Die Stadt Fulda hatte das Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs zwischen Linden- und Rabanusstraße 1952 von der Jewish Restitution Successor Association (JRSO) gekauft, berichtet Monika Kowoll-Ferger, Pressesprecherin der Stadt Fulda. Ziel war es, dort für den Bund ein Gebäude für das damalige Hauptzollamt zu bauen: „Bedingung dafür war, dass nur auf der Fläche gebaut wurde, auf der niemals Menschen bestattet waren, da nach jüdischem Recht ein Friedhof niemals durch ein Gebäude überbaut werden darf.“ Allerdings sei das Gebäude 1953 nicht auf dem vereinbarten Bereich der Lindenstraße, der an die Bahnhofstraße angrenzt, sondern an der Ecke zur Sturmiusstraße errichtet worden. „Ben Ferencz, ehemaliger Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen und zu diesem Zeitpunkt Generaldirektor der JRSO, entwickelte einen Ansatz um mit der Situation umzugehen, indem am untersten Punkt des neuen Gebäudes (also im Keller) ein Raum entstand, in dem die Gläubigen für ihre Verstorbenen beten können“, gibt Kowoll-Ferger an. Der Gebetsraum könne auch heute noch besucht werden, erzählt sie. Der Schlüssel könne während der Öffnungszeiten bei der Jüdischen Gemeinde in Fulda abgeholt werden, jeweils montags und mittwochs zwischen 9 bis 12 Uhr sowie 14 bis 16 Uhr, dienstags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr. Die telefonische Auskunft sowie Voranmeldung dazu erfolgen über 0661/70252.
Die Stadt Fulda befinde sich aktuell in konstruktiven Gesprächen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zum Erwerb des Hauptzollamts, teilt die Pressesprecherin mit. „Sollte ein Erwerb der Immobilie durch die Stadt möglich sein, wäre die Einrichtung eines Ortes der Erinnerung, Begegnung und Bildung denkbar, an dem an den ehemaligen jüdischen Friedhof und an die Geschichte jüdischen Lebens in Fulda erinnert wird“, meint sie. Möglich sei auch eine Verlegung des Stadtarchivs in die Räume ebenso wie eine teilweise Nutzung durch die Volkshochschule für Bildungs- und Begegnungsveranstaltungen. „Angestrebt würde dann auch eine gemeinschaftliche Entwicklung mit dem Gebäude der ehemaligen Synagoge am Stockhaus“, ergänzt Kowoll-Ferger.
Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld befürwortet die Umsetzung eines Ortes der Erinnerung für Begegnung und Bildung: „Die Geschichte Fuldas wurde über viele Jahrhunderte durch eine starke jüdische Gemeinde mitgeprägt. Gerade angesichts des aktuell zunehmenden Antisemitismus ist es uns daher ein Anliegen, in unserer Stadt eine würdige Erinnerungskultur zu entwickeln und deutlich zu machen, dass jüdisches Leben ein selbstverständlicher Teil unserer Geschichte und unserer Zukunft ist.“ Durch Begegnungsorte könnten die Fuldaerinnen und Fuldaer zeigen, dass Hass und Ausgrenzung in der Gesellschaft keinen Platz habe, so der Oberbürgermeister.
