Lokales FD 10.11.2024

ÖDP zu Gast in Gersfeld: Neuer Bundesvorsitzender gewählt – Fotos

Gersfeld (sk) – Auf ihrem 63. Bundesparteitag haben über 200 Delegierte der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) Günther Brendle-Behnisch aus Mittelfranken zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Nach zwei Jahren im Amt hatte seine Vorgängerin Charlotte Schmid nicht wieder kandidiert. Nach 2023 ist es das zweite Mal, dass Gersfeld als Tagungsort gewählt wurde.

Günther Brendle-Behnisch. Fotos: Stefan Krug

Die ÖDP ist eine über vier Jahre bestehende kleine Partei, die hauptsächlich Erfolge in Bayern hat. Dort 1,8 Prozent bei der letzten Landtagswahl, während es am selben Tag in Hessen nur 0,2 Prozent waren. Günther Brendle-Behnisch kommt aus Heilsbronn bei Nürnberg, ist 68 Jahre alt und arbeitete zuletzt als evangelischer Pfarrer und Lehrer. Davor war der Diplom-Kaufmann als mittelständischer Unternehmer tätig. Es war ihm wichtig zu betonen Vater von vier Kindern und Großvater von sechs, bald sieben, Enkel zu sein: „Die Enkeltauglichkeit unsere Politik habe ich thematisiert. Wir machen Politik nicht für uns, sondern für die nächste und übernächste Generation.“  Nach seiner Wahl betonte Brendle-Behnisch, dass es sein wichtigstes Ziel sei „auf jeden Fall die Partei wieder zusammen zu führen“. Bei aller Verschiedenheit innerhalb der Partei solle sie eine wirksame, auch außerparlamentarische, Oppositionspolitik betreiben. Für den neuen Vorsitzenden stehe die ÖDP nicht nur für ökologisch und demokratisch, sondern auch für sozial. Auf Nachfrage bestätigte er, „gerne wieder nach Gersfeld zu kommen“.

Seine Vorgängerin Charlotte Schmid und ihr ebenfalls nicht wieder kandidierender Stellvertreter Helmut Scheel betonten im Gespräch „einiges geschafft“ zu haben. Dass sie nicht wieder kandidiere, liege nicht an den Inhalten der Partei. Schmid sagte dazu „wir haben das beste Programm, dass es gibt“, sondern weil sich „zu viel mit Formalien beschäftigt wird“. Gerade, weil die „CO2-Uhr tickt – und zwar rückwärts“. Schmid weiter: „Für mich geht es in dieser Situation, auch in der ÖDP wie in anderen Parteien, viel zu langsam“. Helmut Scheel: „Wir haben realisiert, das Dinge, welche wir für notwendig halten, und das, was parteikonform ist, sich unterscheidet. Es gibt kritische Dinge, die wir der Partei nicht zumuten wollen.“ Auch für Schmid war der Umgang untereinander „angenehm und konstruktiv mit sehr vielen, aber nicht allen.“

Das einzige überregionale Mandat der ÖDP im Europaparlament hält Manuela Ripa aus dem Saarland. Mit dem Parteitag war sie zufrieden: „Es gab einige alte Sachen zu klären. Ich freue mich, dass wir mit dem neuen Vorstand neu starten.“ Für die ÖDP sei es im bevorstehenden Bundestagswahlkampf wichtig als kleine Partei darauf aufmerksam zu machen, wie widersinnig die fünf Prozent-Klausel sei und wie schwierig es durch diese Hürde für diese sei, ins Parlament einzuziehen. Am Europaparlament sei ersichtlich, dass auch kleine Parteien konstruktiv beitragen und es dadurch keineswegs zu beschlussunfähig wird. Gersfeld nannte sie „einen wunderschönen Ort“. Sie freue sich jedes Mal, wenn dort der Parteitag sei. Gerade wenn sie aus Straßburg oder Brüssel komme, sei es immer wieder schön, so viel Natur zu sehen.

Bürgermeister Dr. Steffen Korell aus Gersfeld hatte in einem Grußwort betont, dass Gersfeld ganz viel Natur sei. Es sei eine ökologische Modellkommune mitten im Biosphärenreservat und dem Sternenpark Rhön. Erfreut zeigte er sich, dass die ÖDP behauptet, den ersten klimaneutralen Parteitag abzuhalten und dazu als Ausgleich zum verbrauchten CO2 der Teilnehmer bei der Anreise und der Unterkunft, fünf Bäume im Schlosspark Gersfeld pflanzte.

ÖDP-Bundesparteitag in Gersfeld. Fotos: Stefan Krug