Lokales FD 04.04.2025

190 Arbeitsplätze bedroht: Demo bei Mehler Texnologies in Fulda

Fulda (fp) – Gegen die geplante Werkschließung der Mehler Texnologies stellten sich am Donnerstag zahlreiche Menschen auf die Straße vor dem Firmengebäude in Fulda. Zur selben Zeit liefen im Inneren Gespräche mit Verantwortlichen der Eigentümer-Gruppe Freudenberg über die Konditionen zu den Entlassungen der rund 190 Angestellten.

Sogar einen symbolischen Sarg und einen Sensenmann hatten die Demonstrierenden mitgebracht. Foto: Felix Pillat

Trillerpfeifen, Rasseln, laute Musik und Kampfgesänge: Die Demonstrierenden auf der Edelzeller Straße, die durch das Betriebsgelände der Mehler-Werke führt, heizten ihren Verhandlungsgegnern ordentlich ein. Auf den mitgebrachten Schildern waren Sprüche wie „188 Jahre Mehler Tex werden von Freudenberg begraben“ oder „Der Freudenberg Konzern beerdigt einen Teil seiner Familie“ zu lesen. Damit brachten die Teilnehmer ihren Unmut über den Umgang mit langjährigen Mitarbeitern zum Ausdruck. Laut Angaben von Betriebsratsmitglied Björn Schmitt würden viele bereits seit Jahrzehnten dort arbeiten. „Eigentlich bereits seit der Lehre. Wir haben hier Leute, die sind seit fast 50 Jahren dabei. Hier werden Existenzen vernichtet“, schimpfte er.

Bereits Anfang Januar hatte der Mutterkonzern Freudenberg die Schließung des Werkes in Fulda und die Entlassung der rund 190 Mitarbeiter angekündigt. Eine Entscheidung, die nicht nur viel Empörung, sondern auch einiges an Unverständnis innerhalb der Belegschaft ausgelöst habe, wie Frank Roman Betriebsratsvorsitzender der Mehler Tex, berichtete: „Das war ein Schock für uns. In den ersten Verhandlungen herrschte Sprachlosigkeit ohne Ende. Viele verstehen bis heute nicht, warum.“

Als Grund für die Entscheidung hatte Freudenberg „schwaches Marktumfeld“ und „Überkapazität im eigenen Produktionsnetzwerk“ angegeben. Dazu kämen noch „schwache Wettbewerbsfähigkeit durch fehlenden Investitionswillen seitens des Eigentümers“, führte Kevin Eckert, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Hanau-Fulda, an.

Bereits zum dritten Mal würden vor Ort Verhandlungsgespräche für die Konditionen zu den Entlassungen geführt. Bisher aber ohne Ergebnis. Freudenberg habe in den vergangenen Gesprächen Bedingungen und Vorstellungen für einen Sozialplan formuliert, die Gewerkschaft und Belegschaft allerdings abgelehnt hatten. Die bisherigen Angebote seien „unverschämt“, „völlig unzureichend“, „nicht wertschätzend“ und sogar „ein Schlag ins Gesicht“ gewesen, waren die Meinungen der Demonstrierenden dazu. Die IG Metall setzt sich hingegen für einen „Teilerhalt der Stellen“ ein und fordert sogenannte „Sozialtarifverträge“. Diese würden den Angestellten deutlich bessere Konditionen, wie Abfindungen und Rentenerträge, bieten. Beide Forderungen seien aber vom Arbeitgeber abgelehnt worden, so Eckert: „Der Arbeitgeber muss sehen, dass es hier um Menschen geht und nicht nur eine Zahl, die sich abbaut.“ Er betonte, dass der Konflikt zwischen Freudenberg und der Gewerkschaft noch weiter verschärft werden würde, wenn sich keine Lösung finden könne.

Unter den Demonstrierenden waren nicht nur etwa 80 Angestellte des Betriebs, sondern auch einige Unterstützer verschiedener Vereine, aus der Politik und von anderen Firmen, die sich den Protesten anschlossen. Darunter Politiker der Fraktionen der Grünen und der SPD, Mitarbeiter von atzert:weber und der FFT Group sowie Mitglieder der AWO Fulda und des Vereins „Fulda stellt sich quer“.

Große Demo bei Mehler Tex. Fotos: Felix Pillat