„Wir sind gerade am Fliegen“, berichtet Linus Schubert, Paragliding-Vizeweltmeister seiner Klasse im Vorjahr, als Osthessen-Zeitung ihn gut eine Woche vor dem großen Highlight erreicht. Ein Shuttle bringt die Teilnehmer beim Training von unten wieder rauf auf die Wasserkuppe, ihm entgegen fliegen die Teilnehmer aus Saudi-Arabien oder China. „Wir versuchen, in den letzten Flügen nochmal das zu üben, was wir uns in den letzten Monaten erarbeitet und als Ziele gesetzt haben. Wir trainieren auch abends, bis Sonnenuntergang draußen und bis in die Nacht zuhause am Simulator“, so Schubert.
Er und Bruder Lennard Schubert gehören kommendes Wochenende als Zweiter und Fünfter der FAI-Weltrangliste auf ihrem Hausberg zu den Mitfavoriten, haben in den vergangenen Jahren mehrere Weltcup-Podestplätze erreicht. „Natürlich ist unser Ziel, da voll zu performen. Es ist das letzte große Highlight in diesem Jahr“. 25 bis 30 internationale Piloten sind schon eine Woche vorher angereist, der Rest kommt nun nach, um vor Ort zu trainieren. Rund 40 Länder sind vertreten. Andreas Schubert vom Papillon Paragliding-Team der Wasserkuppe, selbst begeisterter und erfolgreicher Flieger und Vater der beiden Jungs, freut sich: „Die Wasserkuppe wird zum olympischen Dorf“.
Das Training laufe super, berichtet Linus, der die größte Konkurrenz in den chinesischen Weltmeistern sieht: „Das sind Piloten, die jahrelange Berufserfahrung haben. Sie fliegen jeden Tag, fast nochmal doppelt so viel wie ich. Da heranzukommen, ist schwierig, das hat man bei den letzten Wettkämpfen gemerkt“. Dennoch glaubt der 16-Jährige an seine Medaillenchance: „Ziel wird es sein, sich nicht abhängen zu lassen. Wie in der Formel 1: Dranbleiben und am Ende vielleicht vorbeiziehen. Das wird schwer, aber nicht unmöglich. Es hat schonmal geklappt. Und ich habe so viel trainiert, wie es ging“. Womöglich reicht es dann fürs Podium für ihn oder seinen Bruder, die aber beide die Zeit „zuhause“ einfach nur genießen können: „Ich kam am Freitag von der Schule her und habe die Schirme mit den ganzen Nationen gesehen. Es ist super, dass sich die Leute 30 Stunden Anreise nehmen, um auf die Wasserkuppe zu kommen. Wir sind ja auch bei den Wettkämpfen der anderen, da schließt man Freundschaften und freut sich, wenn man sich wiedersieht. Die Stimmung ist super, alle sind gut drauf und freuen sich auf die Wettkämpfe“, ist Schubert begeistert. Und er betont: „Es macht so viel Spaß, wir genießen die Zeit. Auch wenn es nicht so gut laufen sollte für uns, ist es super, den Weltcup hier auf der Wasserkuppe zu haben. Das ist ein Privileg“.
Das Event der Superlative startet bereits am Donnerstag mit einer Eröffnungszeremonie und Nationalhymne, Verantwortliche aus dem Paragliding und der Politik haben sich angekündigt. Danach gibt es eine offizielle Trainingsrunde und eine Wertungsrunde je nach Wetter. Am Freitag stehen weitere Wertungsrunden an, dann scheiden nach und nach Piloten aus. Am Samstag geht es in die Finalrunden, ab 16 Uhr kämpfen die Top-20-Piloten um die Medaillen, um 17.30 Uhr sollen die letzten Starts erfolgen. Danach gibt es Blasmusik live bei einem Rahmenprogramm mit anschließender Siegerehrung der verschiedenen Klassen und eine After-Party. Sonntag wäre der Ausweichtag für die Finalrunden, falls das Wetter am Samstag nicht mitspielt.
Mehr Infos gibt es beim Verein RDG Poppenhausen unter: https://rdg-ev.de/
