Lokales FD 22.09.2024

Virus-Variante mit „Fitnessvorteil“ macht Corona ansteckender

Fulda (fp) – Die derzeit grassierende „neue“ Variante des Sars-Covid-19-Virusses mit dem Namen KP 3.1.1. gilt als ansteckender als ihre Vorgänger, weil sie sich schneller reproduziert. Ob das auch zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen wird, ob es zu schweren Verläufen kommt und wie gut vorhandene Immunisierung in der Bevölkerung gegen das Virus wirkt, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Derzeit werden im Klinikum Fulda nur wenige Personen mit einer Covid-19-Infektion behandelt.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel. Foto: Jasha Günther

Welche Variante die wenigen aktuell im Klinikum Fulda behandelten Patienten mit Covid-19-Infektion – keiner davon liegt auf der Intensivstation – haben, kann nicht gesagt werden. „Grundsätzlich werden im Klinikum Fulda keine Genotypisierungen (Sublinien-Analysen) mehr durchgeführt, da dies keine Auswirkung auf die Behandlung hat“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Vorstandssprecher des Klinikums Fulda. Die Inzidenz in Deutschland liege derzeit bei 600 Erkrankten pro 100.000 Einwohner. Damit sei die Zahl der Infektionen im Vergleich zu den vergangenen Wochen noch gesunken, so Menzel: „Bei einer Gesamtzahl von geschätzt etwa 5,8 Millionen akuter Atemwegserkrankungen liegt die geschätzte Covid-19-Inzidenz in der Bevölkerung in den letzten Wochen in einem Bereich zwischen 700 bis 900 Covid-19-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner.“ Die Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland hingegen sei im Vergleich zur Vorwoche deutlich gestiegen – in stichprobenhaften Untersuchungen sei in 16 Prozent der Fälle ein Infektion mit Sars-Cov-2 für die Infektion verantwortlich.

„Derzeit zirkulieren verschiedene Sublinien, die sich von der Variante JN.1 ableiten, die wiederum ein Ableger der bekannten Omikron-Variante ist“, erläutert Menzel zur neuen Variante: „Dazu zählen die die Sublinien KP.2, KP.3 und KP.3.1.1. Die Sublinien KP.2 und KP.3 sind seit dem 3. Mai 2024, die Sublinie KP.3.1.1 seit dem 19. Juli 2024 von der WHO als so genannte VUM (Variante unter Monitoring/Beobachtung) eingestuft.“ Letztere weise in den vergangenen Wochen einen stetig steigenden Anteil auf und mache derzeit 62 Prozent aller nachgewiesenen Sars-Cov-2-Infektionen aus. Sowohl von der Sublinie KP.3.1.1 als auch von den anderen Varianten unter Beobachtung gehe nach Einschätzung der WHO derzeit lediglich ein geringes Risiko für die öffentliche Gesundheit aus, führt Menzel aus.

„Die KP.3.1.1 Variante könnte nach ersten Erkenntnissen einen erheblichen ‚Fitnessvorteil‘ gegenüber ihren Vorgängern haben, weil  sie sich wesentlich schneller selbst reproduziere als die Vorgänger-Varianten“, erklärt der Vorstandssprecher: „Dadurch kann KP.3.1.1 ansteckender und für die menschlichen Antikörper schwieriger abzuwehren sein.“ Ob die neue Variante schwere Verläufe bei Infektionen verursachen könne und wie gut die Immunisierung in der Bevölkerung gegen die Variante wirke, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. „Berichten zufolge sind die Symptome von KP.3.1.1 vergleichbar mit denen früherer Corona-Varianten: Fieber, Husten, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Atemprobleme sowie Geruchs- und Geschmacksverlust“, so Menzel und es sei derzeit ist davon auszugehen, dass die aktuellen Impfstoffe weiterhin Schutz bieten. Seit Mitte August sei in Deutschland auch ein angepasster Biontech-Impfstoff verfügbar. Die Ständige Impfkommission empfehle in diesem Herbst allen Menschen, die älter als 60 Jahre sind, Personen mit Vorerkrankungen oder Beschäftigten, die im Gesundheitsbereich tätig sind, eine Auffrischungs-Impfung mit den aktualisierten Impfstoffen.