Boxen/Kickboxen 07.04.2025

Battle of Barock IV – Die Halle tobt: Box-Neulinge am Ziel

Fulda (pf) – Über drei Monate haben sie darauf hingearbeitet, am Samstagabend war es soweit: Vier Osthessen, deren Leben vor Kurzem noch in normalen Bahnen lief, standen vor über 2500 Zuschauern beim Battle of Barock IV im Ring. Gewinner waren sie alle schon vorher. Doch die Kämpfe waren nochmal eine ganz andere Hausnummer, als alles, was sie sich vorstellen konnten. Emotional wie sportlich.

Von links: Ralph Görlich (OZ), Organisator Patrick Franz, OB Heiko Wingenfeld, Jochen Köhler, Arian Krasniqi, Trainer Mario Dimitroff, dazu einer der Trainer von Jochen Köhler und Moderator Eleftherios Mavros. Foto: Christine Görlich

Finja Happe und Miriam Peuster mit ihren Coaches. Foto: Christine Görlich

Es begann vor einigen Monaten: Am großen Casting hatten viele Menschen teilgenommen, die sich als Box-Anfänger in ein Abenteuer stürzen wollten. Eine intensive Vorbereitung lag hinter den Casting-Gewinnern Miriam Peuster, Finja Happe, Jochen Köhler und Arian Krasniqi. Blut, Schweiß und Tränen wurden vergossen, viel Privates musste leiden. Alles für das große Ziel: Am 5. April beim Battle of Barock IV bestens gerüstet in den Ring zu steigen – wenn das als blutige Anfänger überhaupt möglich ist. Am Samstagabend entlud sich die ganze Energie im Ring, doch bis dahin mussten die vier erstmal kommen.

Einlaufen wie die Profis, eine volle, jubelnde Esperantohalle – eine völlig irre Situation. Alle vier hatten es bis hierhin geschafft, und hatten damit schon gewonnen. Dennoch sollte sich das Training bei den Coaches Mario Dimitroff und Sergej Braun auszahlen und die vier Amateure hatten absolut Bock auf die Kämpfe über viermal zwei Minuten. Zum großen Auftakt des Hauptprogramms am Samstagabend bekamen sie ihre Bühne. Für diese paar Minuten war der Alltag Nebensache. Ob Massagetherapeutin, Medizinische Fachangestellte, Kneipenbetreiber und Autoverkäufer oder Barbershop-Inhaber: Die Fäuste flogen – der Umgang blieb sportlich und fair. Schließlich war diese Bühne eine einmalige Chance.

Peuster vs. Happe: Atemberaubende Premiere im Ring

Spätestens bei der ersten Glocke war die Aufregung verflogen, Miriam Peuster (Team Dimitroff, Boxplatz) und Finja Happe (Team Braun, Brauns Gym) ließen die Fäuste fliegen. Anfeuerungen von den Rängen – von den Fans und auch den Liebsten – gab es, doch die beiden Mädels waren voll im Tunnel. Das Braun-Team coachte von außen lautstark, Mario Dimitroff beobachtete das Geschehen angespannt. Von Runde zu Runde lief der Schweiß bei beiden mehr, in Runde drei wirkten beide schon angeschlagen, aber bewiesen eisernen Willen. Finja Happe setzte in der letzten Runde noch ein paar Treffer mehr. Die Eichenzellerin gewann schließlich nach Punkten einstimmig – sie gewann für das Kampfgericht. Für die Fans und ihre Anhänger aber waren beide große Siegerinnen und trugen ihre Medaillen mit Stolz. „Ihr habt Geschichte geschrieben“, lobte Ringsprecher Eleftherios Mavros.

Köhler vs. Krasniqi: Eisenharter Fight bis zum Schluss

Schon die Walk-ons auf die Bühne begleitet von Pyrotechnik. Beide hatten ihre lautstarken Fans dabei: Auch beim Kampf von Jochen Köhler gegen Arian Krasniqi brodelte die Esperantohalle, und die beiden Männer zeigten ihre Oberkörper. Krasniqi legte mit irrem Tempo los, steckte aber dann auch ein. Das wollte Köhler nicht auf sich sitzen lassen und griff in Runde zwei mehr an, in der beide einige Treffer setzten. Immer mehr Anfeuerungen drangen zum Ring durch – mal „Arian“ lauter, mal schrie das Publikum Köhlers Namen. Das Tempo blieb bis in Runde vier hoch, viele Treffer auf beiden Seiten – und zurecht frenetischer Jubel für beide. Die Kampfrichter mussten entscheiden – einstimmig bekam Krasniqi den Sieg zugesprochen. Doch auch hier galt: Erreicht hatten sie beide ihr Ziel – und sie standen beide noch nach einem für Amateur-Verhältnisse irren Fight.

 

„Den Sport populärer gemacht“

Neben den Battle of Barock-Machern Patrick Franz und Sergej Braun wurde auch Ralph Görlich, Chefredakteur von Osthessen-Zeitung, vor den Kämpfen in den Ring gerufen und berichtete von der anfänglichen Idee der Amateur-Fights, für die eine Bewerbungsphase ausgerufen worden war: „Die Veranstaltung ist in all den Jahren schon gewachsen. Aber wir wollten sie noch populärer machen und auch an die herantragen, die bisher wenig Berührungspunkte mit dem Sport hatten“. Das Interesse war schließlich so groß, dass statt zwei sogar vier Kämpfer ausgewählt werden konnten – und die Chancen stehen wohl nicht schlecht, dass auch im kommenden Jahr wieder „Box-Neulinge“ die Möglichkeit haben, dabei zu sein.

Der Dank galt für dieses Jahr den Verantwortlichen von Rewe Franz, dem Sporthaus, Osthessen-Zeitung sowie den Trainern Mario Dimitroff und Sergej Braun, die für diese Premiere auch viele Stunden geschuftet und die vier Kämpfer vorbereitet hatten. Mit Ergebnissen und Erlebnissen, die Peuster, Happe, Köhler und Krasniqi ihr Leben lang in Erinnerung behalten werden und weitererzählen können.

Battle of Barock IV - Die OZ-Amateurkämpfe - Teil 1. Fotos: Christine Görlich