Lokales FD 15.09.2024

„Rhön trifft Welt“ – Konzert der Interkulturellen Wochen – Fotos

Fulda (sk) – Eine bunte Mischung erwartete die Menschen am Samstag im vollbesetzten Kanzlerpalais. Im Rahmen der Interkulturellen Wochen traten Franz Habersack, die Rhöner Säuwäntzt und das Weltklänge-Orchester gemeinsam auf. Sie präsentierten für „Eingeborene und auch Zugezogene mit Interesse an der Sprache und der Denkweise der Rhöner“. Dem Publikum gefiel es sehr, weshalb mehrere Zugaben gefordert wurden.

Franz Habersack. Foto: Stefan Krug

Für alle, die das Weltklänge-Orchester noch nicht kannten, stellte Bernhard Oswald es vor. Aus einer Initiative mehrerer Musikensembles entstand es als interkulturelle Gemeinschaft mit verschiedensten Instrumenten und internationaler Besetzung. Am Samstag kam diese aus Syrien, Wladiwostok, Spanien, Hamburg, Lehnerz, Niesig, Flieden und auch aus Fulda. Unterstützt wurden sie von Martin Caba und Christoph Leibold von den „Rhöner Säuwänzt“ – letzterer laut Caba „weltweit führender Vertreter der Kunst des Waschbrettspielens“. Bernhard Oswald dankte besonders Caba, der bei dem gemeinsamen Abend Ideengeber war und „alles organisiert hat“. Als besonderen Gast kündigte er den „Bauern Habersack“ an „der es versteht, die Widersprüchlichkeiten, Eigenheiten und Schrulligkeiten der Menschen in Rhöner Mundart liebenswert darzustellen“.

Caba charakterisierte erst einmal die Rhöner als „unterdrückte menschliche Minderheiten, die auf kärglichen Felder am Rande der A7 ihr Leben fristet“, bevor er alle dazu aufrief, aufeinander zuzugehen und miteinander zu reden als bestes Mittel gegen Vorurteile – „sozusagen interkulturelle Kommunikation auf dem Dorf“. Dann ging es los mit dem bekannten Lied der Säuwäntzt „Bo kömmst du her“ mit Unterstützung des Weltorchesters. Caba fand es bedauerlich, das „im Bildungsbürgertum wozu hier auch einige zählen“ heute nicht mehr gefragt werden darf, woher jemand kommt – „Schade, weil sie dann kaum noch mit einem Rhöner sprechen können“. Hier hatte er nicht die ersten Lacher auf seiner Seite.

Weiter ging der Abend mit einem kurdischen Lied von Mukdad Mohamed und zwei auf durch Jana Tegel auf jiddisch vorgetragenen Lieder. Zweifelsfrei ein Highlight des Abends war „Buideonkel“ Franz Habersack. Für alle die nicht wissen, was ein Buideonkel ist: Ein unverheirateter männlicher Mitbewohner, der unter dem Dachboden seines Elternhauses wohnt. Und dann legte der „weltbekannte Bauer mit 120 Hektar und 40 Ferkelsäu“ los. Erst einmal bedauerte er, dass junge Leute kein Platt mehr schwätze, obwohl es doch eine internationale Sprache ist. Neben Einblicken in sein Familienleben mit seiner Oma als Vorbild und der nach Australien ausgewanderten Tante konnten die Gäste lernen, dass die Rhön „grün ist, obwohl sie schwarz ist“. Es folgte noch ein wichtiges Lehrstück zu den Rhönern: „Bei uns gibt es kein Wort für Liebe. ‚Ich honn Dich gern‘ ist schon viel. ‚Ich honn Dich arg gern‘ ist schon ein emotionaler Offenbarungseid.“

Zum Ende gab es wieder Musik. Am mitreißendsten wohl das „Kreuzberglied“, bei dem alle von ihren Plätzen aufstanden, mitschunkelten, mitklatschten und mitsangen. Erst nach zwei Zugaben durften die Künstler die Bühne verlassen. Insgesamt war es ein rundherum gelungener Abend in einer leider zu kleinen Räumlichkeit – schon im Vorverkauf waren alle Karten vergeben.