Lokales FD 14.06.2024

Fortschritte am Runden Tisch – Sickerwässer von Halde mit im Fokus

Neuhof (as/pm) – Salzhaltige Haldenwässer möglichst weitgehend minimieren: Die Diskussionen um die Kali-Halde am Runden Tisch in Neuhof dauern nun schon über ein Jahr an. Wie die Beteiligten von K+S sowie der Bürgerinitiative Umwelt (BI) Neuhof berichten, konnte die Zielsetzung des Runden Tisches in einer zurückliegenden Sitzung konkretisiert werden. Die BI begrüßt diesbezüglich, dass auch Sickerwässer bei der Lösungsfindung mitbeachtet werden sollen.

Archivfoto: Christine Görlich

Bei dem zurückliegenden Treffen des Runden Tisches im April wurde dessen Aufgabenstellung besprochen, berichtet Marcus Janz, Pressesprecher für K+S. Die Gemeinde Neuhof, die Bürgerinitiative Umwelt (BI) Neuhof und K+S hätten vor dem Hintergrund des Salzeinflusses im Umfeld der Halde Neuhof die Ziele konkretisiert, teilt er mit: „Grundsätzlich sind sich die Parteien einig, dass es zu den Zielen des Runden Tisches gehört, den Eintrag salzhaltiger Haldenwässer in den Untergrund langfristig möglichst weitgehend oder sogar vollständig zu minimieren.“ Als Betreiber der Halde werde K+S in der Zwischenzeit unter Aufsicht der Behörden weiterhin geeignete, gegebenenfalls auch kurzfristige Maßnahmen ergreifen, um den Einfluss von Haldensickerwässern auf das Haldenumfeld zu reduzieren. „Das geschieht ohne vorherige Diskussion am Runden Tisch, sind sich die drei Parteien einig“, führt der Pressesprecher weiter aus. K+S werde den Runden Tisch aber regelmäßig über geplante und umgesetzte Maßnahmen sowie die Entwicklung des Einflusses salzhaltiger Wässer im Haldenumfeld informieren.

Konkrete Maßnahmen selbst seien nicht beim zurückliegenden Treffen besprochen worden, so Janz. Er hebt hervor: „K+S bewertet das Ergebnis des Gesprächs positiv: Die drei Parteien haben sich ein Jahr nach der Verabschiedung des Eckpunktepapiers noch einmal einvernehmlich über die Zielstellung des Runden Tisches ausgetauscht.“ Mit der transparenten Information über zwischenzeitliche Maßnahmen im Haldenumfeld könne sich der Runde Tisch in seinen kommenden Sitzungen ganz auf die ergebnisoffene Suche einer dauerhaften Lösung zur Reduzierung der salzhaltigen Haldenwässer konzentrieren.

 

BI Umwelt Neuhof: Die Halde in Neuhof in den Fokus nehmen

Die Einigung auf eine Eckpunktevereinbarung und die ergebnisoffene Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung der salzhaltigen Haldengewässer in Neuhof am Runden Tisch seien vor gut einem Jahr vereinbart worden, berichtet die BI Umwelt Neuhof in einer Pressemitteilung. Noch bevor sich der Runde Tisch mit konkreten Lösungsansätzen beschäftigen könne, musste zunächst eine weitere entscheidende Vorfrage geklärt werden: Ob alle von der Halde herrührenden Wässer als „Haldenwässer“ in die Lösungsfindung am Runden Tisch einzubeziehen sind. Die BI hatte mit Unterstützung der Gemeinde Neuhof die konsequente Einbeziehung aller salzhaltigen Wässer, so auch der unter der Halde in die Umgebung und das Grundwasser diffundierenden Sickerwässer gefordert, heißt es weiter in der Pressemitteilung. K+S solle den Standpunkt vertreten haben, dass sich der Runde Tisch auf die von Haldenflanken abfließenden und in einem Ringgraben gefassten Wässer beschränken sollte. „Dies hätte bedeutet, dass die unter der Halde austretenden Wässer unberücksichtigt geblieben wären, obwohl gerade von diesen, nicht gefassten Haldenwässern gravierende Umweltrisiken ausgehen“, meint die BI. Nach intensiven Verhandlungen sei die Meinungsverschiedenheit überwunden worden und alle Parteien einigten sich darauf, dass auch die unter der Halde austretenden Gewässer zur Zielsetzung am Runden Tisch gehören würden. „Diese Klarstellung mutet simpel an, ist aber für uns ein Meilenstein, damit eine nachhaltige Lösung der Haldenwässerproblematik nicht nur an der Werra, sondern auch in der Umgebung in Neuhof überhaupt möglich werden kann“, ergänzt Hubert Enders, Vorsitzender der BI.

Die BI Neuhof lege den Fokus nun darauf, dass so schnell wie möglich geeignete Maßnahmen im Rahmen der vereinbarten Eckpunkte geprüft werden. Hierzu gehöre eine Bestandaufnahme durch ein unabhängiges Institut für die Prüfung des Zustands der Halde. „Spätestens seit dem Bekanntwerden der zunehmenden Versalzung im Haldenumfeld ist klar geworden, dass K+S mit der Halde ein ernstes Problem hat, und zwar ein Wasserproblem“, so Sven Hartmann, Vorsitzender der BI Neuhof in der Pressemitteilung. Inzwischen seien nicht nur große Flächen am Lützbach und Rippbach versalzen, sondern nachweislich auch drei Quellen im Haldenumfeld, wie er weiter ausführt: „Die Versalzung nimmt immer weiter zu. Die Halde droht, außer Kontrolle zu geraten.“ Die geforderte Bestandsaufnahme solle Teil der angedachten wissenschaftlichen Begleitung des Runden Tisches werden. „Wir können nicht über endgültige Lösungen für die Zukunft reden, wenn wir den genauen Zustand in der Gegenwart nicht kennen. Allein durch Messungen und Monitoring ändert sich nichts“, teilt Enders in der Pressemitteilung mit. Es brauche eine genaue Klärung des Wirkzusammenhangs.

Der BI-Vorsitzende lobt, dass K+S in der kommenden Sitzung die aktuelle interne Planung vorlegen wolle. Er geht davon aus, dass K+S von der Idee der Haldenabdeckung grundsätzlich keinen Abstand nehmen werde: „Umso wichtiger ist daher im nächsten Schritt nun eine gründliche Bestandsaufnahme der Halde. Gerade im Falle einer Abdeckung würden nämlich unumkehrbare Fakten geschaffen.“ Enders warnt vor fatalen Folgefehlern: „Das gilt es im Interesse der Menschen und der Umwelt unbedingt zu vermeiden.“ Die BI wolle sich in der Haldenwässerproblematik für eine nachhaltige und ressourcenschonende Lösung am Runden Tisch einsetzen. Der Fokus müsse hierbei auf dem abfließenden Flankenwasser und den Sickerwässern liegen. Auch die Halde selbst bleibt ein Problem und kann ein unkalkulierbares Risiko für uns alle darstellen, solange wir keine sicheren Untersuchungsergebnisse haben und nicht wissen, wie es tatsächlich um den Berg steht, welche Umweltrisiken von ihm ausgehen und wie wir diesen langfristig begegnen können.“, merkt Enders an.