Auf aktuelle Nachrichten ging Sebastian Schneider gleich zu Beginn ein, mit der beruhigenden Aussage: „Ja, wir haben an Ostern genug Eier.“ Wir andere Redner auch betrachtete er die Art des Umgangs mit dem zeitweise designierten Bundeslandwirtschaftsminister Günther Felßner sehr kritisch und stellte die Frage, ob man angesichts der Bedrohung seiner Familie noch von einer Tierschutzorganisation sprechen könne.
Seine Rede richtete sich ansonsten primär an die anwesenden Landwirte aus dem Kreis Fulda-Hünfeld. Die Landwirtschaft sei der stärkste gemeinsame Politikbereich der EU: „Das heißt natürlich, das nationale Ausgaben ausgelagert wurden.“ Die Bedeutung des Bauernverbands sei in erster Linie die eines Unternehmerverbands, wobei letztendlich für die Ernährung gesorgt wird, was in der öffentlichen Diskussion oft vergessen werde. Gleichzeitig verstehe sich der Verband „als Stimme der im ländlichen Raum wohnenden Menschen“. In einer Umfrage habe sich dabei gezeigt, dass über alle EU-Länder hinweg dies weiter als am wichtigsten gesehen werde. Gleichzeitig solle „auch mit Naturschutz Geld verdient werden können“.
Eine Forderung des Verbands sei die „Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und Entbürokratisierung und Deregulierung“. Die Landwirte stünden zu Tierschutz-, Sozial-, Umwelt- und Naturschutzstandards: „Diese kosten aber auch Geld. Wir müssen geschützt werden, was Importe angeht aus Ländern, wo diese Standards nicht gelten.“ Sorge bereite der Rückgang der tierhaltenden Betriebe: „Wir haben ein Investitionsklima, was nicht schlechter sein könnte.“ Auch der Flächenverbrauch sei weiter sehr hoch. In den letzten Jahren seien es in Hessen fast 55.000 Hektar gewesen und auch heute noch „jeden Tag fast drei Hektar“.
Grußworte gesprochen hatten in der Versammlung Landrat Bernd Woide, der betonte: „Ich bin stolz, Landrat in einem Landkreis zu sein, wo die Landwirtschaft einen derart hohen Stellenwert hat.“ Zu den Themen Wolf und Biber merkte er an: „Wir müssen versuchen, das auf die regionale Ebene zu bringen. Wir tun momentan so, als ob es vom Allgäu bis Brandenburg nur drei Biber gibt. Das ist nicht so und macht für die Landwirtschaft Probleme.“
Der Landtagsabgeordnete Thomas Hering (CDU) betonte, dass die Landwirtschaft von allen Politikbereichen betroffen sei. Sie werde gebraucht und durch Dialog werde Verständnis geschaffen. Von der Bedeutung der Landwirtschaft zeugte auch die Anwesenheit von rund zehn Bürgermeistern.
Der wiedergewählte Kreisvorsitzende Stefan Schneider ging in seinem Bericht auf das zurückliegende Jahr ein. Die „großen Demonstrationen mit viel Aufwand“ zu Beginn 2024 hätten etwas gebracht. Zu nennen seien die grünen Nummernschilder, die Streichung der verpflichtenden Flächenstilllegung und das Entbürokratisierung Thema wurde. Die Rücknahme der Steuererhöhungen beim Agrardiesel sei in den momentanen Koalitionsverhandlungen Thema. Er denke auch, dass sich die EU wieder mit Nahrungsmitteerzeugung beschäftige und nicht nur mit Naturschutz. Der neuen Bundesregierung gab Stefan Schneider mit auf den Weg: „Es muss wieder Wettbewerbsfähigkeit hergestellt werden, eingebettet in eine starke europäische Agrarpolitik. Die Tierhaltung in Deutschland muss wieder eine Zukunft haben. In den letzten sieben bis acht Jahren wurden im Kreis Fulda praktisch keine Ställe mehr gebaut.“ Beim Naturschutz setze der Bauerverband auf Kooperationen und nicht auf Regelungen: „Zukünftig muss Planungssicherheit garantiert werden.“
Auf der Jahreshauptversammlung waren Stefan Schneider und Herrmann Bockmühl jeweils einstimmig wiedergewählt worden. Der Öffentlichkeitsbeauftragte des Kreisverbands, Thomas Schneider, hatte von den vielfältigen Tätigkeiten gesprochen. Der Instagram-Kanal „Fulda-Deine Bauern“ habe stetig wachsende Nutzerzahlen und mit dem Infomobil sei der Verband auf verschiedensten Veranstaltungen unterwegs gewesen. Dabei gebe es sogar Menschen, die extra deswegen jeweils gekommen seien.
