Gersfelds Bürgermeister Dr. Steffen Korell war dankbar, dass Diane Morgenroth gekommen war: „Nicht oft ist es so, dass Nachfahren der ehemaligen Einwohner dabei sind.“ Er überreichte ihr das Buch „Juden in der Rhön“ von Michael Imhof, in dem, wie er sagte „auch Schicksale ehemaliger Gersfelder geschildert werden“. Für Morgenroth war es ein besonderer Moment. Ihr Vater Manfred, für den auch ein Stein verlegt wurde, konnte 1937 in die USA flüchten. Ihren Großeltern gelang die Ausreise trotz vieler Versuche jedoch nicht. Sie wurden, gemeinsam mit sechs weiteren Juden, als letzte jüdische Einwohner Gersfelds 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet, wie Gutermuth erläuterte. Das Schicksal wollte es, dass Manfred Morgenroth direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch einmal nach Gersfeld als amerikanischer Soldat kam. Vom neuen Besitzer seines Elternhauses wurde „ihm wohl die Tür gewiesen“. Danach war es in der Familie verboten, über die alte Heimat zu sprechen.
Diane Morgenroth sagte zur Steine-Verlegung: „Es ist das Gefühl, heute hier auf die Beerdigung meiner Großeltern zu gehen.“ Jan Gutermuth dazu: „Löser und Rosa Morgenroth haben nie eine Trauerfeier, geschweige denn eine vernünftige Beisetzung erhalten. Sie wurden aus ihrem zu Hause verschleppt, in einem fremden Land ermordet und dort niemals ordentlich bestattet. Das sollten wir uns heute hier noch einmal bewusst machen. Die Stolpersteine, die wir hier verlegen, stellen für manche der Menschen, die ums Leben kamen, hoffentlich ein kleines Bisschen ihrer verlorenen Würde wieder her – und zwar an dem Ort, an dem ihnen diese zum ersten Mal genommen wurde.“
Nach einer ersten Verlegung von 19 Solpersteinen im vergangenen Jahr wurden dieses Mal 16 Steine verlegt. Wie Gutermuth sagte, sind es insgesamt über 100 in Gersfeld. Gefördert wurde die Verlegung durch die Sparkasse Fulda mit 2000 Euro, für die Richard Hartwig aus dem Vorstandsstab anwesend war. Für weitere Spenden wurde geworben und die nächste Verlegung ist auch schon geplant. Am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht in der Hochstraße. Dort soll dann auch die Infotafel zur ehemaligen Synagoge eingeweiht werden.
