Lokales FD 15.07.2024

Klinik-Atlas „völlig überflüssig“: Kritik aus Herz-Jesu-Krankenhaus

Fulda (as) – Hohe Fehlerquote und wenig Nutzen: So beschreibt Michael Sammet, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda, den Bundes-Klinik-Atlas. Das Vergleichsportal für Krankenhäuser weise eine Reihe an Mängeln auf und könne wenig über die Qualität von Kliniken und medizinische Einrichtungen aussagen. Er rät dazu, das Portal sofort abzuschalten und mit wissenschaftlicher Begleitung neu aufzulegen.

Foto: Görlich Media

Als „völlig überflüssig“ bezeichnet der Geschäftsführer die Einführung eines neuen Klinik-Atlas. Im Krankenhausbereich existiere bereits seit vielen Jahren mit dem Deutschen Krankenhausverzeichnis eine Plattform, die Informationen über Personalausstattung, Behandlungsqualität, Komplikationsraten und vieles mehr enthalte. „Es macht somit überhaupt keinen Sinn ein zusätzliches Portal zu schaffen, was keinen zusätzlichen Nutzen mit sich bringt, sondern ausschließlich einer Fülle von weiterem zusätzlichem Bürokratieaufwand für unsere Kliniken und unser Personal“, erläutert Sammet weiter. Darüber hinaus enthalte der neue Klinik-Atlas eine Fülle von „drastischen Fehlern mit falschen und unsinnigen Angaben“, die für mögliche Nutzer irreführend seien.

Bei einer Einsicht habe der Geschäftsführer festgestellt, dass die Daten zum Herz-Jesu-Krankenhaus im Klinik-Atlas „nicht nachvollziehbar, veraltet, nicht sichtbar und teils schlicht fehlerhaft“ seien. Auch das von dem Gesundheitsminister Lauterbach auferlegte Ranking an Kliniken in unterschiedliche Level halte er stellvertretend für das Krankenhaus für „völlig ungeeignet“: „So kann dies für den Nutzer zu völlig falschen Schlussfolgerungen und Interpretationen führen.“ Den Nutzerinnen und Nutzern des Portals werde suggeriert, dass mit dem Level einer Klinik eine Aussage zur Qualität dargestellt wird. „So kann beispielsweise eine Level 1 Klinik mit Fachabteilungen, die ausgezeichnete Qualität erbringen, gegenüber einer Level 3 Klinik das Nachsehen haben, da dies vom Nutzer fehlinterpretiert wird“, gibt er an. Individuelle Besonderheiten und Stärken einzelner Kliniken würden in der Einteilung nicht berücksichtigt.

Mit der negativen Bewertung ist Sammet nicht allein. Von vielen Seiten habe es nach der Veröffentlichung massive Kritik gegen die „desaströse“ und „mit unzähligen Fehlern und Falschangaben“ behaftete Erstversion des Klinik-Atlas gegeben. Die aktualisierte Version enthalte mittlerweile nur noch 22 von 23.000 möglichen Erkrankungen: „Sodass nunmehr große und für die Bevölkerung hochrelevante Behandlungsangebote fehlen.“ Der Geschäftsführer bemängelt ebenfalls, dass Nutzerinnen und Nutzer in das Haus mit den höchsten Fallzahlen bei ihrer Suche geleitet werden: „Auch wenn das Haus in weiter Entfernung liegt und sich in unmittelbarer Nähe Leistungsanbieter mit ebenfalls hohen Fallzahlen und guter Qualität befinden.“ Die Bewertung der Qualität eines Krankenhauses sei sehr komplex und könne nicht auf wenige Aspekte wie beispielsweise Fallzahlen reduziert werden, macht er deutlich. Sein Fazit lautet: „Die konsequente Schlussfolgerung wäre, den Klinik-Atlas sofort abzuschalten und unter wissenschaftlicher Begleitung diesen komplett neu aufzulegen.“