Köhler war beeindruckt, wie viele Menschen zu der Veranstaltung gekommen waren. Knapp 100 Gäste hatten sich im Saal eingefunden. Der 55-Jährige stellte sich, seinen Weg in die Kommunalpolitik, seine Wünsche und Ziele vor und seine Beweggründe für seine Kandidatur vor. „Es stimmt, ich habe gesagt, dass macht man nur einmal im Leben und das hat auch gegolten bis letzten Herbst“, blickte er darauf, was er nach seiner ersten Kandidatur vor fünf Jahren gesagt hatte. Damals hatten ihm in der Stichwahl 88 Stimmen gefehlt. „Es ist leider so, dass ich den Eindruck habe, dass wir nicht mehr den Informationsstand haben, den wir brauchen“, ging er auf die Arbeit in der Gemeindevertretung, wo er – ohne Parteimitglied zu sein – seit 2016 Vorsitzender der SPD-Fraktion ist. Dazu sei er vermehr angesprochen und gefragt worden, ob er nochmal kandidiere. „Da bin ich nochmal in mich gegangen“, erzählte er und in Absprache mit seiner Familie habe er entschieden, dass er es nochmal probieren möchte. Ihm sei wichtig, dass in der Politik alle mitgenommen werden. Wenn Gemeindevertreter Bürgern nicht mehr erklären könnten, warum eine Entscheidung so oder so getroffen wurde, sei das nicht gut. Es müsse wieder mehr miteinander geredet werden und Probleme müssten gemeinsam gelöst werden. Köhler warf auch schon einen kleinen Blick auf den Wahlkampf, bei dem noch nicht ganz absehbar sei, wie er sich gestalten werde. Er lud aber schon jetzt alle ein, das direkte Gespräch zu suchen. Gewählt wird in Eichenzell am 7. Dezember.
Unterstützt wird Köhler, der – anders als 2020 – als parteiunabhängiger Kandidat antritt, von der SPD, der Bürgerliste und der FDP. „Sein Slogan ist ‚Klar, kompetent, kommunikativ‘ und besser kann man Lutz Köhler nicht beschreiben“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Wassermann und ging auf die einzelnen Worte näher ein. „Lutz, ich verspreche dir, die 88 Stimmen, die dir gefehlt haben, kriegen wir diesmal hin“, sagte Joachim Weber, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste. Er betonte, dass Parteipolitik in der Kommunalpolitik nichts zu suchen habe und bezeichnete Köhler als einen „guten Kandidaten, für den Eichenzell im Mittelpunkt steht“. Er lobte zudem, dass Köhler wieder antrete und dazu stehe, dass er seine Meinung in diesem Punkt geändert habe. Claus-Dieter Schad, Fraktionsvorsitzender der Eichenzeller FDP, sagte an die Gäste gewandt: „Ihr großes Interesse zeigt ja, dass Änderung gewünscht ist.“ Er beschrieb Köhler als einen Politiker, der zuhöre, mitdenke und gemeinsame Lösungen suche. „Das findet man heute nicht mehr oft“, fügte Schad an. Köhler dankte den dreien für ihre Worte und ihre Unterstützung und erklärte den Anwesenden, welchen Unterschied es in der Praxis mache, ob ein Kandidat von einer Partei aufgestellt wird oder parteiunabhängig antritt: „Wenn ich als Privatperson antrete brauche ich derzeit mindestens 74 Unterstützer.“ Die Hessische Gemeindeordnung schreibe doppelt so viele Unterschriften vor, wie die Gemeindevertretung Mitglieder habe. Gedanken darüber muss sich Köhler aber nicht mehr machen, denn die Zahl wurde noch am gleichen Abend erreicht.
