Lokales FD 01.10.2024

Pilot-Projekt für grünen Wasserstoff – Tankstelle erhält Genehmigung

Hünfeld (as/pm) – Vollgetankt mit grünem Wasserstoff auf die Autobahn, das soll in Michelsrombach im kommenden Jahr Realität werden. Die Firma ABO Energy baut aktuell eine Wasserstofftankstelle mit Trailer-Abfüllanlage. Am Montag wurde vom Regierungspräsidium Kassel eine Genehmigung gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BlmSchG) für das besondere Wasserstoffprojekt überreicht.

Von links: Dr. Jochen Ahn, Benjamin Tschesnok, Dr. Thomas Nietsch, Mark Weinmeister und Christian Rippl (RP Kassel) auf der Baustelle. Foto: Andreas Schellenberg

Dr. Jochen Ahn, einer der Gründer und Geschäftsführer von ABO Energy, lobte den „idealen Standort“ direkt an der A7 für das Projekt in Michelsrombach. Er ergänzte: Wir sind froh um die Unterstützung.“ Regierungspräsident Mark Weinmeister sprach davon, dass es sich hierbei nicht um eine „Routinegenehmigung“ handele. Die fertige Anlage solle rund 500 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren, erläuterte Dr. Thomas Nietsch, Leiter der Zukunftsabteilung bei ABO. Zum Start sei geplant, mit dem Wasserstoff täglich 30 Fahrzeuge zu betanken, später solle die Kapazität ausgebaut werden. Die Energie werde über eine Wind- und Solarkraftanlage vor Ort produziert.

Vorreiter für die Region

Im hessischen Hünfeld-Michelsrombach bei Fulda entsteht ein Pilot-Projekt, bestehend aus Windenergieanlage, grüner Wasserstofferzeugung und Wasserstofftankstelle mit Trailer-Abfüllanlage. Die Genehmigung für die Windenergieanlage wurde bereits Mitte vergangenen Jahres erteilt.

Die Bauarbeiten auf dem Gelände des Logistikparks Hessisches Kegelspiel laufen dank der Zulassung für einen vorzeitigen Baubeginn bereits seit Mai dieses Jahres. Begonnen wurde mit Erd- und Tiefbauarbeiten. Aktuell sind Rohrleitungen, Fundamente, Wände und das Tankstellendach im Aufbau. Geplant ist, die Bau- und Montagearbeiten sowie die Inbetriebnahme der Anlagetechnik im ersten Quartal 2025 abzuschließen. Die Eröffnung der Tankstelle ist für April 2025 geplant.

„Den Strom für die Erzeugung des grünen Wasserstoffs produziert eine zwei Kilometer entfernte Windkraftanlage, die über eine Direktleitung mit dem Elektrolyseur verbunden ist“, beschrieb Dr. Ahn die Besonderheit des Projekts. „Das ist die ideale Art, um grünen Wasserstoff lokal zu erzeugen“, sagte er. Da aber eine Windkraftanlage allein nicht genug Strom produziere, um den Elektrolyseur auszulasten, plant ABO Energy, zusätzlich zehn Megawatt Photovoltaikleistung in der Nähe zu installieren. Zudem wird grüner Strom über das Netz bezogen.

Auch für das Regierungspräsidium Kassel ist es ein besonderes Projekt, denn es handelt sich um den ersten Elektrolyseur, den die Behörde genehmigt hat. Weinmeister sagte: „Der Region NordOstHessen kommt aufgrund ihrer zentralen Lage eine Schlüsselfunktion bei der Energiewende wie auch bei der Verkehrswende zu. Das Projekt von ABO Energy verknüpft diese Sektoren auf innovative Weise und stoßt damit die Tür in eine nachhaltigere Zukunft auf. Einen herzlichen Dank an die Beschäftigten meines Hauses, die das Genehmigungsverfahren kompetent und zügig ausgeführt haben.“

Auch die von Anfang an enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit er Stadt Hünfeld war maßgeblich, damit das Projekt gelingt. Bürgermeister Benjamin Tschesnok war bei der Übergabe des Genehmigungsbescheids ebenfalls vor Ort. „Wir haben dieses zukunftsweisende Konzept von Anfang an unterstützt“, sagte er und ergänzte: „Weil es immer wichtiger wird, neue Wege auch jenseits der reinen Elektromobilität zu gehen, um das Klima zu schonen und die Mobilität für die Zukunft zu ermöglichen.“

Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) mit insgesamt zwölf Millionen Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Fördermittel dieser Maßnahme werden auch im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) über die europäischen Aufbau- und Resilienzfazilitäten (ARF) im Programm NextGenerationEU bereitgestellt Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt.

Über ABO Energy

ABO Energy entwickelt und errichtet erfolgreich Wind- und Solarparks sowie Speicher- und Wasserstoffprojekte. Das 1996 gegründete Unternehmen aus Wiesbaden hat bislang Anlagen mit rund sechs Gigawatt Leistung umgesetzt und rund die Hälfte davon auch errichtet das jährliche Investitionsvolumen beträgt 500 Millionen Euro. Mehr als 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 16 Ländern arbeiten mit Elan an der Planung, Finanzierung., Errichtung, Betriebsführung und am Service von Anlagen für eine zukunftsfähige Energieversorgung.

Pilot-Projekt in Michelsrombach. Fotos: Andreas Schellenberg