Begrüßt wurden die Abgeordneten traditionell durch den örtlichen Bürgermeister. Klaus-Dieter Vogler erwähnte im „Tor zur Rhön“ die für einen 3850-Einwohnerort sehr gute Infrastruktur: „Wir haben fast alles vor Ort.“ Dipperz habe durch die Umgehungsstraße sehr gewonnen, vorher fuhren täglich 11.500 Fahrzeuge über die Dorfstraße. Für die Zukunftsaufgaben Digitalisierung und Bürokratieabbau wünschte er sich bei letzterem schnelle Fortschritte. An den Kreis appellierte er um Hilfe bei den finanziellen Herausforderungen im Bereich der Feuerwehren: „Das übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten.“ Zur insolventen Seniorenwohnanlage „Lebensraum am Holzbach“ ist Vogler zuversichtlich „in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter eine Lösung und auch einen Betreiber zu finden“.
Das in einer Sitzung gleich zwei Kreistagsmitglieder für 40-jährige Tätigkeit geehrt werden können, dürfte selten vorkommen. Thomas Grünkorn (CWE) wurde seit 1985 in das Gremium gewählt. Dort war er für viele Perioden im Haupt- und Finanzausschuss und Ältestenrat. Für fünf Jahre war er weiterhin stellvertretender Kreistagsvorsitzender und ist seit 1992 Fraktionsvorsitzender der CWE. Winfried Möller zog erstmals 1982 für die SPD in den Kreistag ein. Mit einer kurzen Unterbrechung war dort bis 2001 unter anderem als Fraktionsvorsitzender der SPD engagiert. Von 2001 bis 2016 war er dann Kreisbeigeordneter. Seit 2019 gehört er wieder dem Kreistag an, gewählt für Die Linke. Kreistagsvorsitzender Helmut Herchenhan würdigte beide Kreistagsmitglieder dafür, dass sie ihr Ehrenamt ausgefüllt und dabei Familie, Freunden und Partnerschaft einiges abverlangt hätten: „Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie sie, die das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung leben. Auf das, was sie geleistet haben, können sie mit Stolz zurückblicken.“
Mit den Stimmen von CDU, AfD und FDP wurde ein Antrag der AfD an den Kreisausschuss verwiesen, der prüfen soll, wie Asylbewerber und auch Bürgergeldempfänger für gemeinnützige Arbeiten insbesondere bei sozialen Trägern verpflichtet werden können. Pierre Lamely hatte dabei auf die Gesetzlage, welche diese Verpflichtung ermöglicht und auf gute Erfahrungen beispielsweise im Landkreis Saale-Orla verwiesen. Bei Asylbewerbern ginge es auch darum „Fähigkeiten und Erfahrungen aus den Herkunftsländern oder früheren Tätigkeiten“ zu nutzen. Jens Mierdel (Christen für Osthessen) war darüber verwundert, dass dieser Antrag von der AfD käme: „Man muss sich vor Augen stellen, wer den Antrag stellte – die AfD will die ungeprüften unbekannten Menschen in Altersheime, Schulen und Kulturvereine bringen. Ich möchte das nicht haben.“ Für die CDU stellte Thomas Hering die Zustimmung seiner Partei in Aussicht, nicht ohne seinen Vorredner scharf zu kritisieren: „Herr Mierdel, sie haben hier einiges gesagt, wo sie die AfD so weit rechts überholt haben, dass es schon gegen die menschliche Würde geht.“ Hering plädierte für einen pragmatischen Ansatz mit einer vorherigen Prüfung im Kreisausschuss. Dabei gehe es um haftungsfragen und auch den zusätzlichen bürokratischen und organisatorischen Aufwand: „Wir wollen diese Menschen animieren etwas zu leisten.“ Landrat Woide verwies darauf, dass es schon solche Arbeitstätigkeiten gibt, beispielsweise bei der Grünflächenpflege in Großenlüder/Bad Salzschlirf und bei der Pflege von Naturschutzflächen in der Rhön. Der Kreis versuche Asylbewerber an Arbeit heranzuführen: „Eigentliches Ziel ist die Bewerber in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Soweit das funktioniert, brauchen wir auch eine Betreuung. Wer Arbeit anbietet, hat zusätzlichen Aufwand.“
Angenommen wurde ein Antrag der Grünen, den Schulen bei der Einrichtung eines Schulgartens zu helfen, soweit diese einen solchen einrichten wollen. Carmen-Cäcilia Fey (CDU) versprach die Unterstützung ihrer Partei. Es gäbe schon bei einem Drittel der Schulen Gärten und ein weiteres Drittel habe kein Interesse. Da es beim Antrag nicht in erster Linie um Kosten gehe, werde ihn die CDU gerne unterstützen. Dr. Norbert Höhl (Christen für Osthessen) verwies auf eigene Erfahrungen, nach denen es gerade in den Ferien und bei manchen Arbeiten schwierig werde: „Umgegraben habe ich ihn dann selbst.“ Landrat Woide ergänzte, dass die Schulen schon gefragt wurden: „Wenn eine Schule Interesse hat, braucht es dazu nicht den Landkreis. Das Problem ist der Zeitaufwand. Es geht nicht um die Samentütchen, sondern darum: Wer gräbt um? Wer gießt im Sommer? Es ist immer eine kontinuierliche Arbeit. Es bleibt immer am einzelnen Lehrer hängen. Wir schreiben die Schulen noch einmal an, wobei ich denke, das Interesse wird begrenzt sein.“
