Doch bevor es zur Sache ging, wurde es emotional: Nachdem Ralph Burkhardt im vergangenen Jahr plötzlich verstorben war, gab es eine Schweigeminute mit bildlichen Erinnerungen für den Ex-R+S-Vorstandschef. „Er hatte uns von Tag eins begleitet und wird uns heute bestimmt die Daumen drücken“, sagte Organisator Patrick Franz, der einen „guten Freund“ sehr vermisse. Franz konnte danach vor den ersten Kämpfen viele Kampfsport-Fans, aber auch Familien in der Halle begrüßen – das Battle of Barock, das war schon zu Beginn klar, ist wieder einmal gewachsen. Sogar Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld mit Gattin war erstmals als Ehrengast bei einem Kampfsport-Event in Fulda, der begeistert war: „Herzlichen Dank an die fantastischen Persönlichkeiten, für so ein Event hier bei uns in Fulda“.
Braun gewinnt spektakulären Fight
Fantastisch war es bis zum Ende – und der große Höhepunkt gehörte natürlich dem Local Hero höchstpersönlich: Sergej Braun trat in den Ring, um seinen WM-Titel wieder einmal zuhause in Fulda zu verteidigen. Sein Gegner mit 81,4 Kilo: Der steinharte Bulgare Ali Yuzeir. Fünf Runden wurde die Esperantohalle am späten Abend nochmal zum Tollhaus.
Braun gab alles, war im Tunnel, setzte gezielte Treffer. Mal kamen ohrenbetäubende Anfeuerungen von der Tribüne, mal war es in der Halle fast still. Brauns Nase war schon in Runde zwei blutig, für den WM-Titel wurde alles geopfert. Runde drei gehörte dem Fuldaer, das Publikum schrie ihn nun von Treffer zu Treffer, Yuzeir ging Ende der Runde zu Boden, doch schleppte sich durch. Die Halle eskalierte nun, trug Braun durch die vierte Runde, nach der beide immer noch mit beeindruckender Härte zuschlagen konnten. Der Bulgare legte in der letzten Runde nochmal mit irrem Tempo los und holte auf – andere wären längst k.o. gegangen. Doch Braun wäre nicht Braun, wenn er nicht auch noch Luft gehabt hätte und zurückschlug. Dann das Urteil: 3:0 für Sergej Braun. Der WM-Gürtel bleibt in Fulda! Peter Enders und viele weitere Offizielle gratulierten Braun, der 35-Jährige hat nun seinen vierten WM-Titel der WAKO geholt und im 61. Kampf zum 47. Mal gewonnen.
Osthessischer Jubel bei Gurtatowski, Atahmanchuk und Arnold
Nach den beiden Amateur-Kämpfen, die das Hauptprogramm eröffneten, folgte der Fight von Damian Gurtatowski vom Brauns Gym gegen Gitlan Ghenadie aus Moldawien (66,6 Kilogramm). Vier umkämpfte Runden später jubelte die Halle: Gurtatowski gewann nach Punkten. In der 70-Kilo-Klasse nahm es Oleksij Atahmanchuk (Hünfeld) mit dem Leverkusener Seiran Engel auf. Die ukrainische Flagge wurde gehisst, Engel gratulierte seinem Gegner schon vor dem offiziellen Ergebnis: Atahmanchuk gewann und wurde auch vom verletzten deutschen Profi Leon Bunn zu Sieg bei seinem Profi-Debüt beglückwünscht.
Ein Lokalmatador trat dann mit Domenik Arnold auf die Bühne: Der 20-Jährige vom Brauns Gym wurde schon vor dem Kampf gefeiert, trat zum dritten Mal auf Profi-Ebene in den Ring und wollte seinen dritten Sieg. 76,2 Kilo waren ausgerufen, sein Gegner war Gligoric Borislav. Es war das erste sportliche Riesen-Highlight; Arnold traf konsequent und wurde von der Menge angepeitscht. Seine Dominanz endete im Sieg durch K.O. in Runde zwei – Arnold sprang zurecht auf die Seile und ließ sich für seinen Sieg feiern.
Danach standen die K1-Kämpfe auf dem Programm: Kristian Malocaj aus Mönchengladbach holte in der 69-Kilo-Klasse den ersten Kickbox-Sieg des Abends gegen Ali Feshki aus Hannover. Dass Kampfsport aber auch partnerschaftlich sein kann, zeigte der nächste Fight: Chris Obiango musste verletzungsbedingt passen, für ihn stieg Karo Giahi aus Erfurt nochmal in den Ring, der schon im Nachmittagsprogramm geboxt hatte. Dank seiner Zusage war die Anreise von Gegner Akam Tarageh aus Gießen nicht umsonst, und wie es sich gehört, endete dieser Kampf unentschieden.
Ringsprecher Eleftherios Mavros heizte das Publikum weiter an – Fulda hatte noch Lust. Danach kämpften mit 71 Kilogramm Mubariz Aghamaliyev aus Aserbaidschan und der Portugiese Joao Silva. Härte, Technik. Reaktionsschnelligkeit, Intensität – die Kämpfe wurden immer anspruchsvoller. Mit 2:1 Punktrichterstimmen gewann Silva hier. Es folgte wieder ein deutscher Sieg: In der 86-Kilo-Klasse bezwang der Berliner Alex Grunwald mit einstimmigem Urteil Nikolay Nikov aus Bulgarien.
Das drittletzte Duell war ebenfalls absolut hochklassig, der Darmstädter Johannes „Joba“ Baas nahm es mit Mareks „Dreamkiller“ Pelcis aus Großbritannien auf. Energie gegen Erfahrung – verteilt auf jeweils 71 Kilogramm. Pelcis setzte auf platzierte Schläge, Baas auf Attacke. Einstimmiger Sieger war der Darmstädter in einem tollen Fight.
EM-Kampf endet in Split Decision
Dann ging es um den EM-Gürtel – und es wurde wie versprochen gehämmert: Jakob Styben aus Köln, der mit Helm und Hammer zur Pressekonferenz kam, kämpfte in der 88-Kilo-Klasse gegen den Bosnier Mesud Selimovic. Erst die Nationalhymnen, dann fünfmal drei Minuten Vollgas, Fäuste und verrückte Fans. In die Ecke von Sytben hatte sich sogar die niederländische K1-Legende Semmy Schilt verirrt, der lautstarke Anweisungen gab. Der Kölner im Ring hämmerte, steckte aber auch ordentlich ein und landete in Runde vier kurz auf den Brettern. Das Publikum hatte Styben auf seiner Seite, mit Spannung wurde dann das Ergebnis erwartet, es wurde lange gezählt: „Es ist richtig eng“, sagte Ringsprecher Mavros vorneweg: „Es ist auf des Messers Schneide“. Am Ende hieß es 2:1 für Baumeister Styben – und es wurde gehämmert! Styben zeigte sich nach seinem Triumph aber auch emotional und sprach viele Dankesworte.
Schon am Nachmittag waren bereits einige hiesige Kämpfer im Einsatz gewesen: Shejla Omeragic, Alice Kremser (beide Brauns Gym), Paul Schwernier (Kampfsportschule Eichenzell), Muhammed Yilmaz (Brauns Gym), Anis Alibegovic (Fightfactory Fulda), Kemal Bul, Ibrahim Poywiz, Szymon Stadnicki, Mykyta Husiev (alle Brauns Gym), Roland „Blackhammer“ Dindi (Fightfactory Fulda), Stefano Mancuso und Sinan Seferagic (beide Brauns Gym).
