Die Organisatoren staunten nicht schlecht, als die vier Kämpfer am Mittwochabend im Brauns Gym zusammenkamen: Nur die Trainer Sergej Braun und Mario Dimitroff konnten die Entwicklung Tag für Tag verfolgen. Battle of Barock-Organisator Patrick Franz (Rewe Franz) und Thorsten Czynski vom Sporthaus, das die Ausrüstung stellt, sowie Ralph Görlich von Osthessen-Zeitung, der die Idee für das Casting und die Amateur-Kämpfe ins Leben rief, zogen ihren Hut. Körperlich und optisch sind aus vier Box-Anfängern Athleten geworden. „Gewonnen habt ihr alle schon, wenn ihr in den Ring steigt“, lobte Czynski. Und Görlich merkte an, „dass es für euch ganz viel positives Feedback gegeben hat“. Durch die vier Osthessen, die sich ins Abenteuer gestürzt hatten, habe auch das Event an sich viel mehr Aufmerksamkeit bekommen, wovon alle Kämpfer profitieren.
Knappe 72 Stunden vor dem großen Moment waren die Pläne bei den vier Amateur-Kämpfern fast identisch: Viel Ruhe, Physio, Schlaf und natürlich auch – zumindest teilweise – noch die alltägliche Arbeit. Finja Happe freute sich über Urlaub in dieser Woche und plant noch einen Sauna-Gang, merkte aber an: „Die Aufregung steigt immer weiter“. Jochen Köhler wiederum lachte: „Ich arbeite am Donnerstag noch mit Vollgas und habe gar keine Zeit, aufgeregt zu sein“. Arian Krasniqi trainiert noch einmal und ruhe sich dann für Samstag aus, Miriam Peuster wiederum legt sich in Müs bei Keefer Hairstyling noch eine „Kampffrisur“ zu.
Am Freitag stehen das große Wiegen und eine Pressekonferenz an, doch ihr Form haben alle mittlerweile erreicht und sind zufrieden. „Ich habe echt Bock“, sagte Krasniqi: „Ich habe mich jetzt drei Monate angestrengt und auch Arschtritte kassiert“. Trainer Mario Dimitroff, der den Boxplatz in Dirlos betreibt, schmunzelte, dass er für die Tritte bei Krasniqi und Peuster mehrmals Schuhe kaufen musste, sagte aber, „dass mir die zwei schon ans Herz gewachsen sind und ich natürlich auch in der Ringecke aufgeregt sein werde“.
Alle vier Kämpfer würden aktuell gut schlafen – das beruhigte auch die Trainer. Sergej Braun ist selbst schon voll im Tunnel für seinen großen Kampf am Abend, werde die zwei Amateur-Fights aber aus der Ferne in der Halle „beobachten“. Die Trainer aus seinem Gym betreuen Köhler und Happe, „ich bin da mental nicht zu gebrauchen“, so der Lokalmatador. Köhler eilte teilweise morgens um 6 Uhr zum Training.
Miriam Peuster, die versucht, bis zum Kampf „alles auszublenden und nicht die Nerven zu verlieren“, hatte athletisch zugelegt, von 52 Kilo ist sie nun auf 58 gekommen und beeindruckte Trainer Dimitroff, der ebenfalls großen Respekt vor den Kämpfern äußerte, aber auch noch die letzten Tipps mitgab: „Früher haben wir 50 Kämpfe machen müssen, um bei so einer Gala dabei zu sein – dann noch im Hauptprogramm. Wenn man die Treppen hochsteigt, muss man schauen, wie viel Kraft im Ring überhaupt noch in den Beinen ist für den Kampf“, sagte er zu allen vieren und freue sich, wenn Elemente aus dem Training beim Kampf zu sehen seien: „Wir haben ja keine Profis ausgebildet, sondern Anfänger“.
Auch Sergej Braun schloss sich dem Respekt an. „Ihr habt es durchgezogen, obwohl es übel anstrengend ist und ihr ins kalte Wasser geworfen worden seid“. Familie und Privates hätten bei allen gelitten, doch es lohnte sich. Jochen Köhler beispielsweise sprach von einer Bereicherung, den Boxsport und das Training zu erleben: „Ich habe mir schon gedacht: Schade eigentlich, dass es vorbei ist. Ich kann es nur jedem empfehlen. Es war wirklich eine geile Zeit und krasse Erfahrung. Alle hier sind absolut respektvoll miteinander umgegangen, und beim Boxen kannst du nicht nachdenken, wie bei anderen Sportarten. Wenn du kurz überlegst, fängst du dir eine“, schmunzelte er und sprach für alle vier Kämpfer, die am Samstag auch von den Rängen unterstützt werden: Familie, Freunde und Arbeitskollegen haben sich bei allen angekündigt und wollen das Event live miterleben.
