Lokales 22.10.2024

Großes Spektakel: 4000 Besucher beim Weideabtrieb in Ginolfs – Fotos

Ginolfs (sk) – Einmal im Jahr wird jeder der nur 300 Einwohner von Ginolfs im Markt Oberelsbach gebraucht. Beim traditionellen Weideabtrieb wurden dieses Jahr 4000 Besucher mit regionalen Köstlichkeiten versorgt, nachdem sie den Einzug von Rindern, Schafen, Ziegen und Alpakas bewundert hatten. Für alle, die Rhönfeeling mit nach Hause nehmen wollten, gab es einen kleinen Bauernmarkt mit Produkten aus der Region.

Fotos: Stefan Krug.

Von links: Björn Denner, Julian Schulz und Sandro Kirchner.

Die Weidetiere kamen einen Berg hinunter, wo auf einer Strecke von mehreren hundert Metern tausende Menschen Spalier standen. Anschließend konnten die Tiere die wohlverdiente Rast auf Weiden neben dem Festzelt genießen. Sebastian Schrenk moderierte die Veranstaltung, zu der er auch Landrat Thomas Habermann und Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner (beide CSU) begrüßte, gekonnt. So zogen dann zuerst 40 Rinder der Rasse Gelbes Frankenvieh vom Biohof Manger in den Ort, gefolgt von rund 500 Rhönschafen mit einigen Thüringer Waldziegen von Kolbs Biohof. Als nächstes kamen ungefähr 100 Ziegen verschiedener Rassen vom Bio-Ziegenhof Breuning und ein Dutzend Alpakas von „Rhönmomente“ – die sich ziemlich viel Zeit ließen. Den Abschluss bildete die 1100 Tiere umfassende Herde der Weidegemeinschaft Ginolfs, bestehend aus Rhönschafen und einigen Ziegen. Gehütet werden diese von Julian Schulz, Sieger der Deutschen Schäfermeisterschaft 2023. Schulz, der die Herde der Weidegemeinschaft übernehmen will, wurde vom Oberelsbacher Bürgermeister Björn Denner gebeten, sich ins Goldene Buch des Markts einzutragen.

Sandro Kirchner berichtete, dass er seit 13 Jahren, einmal abgesehen von den coronabedingten Absagen, regelmäßig das Fest besuche. Gemeinsam mit dem Landrat war er auch aktiv am Weideabtrieb beteiligt und begleitete eine Herde: „Die tolle Veranstaltung ist ein schöner Moment, die Rhön sichtbar zu machen. Es ist beeindruckend wie viele Manschen gekommen sind. Ohne Weidehaltung wird die Rhön kein ‚Land der offenen Fernen‘ bleiben.“ Wie bei den meisten Veranstaltungen mit Weidetierhaltern war auch in Ginolfs in Gesprächen der Wolf ein Thema. Hier wünschte sich Kirchner Regelungen, mit denen ein Nebeneinander von Wolf und Tierhaltern möglich wird: „Dazu versuchen wir in Bayern Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört eine Wolfsverordnung, bei der wir aber im Zwiespalt mit dem BUND sind. Ziel ist es, den Wolf zu regulieren und zu begleiten.“

Karl-Heinz Kolb von der Höheren Naturschutzbehörde in Bayern konnte auf die Anfänge des Festes verweisen, dass aus einem staatlichen Beweidungsprojekt heraus 2008 erstmals stattfand. War es in den ersten Jahren noch problematisch, Helfer zu finden, wurde der Weideabtrieb später von der Dorfgemeinschaft Ginolfs übernommen: „Das Ergebnis sieht man jetzt.“ Dr. Susanne Wüst vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld nannte die Weidetiere „wichtige Mitarbeiter für die Landschaftspflege“. Ohne sie würden die Flächen nicht freigehalten und verbuschen: „Die Tiere sind ein ganz wichtiger Beitrag zum Erhalt vom ‚Land der offenen Fernen‘. Die Weiden sind weiter ein Platz vieler wertvoller Pflanzen, die ohne Beweidung verloren gehen würden.“