnahmen im Zusammenwirken von Polizei und Gesellschaft. Tegethoff bescheinigte der Region, dass sie überdurchschnittlich sicher ist.

Von links: Pater Cornelius Bohl, Rainer Sippel, Ulrich Klesper, Christoph Jestädt (alle drei vom Förderverein), Alexander Sawatzki und Michael Tegethoff. Foto: Stefan Krug.

Pater Cornelius Bohl eröffnete die gut besuchte Veranstaltung mit einem Rückblick auf die Franziskanergemeinschaft mit einer Geschichte der Gewaltlosigkeit. Dabei zitierte er den Heiligen Franziskus: „Herr, wenn wir irgendwelche Besitztümer hätten, wären uns Waffen nötig, um sie zu beschützen.“ Nicht nur heute gebe es aber auch geistige Werte, die es zu beschützen gelte: „Es ist gut, dass wir ein Gewaltmonopol des Staates haben – da können wir nicht nur an Franziskus anknüpfen. Angesichts zunehmender Gewaltbereitschaft ist es wichtig, dass wir unsere Werte verteidigen.“ Im Kloster gebe es eine Notschlafstelle, auf die, wie er berichtete, auch schon Polizisten als „Freund und Helfer“ zurückgriffen hätten, in einer Situation, die an sich kein polizeiliches Eingreifen nötig gemacht hätte.

Tegethoff, seit November 2022 Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen für die Kreise Fulda, Bad Hersfeld und den Vogelsberg und dabei oberster Dienstherr für fast 1100 Mitarbeiter, darunter knapp 900 Polizisten, hatte beruhigende Worte: „Unsere Region ist und bleibt sicher. Wenn man die harten Daten heranzieht, sind wir eine sehr sichere Region.“ Statistisch gebe es mit 4150 Straftaten pro 100.000 Einwohnern sehr viel weniger Delikte als im hessischen Durchschnitt, der über 6000 liege. Auch mit einer Aufklärungsquote von 68,7 Prozent liegt das Präsidium, wie er ausführte traditionell, auf sehr hohem Niveau. In „bewegten Zeiten“ stehe die Polizei aber weiter vor neuen Herausforderungen, als Beispiele nannte er Digitalisierung und KI: „Wir haben kaum noch Straftaten, wo digitale Spuren keine Rolle spielen.“ Für das Sicherheitsgefühl der Bürger seien aber nicht nur objektive Daten entscheidend und das subjektive Empfinden sei oft anders. Viele fühlten sich heute in bestimmten Situationen unsicher in bestimmten Milieus, aufgrund eigener oder berichteter Erfahrungen. Ohne dass er dabei Menschen aus anderen Kulturen stigmatisieren wolle, wie er sagte, führen „Fremdheit und kulturelle Unterschiede“ bei vielen zu einem Gefühl der Unsicherheit: „Es ist so, dass Menschen anderer Kulturen anders wahrgenommen werden.“

Im Bereich der Gewaltkriminalität gegen Leib und Leben gab es 2024 392 Tatverdächtige, wovon 36,1 Prozent keinen deutschen Pass hatten bei einem Bevölkerungsanteil von Nichtdeutschen von 10,5 Prozent. Sowohl in der Gesamtgruppe als auch unter den Nichtdeutschen lag dabei der Männeranteil bei rund 90 Prozent. Tegethoff wies darauf hin, dass nicht die Staatsangehörigkeit Grund für Straftaten sei, sondern oft die häusliche Situation mit beengten Wohnverhältnissen in Unterkünften und auch der überproportionale Anteil junger Männer unter den Nichtdeutschen – welche auch unter Deutschen am häufigsten straffällig werden.

Bei den „Straftaten im öffentlichen Raum“ sei in den vergangenen Jahren ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Hier handelt es sich in 85 Prozent der Fälle um Diebstahl oder Sachbeschädigung. Die „guten Werte“ seien dabei auch das Ergebnis einer verstärkten Präsenz der Polizei, Videoaufzeichnungen an Kriminalitätsschwerpunkten und der vor kurzem beschlossenen Waffenverbotszonen, die er vor Kritik in Schutz nahm: „Ein irrationaler Einzeltäter lässt sich nicht sicher verhindern. Die Zonen geben uns aber die Möglichkeit, anlasslos zu kontrollieren, besonders bei Gruppen, die statistisch überproportional an Straftaten beteiligt sind. Wie überall ist auch hier das Ergebnis von Prävention nicht messbar.“

Sawatzki vom Stabsbereich Prävention der Polizei ist außerdem Schießausbilder und Einsatztrainer. Auch aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte befasst er sich mit dem Schwerpunkt Migration. Er ging emotional auf seinen eigenen Weg zur Polizei ein. Als Spätaussiedler kam er mit geringen Deutschkenntnissen und einem nicht anerkannten Studium nach Deutschland. Innerhalb der „Polizeifamilie“ sei er sehr gut aufgenommen worden ohne jegliche Diskriminierungserfahrung „obwohl ich eigentlich ein perfektes Opfer für Mobbing gewesen wäre“, wie er sagt. Mehrfach betonte er, dass Kommunikation und „die Stimme als unsere stärkste Waffe“ das wichtigste Einsatzmittel der Polizei seien, auch wenn „Kolleginnen und Kollegen zunehmend Gefahren ausgesetzt“ seien. Beginnend ab 2026 seien alle Polizisten mit Bodycams ausgerüstet,  mit denen sie, nachdem die aufgenommenen Personen informiert wurden, Einsätze dokumentieren können. Als wirksam, bei denen die sich damit auskennen, hätten sich auch die Teaser (polizeideutsch Distanzelektroimpulsgerät) erwiesen. Die Präventionsabteilung gehe in die Schule, besonders Haupt- und Förderschulen sowie Sprachschulen für neue Bürger, um über die Polizei zu informieren. Besonders bei Menschen aus autoritären und unsicheren Staaten gelte es da auch ein Bewusstsein zu schaffen, über die Aufgaben der Polizei in Deutschland als Freund und Helfer – was so in einem Teil der Herkunftsländer nicht der Lebenserfahrung von Nichtdeutschen entspreche: „Respekt ist keine Einbahnstraße.“

Auch Tegethoff ging noch einmal auf das Thema Respekt ein: „Wir versuchen, das in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, zu zeigen, dass die Kollegen Menschen sind, Familie haben, Kinder haben und abends gesund nah Hause kommen wollen.“ Schwierig sei dies bei Gruppen und Milieus, die staatliche Institutionen ablehnen. Ein negatives Beispiel sei dabei die Demonstration zum „Fall Matula“. Im Jahr 2018 war ein junger Flüchtling nach tätlichen Angriffen auf eine Verkäuferin und Polizeibeamte durch Schusswaffengebrauch tödlich verletzt worden. Trotz Ermittlungen durch das Landeskriminalamt und nach mehreren Gerichtsverfahren, in denen kein schuldhaftes Verhalten des Polizisten feststellt wurde, demonstrierten rund 40 Personen weiter gegen die Polizei: „Falsche Anschuldigungen führen dazu, dass der Polizist eben nicht mehr als Mensch gesehen wird.“

Veranstaltet wurde der Abend vom Förderverein „Freunde des Frauenbergs“, für den Christoph Jestädt die rege Diskussion unterbrach und zu Getränken und einem Snack einlud, was intensiv genutzt wurde weiter im Gespräch zu bleiben. Am 10. Mai wird es auf dem Uniplatz die Möglichkeit geben, mit Einsatzkräften der gesamten „Blaulichtfamilie“ in den Dialog zu treten, sich zu informieren und vielleicht auch eine berufliche Perspektive bei der Polizei zu finden. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte werden sich über einen Besuch freuen.

Frauenberger Klostergespräch. Fotos: Stefan Krug.