Im Vorfeld zur Gedenkveranstaltung hatten sich außerdem die Zwölftklässler am Wirtschaftsgymnasium der Richard-Müller-Schule im Zuge einer dreitägigen Projektarbeit in das Thema eingearbeitet und präsentierten diese auf dem Friedhof. Die Schüler hatten gemeinsam die Gräber der 700 Toten wiederfrei gelegt und sich über die Geschichte der Toten informiert. Wie Rolf Pauthner, Projektleiter und Lehrer der Schüler, erläuterte, sei das Ziel gewesen „das Erbe an die junge Generation weiter zu tragen“.
Auch Gunter Geiger, Leiter der katholischen Akademie Fulda, betonte in seiner Eröffnungsrede, wie wichtig die Erinnerung an solche grauenvollen Ereignisse in unserer Geschichte aber der Blick auf die Jugend zu legen und das Wissen über die Historie weiterzutragen sei. „Wir brauchen Zugang zu diesen Ereignissen. Zeitzeugen werden heute immer weniger, deshalb müssen wir das Wissen an die nächste Generation weitergeben“, erklärte Geiger dem im Halbkreis um die Gräber aufgestellten Publikum. Er lobte die Schüler für ihr Engagement und dankte der Stadt für die Möglichkeit, eine solche Veranstaltung durchführen zu können.
„Ich gehöre auch einer Generation an, die bisher das Glück hatte, in Frieden und Freiheit zu leben“, begann Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld seine Rede und fügte mahnend hinzu: „Für viele von uns ist das heutzutage selbstverständlich geworden.“ Er sprach über die Bedeutung von Friedhöfen für unsere Erinnerungskultur und deren Wichtigkeit für das Erhalten unseres heutigen Friedens. „Lassen sie uns durch den Blick in die Vergangenheit darin gestärkt werden, für den Frieden einzutreten“, erklärte der Rathauschef. Auch die Schüler und ihre Bemühungen die Toten des zweiten Weltkriegs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, lobte er mit deutlichen Worten: „Das Erlernen ist das eine, das konkrete Befassen mit der Geschichte ist das andere.“
Karl Starzacher, Vorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, setzte die Anwesenden nochmals detailliert über den historischen Tag vor 80 Jahren ins Bild. Als Rüstungsstandort sei Fulda eine der Städte gewesen, die im zweiten Weltkrieg stark von den Bombardierungen durch die Alliierten betroffen waren, berichtete er. Am 27. Dezember 1944 haben die Amerikaner Bomben auf den in Fulda gelegenen Rangierbahnhof fallen lassen. Dadurch sei der darunter gelegene Luftschutzbunker und der dahinführende Krätzbachtunnel verschüttet worden, was 700 darin verschanzten Menschen einen qualvollen Erstickungstod sterben lies, so Starzacher weiter. „Damit leiteten sie – und das ist zynisch, wenn man das so sagt – eher ungewollt, eines der größten Massensterben im gesamten zweiten Weltkrieg ein“, erklärte er weiter.
Jörg Demuth, Schulleiter der Richard-Müller-Schule, hob die nochmals die Wichtigkeit der Aktion für die Kinder hervor. „Im vergangenen Jahr waren die Kinder sehr beeindruckt von dem Projekt, ich bezweifle, dass das dieses Jahr anders ist“, erklärte er stolz. Er betonte auch, dass es die Aufgabe jedes einzelnen sei, Frieden zu erhalten, indem sich gegen Gewalt erhoben wird. „Lasst uns eine Zukunft gestalten, in der solche Ereignisse tatsächlich der Vergangenheit angehören“, schloss er seinen Vortrag.
Im Anschluss stellten die Schüler ihr Projekt vor und erklärten welche Erfahrungen sie gewonnen hatten. Danach hielten Dechant Stefan Buß gemeinsam mit Dekan Dr. Thorsten Waap ein Friedensgebet für die Toten ab.
