Lokales FD 08.04.2025

DB beantragt fünftes Gleis durch Bronnzell: BI kämpft weiter dagegen

Bronnzell (pm/fp) – Die Deutsche Bahn (DB) hat den Bau eines fünften Gleises durch Bronnzell beim Eisenbahn Bundesamt beantragt. Die Entscheidung des Eisenbahn Bundesamtes steht noch aus. In der Jahresmitgliederversammlung 2025 der BI Lebenswertes Bronnzell (BI) im gut besuchten, neu renovierten Bürgerhaus Bronnzell, stellte der Vorsitzende, Paul Schneider, die Pläne der DB den Vereinsmitgliedern vor. (update)

Archivfoto: Christine Görlich

Archivfoto: Pascal Fischer

Zunächst wies er auf die dramatische Zugzahlenentwicklung hin. So fuhren im Jahre 1979 täglich 191 Züge durch Bronnzell. Für den Neubau der Schnellfahrstrecke Fulda-Würzburg wurden seinerzeit für das Jahr 1990 289 prognostiziert. Im Jahre 2023 waren es bereits täglich 459 Züge die Bronnzell passierten. Für das Jahr 2030 prognostiziert die DB, im sogenannten Deutschlandtakt, durchschnittlich täglich 787 Züge. Multipliziert auf das Jahr sind dies 287.255 Güter- und Personenzüge. Damit liegt, laut Schneider, Bronnzell bei den Ortsdurchfahrten an der Spitze Deutschlands.

„Die Erhöhung der Zugzahlen bringt nicht nur höhere Belastungen von Lärm, Staub und Erschütterungen für die Menschen in Bronnzell“, führt Schneider aus. „Die Erhöhung der Zugzahlen begründet zunächst keinen Anspruch auf zusätzlichen oder gar zeitgemäßen Lärmschutz“. Dies stößt auf Unverständnis bei den Bürgern Bronnzells. Der Vorstand der BI sieht dennoch Wege zeitgemäßen Lärmschutz für die Ortslage Bronnzell zu erlangen und setzt hier insbesondere auf die Unterstützung durch die Stadt Fulda.

Für die DB stellen die vorhandenen vier Gleise ein Nadelöhr im deutschen Schienennetz dar. Dieses Nadelöhr Bronnzell plant die DB langfristig zu beseitigen. Ein Hindernis ergibt sich auch aus dem Gegenverkehr der Rhönbahn, wenn diese stadtauswärts Richtung Gersfeld unterwegs ist. Die Rhönbahn blockiert für die Dauer ihrer Durchfahrt bis zur Abfahrt südlich von Bronnzell, das von Frankfurt kommende Gleis. Von der DB favorisiert werden zwei Varianten eines Rhönbahngleises auf der Ostseite der bestehenden Bahntrasse. Dies würde die Anwohner auf Höhe der Ziegeler Straße bis hin zum Jägerhaus erheblich beeinträchtigen. Im genannten Bereich würde die neue Mauer mit aufgesetzter Lärmschutzwand bis auf wenige Meter an die Wohngebäude heranrücken.

Zur weiteren Abstimmung mit der Stadt Fulda plant die BI, gemeinsam mit dem Ortsbeirat Bronnzell, eine Ortsbegehung mit Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld. Hiernach müssen die Lärmschutzforderungen gemeinsam konkretisiert werden.

Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung stand neben der Belastung aus dem Schienenverkehr auch die starke Belastung durch das hohe Verkehrsaufkommen auf der Bundesstraße 27 und der Bronnzeller Straße. Auf Letzterer durchfahren täglich rund 10.000 Fahrzeuge die Ortslage von Bronnzell. Auf Initiative der BI konnte, gemeinsam mit dem Ortsbeirat und dem Förderverein Anna und Peter, eine zeitlich begrenzte Geschwindigkeitsreduzierung auf der Bronnzeller Straße erreicht werden. Eine Ausweitung auf die gesamte Ortsdurchfahrt soll geprüft werden.

Der Ortsvorsteher von Bronnzell, Stefan Ihrig, bedankte sich bei den Vorstandsmitgliedern der BI für ihren unermüdlichen Einsatz und lobte die hohe Fachkenntnis, die in den Verhandlungen eingebracht wird.

In den turnusmäßig anstehenden Vorstandswahlen wurden, bis auf den Kassenwart, die bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Der Vereinsvorsitzende, Paul Schneider, dankte Alexander Schramm für seine achtjährige Vorstandstätigkeit als Kassierer. In dieses Amt neu gewählt wurde Lennart Schneider. Der gemeinnützige Verein „BI Lebenswertes Bronnzell“ zählt aktuell 103 Mitglieder.

Bereits im Oktober 2024 wurden in einer Arbeitsgruppensitzung der DB im Stadtschloss Fulda diese Erweiterungspläne den Mitgliedern des DB-Dialogforum, so auch den Vertretern von Stadt und Landkreis Fulda, vorgestellt. Diese Präsentation kann auf dem nachfolgend genannten Internetportal unter der Rubrik „AG NBS Gelnhausen-Fulda“ eingesehen werden: https://www.hanau-wuerzburg-fulda.de/arbeitsgruppen.html.

Neu gewählter Vorstand 2025:

- Vorsitzender Paul Schneider

- 1.Stellvertreter André Werner

- 2.Stellvertreter Markus Link

- Schriftführer Holger Schwan

- Kassierer Lennart Schneider

Vom Vorstand berufene Beisitzer:

- Elke Baumgärtel, André Jehn, Judith Henkel und Martin Böhne

Auf Anfrage antwortete die Deutsche Bahn im Wortlaut:

„Nachdem das Bundesverkehrsministerium die Zugzahlenprognose 2030 auf Basis des „DeutschlandTakt“-Konzeptes aktualisiert hat, wurde durch die DB eine neue Kapazitätsuntersuchung für den Bereich Fulda durchgeführt. Hieraus ergab sich eine risikobehaftete Kennzahl für die Betriebsqualität (Verspätungen und Betriebsstörungen) unter Berücksichtigung der neuen Zugzahlenprognose 2030 DeutschlandTakt im Bereich Fulda-Bronnzell. Um die Betriebsqualität auf ein „optimales“ Niveau zu heben, wäre ein fünftes Gleis im Bereich von Fulda-Bronnzell eine Lösung.

Wir haben das Ergebnis der Kapazitätsbetrachtung zum Anlass genommen, die technische Machbarkeit eines zusätzlichen Gleises in Fulda-Bronnzell zu prüfen. Eine solche Betrachtung gibt allerdings keine Auskunft über die exakte Flächeninanspruchnahme und somit die Betroffenheit von Grundstücksanteilen. Hierfür ist vielmehr eine ausführliche Planung notwendig, die frühestens nach Zustimmung des Eisenbahnbundesamtes und Sicherung der Finanzierung begonnen werden könnte.

Aktuell befinden wir uns in Abstimmung mit dem Eisenbahnbundesamt, um zu klären, ob eine solche Maßnahme grundsätzlich weiterverfolgt werden soll, oder nicht. Vor diesem Hintergrund kann die Annahme, der Bau eines fünften Gleises sei bereits beschlossene Sache, nicht bestätigt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Präsentation der entsprechenden Sitzung der AG Neubaustrecke Gelnhausen–Fulda vom 30. Oktober 2024: https://www.hanau-wuerzburg-fulda.de/dokumente.html?file=files/Downloads/arbeitsgruppen/ag_nbs_gelnhausen_fulda/Praesentation_4_Sitzung_AG_NBS_Gelnhausen_Fulda.pdf&cid=7495.“