Lokales VB 05.11.2024

Nachfrage an Bauplätzen ungebrochen – Nicht genug Wohnraum

Osthessen (as) – Gestiegene Kosten und lange Wartelisten: Der Wunsch nach mehr Wohnraum in Osthessen bleibt auf einem anhaltend hohen Niveau. Die Lage in den Städten und Gemeinden sieht jedoch unterschiedlich aus. Während einige Kommunen daran arbeiten, neue Baugebiete zu schaffen und Baulücken zu schließen, fehlt es in anderen Kommunen dafür an notwenigen Flächen.

Symbolbild: Justin Klenner

Im Landkreis Fulda wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 insgesamt 315 Baugenehmigungen erteilt, berichtet die Pressestelle des Landkreises Fulda. Das sei weniger als noch in 2022 im gleichen Zeitraum (395 Genehmigungen), aber größer als im Vergleich zu 2023 (277 Genehmigungen). Mit dem leichten Anstieg schneidet der Landkreis Fulda merklich besser ab als im deutschen Mittel. Wie das Statistische Bundesamt vermeldete, seien die Baugenehmigungen in der ersten Jahreshälfte von 2024 deutschlandweit um rund 20 Prozent gesunken.

Für die Bewertung der Lage des Wohnungsbaus gebe es nur wenig verlässliche Indikatoren, erläutert Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen seien aus Sicht des Magistrats kein ausreichend geeignetes Mittel, um Rückschlüsse zu ziehen. Er nennt als Beispiel den Waidesgrund, wo eine einzelne Baugenehmigung ausreiche, um in einem Block eine Vielzahl an Wohneinheiten zu genehmigen. „Auch das Zinsniveau ist nicht per se als Indikator geeignet, da ein hohes Zinsniveau eher die Eigennutzung fördert, während ein tiefes Zinsniveau vermehrt die Projektentwicklung für Dritte unterstützt“, führt Heller weiter aus. Beides könne im Ergebnis zum Bau von Wohneinheiten führen.

Faktisch hätten sich die zuletzt gestiegenen Baupreise auf die Branche insgesamt und somit auf den Wohnungsbau ausgewirkt, stellt der Pressesprecher fest: „Während Eigenheim-Interessierte die Baupreisentwicklung partiell zum Anlass nehmen, sich nach Fertighäusern (meist ohne Keller) als Alternative umzusehen, wenngleich hierfür die gleichen Baupreise gelten, steigt bei Wohnungsbauunternehmen und Investoren die Nachfrage nach Fördermitteln.“ Die Stadt Fulda biete genau hierfür seit Jahren zwei Fördertöpfe an, um bezahlbaren Wohnraum zu bauen. Damit werde in der Domstadt der Einbruch von wichtigen Bauvorhaben vermieden. Die Maßnahmen würden zu einer stabilen Baukonjunktur im Wohnungsbau führen: „Die Baupreise waren zuletzt moderat abgemildert und haben sich auf diesem Niveau stabilisiert.“

Allgemein sei die Nachfrage an Grundstücken für den Eigenheim-Bau in Fulda ungebrochen groß, berichtet Heller. Da die Wartelisten regelmäßig nicht bedient werden können und die Stadt weiterhin wachse, bemühe sich der Magistrat fortwährend um ein ausgewogenes Angebot zur Errichtung von Wohnraum: „Der Fokus wird hierbei weiterhin auf der Innenentwicklung liegen, folglich entsteht im Bereich der Innenstadt als Neubaugebiet beispielsweise der Waidesgrund.“ Ebenso werde das konsequente Füllen von Baulücken gerade im ländlichen Raum des Stadtgebiets verfolgt, da es hier große Flächenpotenziale gebe. Gleichzeitig sei es unumgänglich, in einer wachsenden Stadt auch neue Gebietsausweisungen anzugehen, merkt der Pressesprecher an: „Hier ist der Magistrat bestrebt, insbesondere in den Bereichen, in denen bereits ein großes Maß an Infrastruktur vorhanden ist, Neuausweisungen oder Arrondierungen zu prüfen.“ Auf dieser Basis würden derzeit Angebote in Form von Neubaugebieten in Kämmerzell für Fulda-Nord, Bronnzell für Fulda-Süd und in Haimbach für Fulda-West entstehen: „Hinzu kommen Arrondierungen in Maberzell, Niederrode und Oberrode.“

Die komplexe Lage für genügend Wohnraum ist ebenfalls in den Stadtrandgemeinden zu spüren. Die Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken in der Gemeinde Petersberg sei weiterhin deutlich höher als das zur Verfügung stehende Angebot, erläutert Sebastian Kircher, Pressesprecher der Gemeinde Petersberg. Er teilt mit: „Dies zeigt auch die gemeindliche Interessentenliste für Wohnbaugrundstücke, in die sich mittlerweile über 800 Bürgerinnen und Bürger haben eintragen lassen.“ Derzeit habe die Gemeinde jedoch keine Bauplätze, die zur Verfügung gestellt werden können: „Es werden aber Neubaugebiete in Petersberg und Steinhaus entwickelt.“

In Sachen Bauplätze in der Gemeinde Künzell beschreibt Bürgermeister Timo Zentgraf: „Aktuell werden einige Grundstücke auf dem freien Markt angeboten und auch gehandelt.“ Gemeindliche Grundstücke zum freien Verkauf seien aktuell nicht mehr vorhanden. Der Rathauschef nehme im Gemeindegebiet noch einige Baulücken wahr: „Bei denen die Eigentümer aber leider keine Verkaufsbereitschaft signalisieren und als Spekulationsobjekt oder für zukünftige Nachkommen weiter liegen lassen.“ In der Gemeinde gebe es aktuell keine Baugebiete, in denen der Grunderwerb entsprechend gut fortgeschritten sei und die Verwaltung entsprechende Planungen für weitere Bauplätze vornehmen könne. Wie sich die Lage in den kommenden Monaten entwickeln werde, könne Zentgraf nicht einschätzen. Er meint: „Allerdings ist in meinen Augen klar, dass ohne massive staatliche Förderungen beziehungsweise klare und feste Rahmenbedingungen keine Trendumkehr eintreten wird.“

Lage im Vogelsberg

Im Landkreis Vogelsberg wurden von Januar bis Juni dieses Jahres insgesamt 297 Baugenehmigungen erteilt, gibt die Pressesprecherin des Landkreises, Sabine Galle-Schäfer, an. Im Zeitraum vom Januar bis Juni 2023 waren es 347 Genehmigungen gewesen, also 50 Genehmigungen weniger. Das entspreche einem Rückgang von rund 14 Prozent. „In dieser Auswertung haben wir nur klassische Baugenehmigungsverfahren und Denkmalschutzrechtliche Genehmigungen berücksichtigt. Bauvoranfragen etc. wurden nicht mitgezählt“, ergänzt Galle-Schäfer zu den Daten.

Für die Lage in der Stadt Lauterbach berichtet Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, dass es noch vereinzelt Grundstücke gebe: „Im Bereich des Bebauungsplans ‚Kleinfeldchen-Eichwiesen‘ hat die Stadt noch drei Wohnbaugrundstücke, welche zum Verkauf stehen sowie Mischgebietsflächen. Im Stadtteil Allmenrod und Sickendorf jeweils noch ein baureifes Grundstück, in Blitzenrod noch zwei Grundstücke. Weiterhin werden auch noch Bauplätze von privaten Eigentümern angeboten.“ Die Nachfrage habe sich allerdings zu den Vorjahren um circa die Hälfte reduziert. Die Stadtverordnetenversammlung habe über die Fortschreibung zur Aufstellung des Flächennutzungsplans (FNP) sicherstellen wollen, dass zukünftige Generationen mit Bauland versorgt werden können. „Als Grundlage für die Fortschreibung des FNP und zur Entscheidung, welche kommunalen Baugebiete ausgewiesen werden, führen wir derzeit viele Gespräche für den Ankauf von Grundstücksflächen“, teilt Vollmöller mit.

Neue Bauerwartungslandgebiete seien in der Kernstadt von Lauterbach im Bereich des Dörnerweg und danach im Bereich des Altenberg vorgesehen, erläutert der Bürgermeister und merkt an: „Die Problematik bei der Fortschreibung des FNP bestehe darin, dass viele freie private Grundstücke in der Stadt und den Stadtteilen vorhanden sind, welche aber nicht zum Kauf angeboten werden.“ Diese derzeit 81 freie Grundstücksflächen (Baulücken) würden die Entwicklung für weitere Baugebiete hemmen. „Eine Veränderung der Entwicklung ist derzeit nicht absehbar. Da sich die vorgenannten Genehmigungen größtenteils auf den privaten Hausbau erstrecken, macht sich der Druck auf den bezahlbaren Wohnraum nicht überdurchschnittlich bemerkbar“, fügt er an.