Lokales FD 17.01.2024

Schockierte Bürger beim Infoforum in Neuhof – Hohe Salzlast entdeckt

Neuhof (as) – Ein „Totalschaden“ für die Natur, so beschrieb Dr. Karl-Ludwig Ruppel am Dienstagabend im Gemeindezentrum Neuhof die Entdeckungen von sehr hohen Salzwerten im Gelände rund um den Kaliberg in Neuhof. In einer Präsentation informierte die Bürgerinitiative (BI) Umwelt Neuhof über besorgniserregende Funde von umgekippten Teichen und verdorrten Flächen. Die zahlreichen Anwesenden im Saal äußerten sich teils schockiert über Beispielbilder aus ihrer Heimatgemeinde.

Viele Bürger waren zum Infoforum in das Gemeindezentrum gekommen. Foto: Andreas Schellenberg

Fotos: BI Umwelt Neuhof.

Eingeladen hatte die BI Umwelt die Bürgerschaft zu einem Infoforum, um über aktuelle Entwicklungen zu berichten und Fragen für die Arbeit am Runden Tisch zu beantworten. Ruppel sprach im Vortrag über schon jetzt sichtbare „erhebliche Veränderungen“ in der Umwelt. In der BI Umwelt Neuhof sei die große Erleichterung um die Gesprächsbereitschaft nach den aktuellen Ergebnissen wieder leicht zurückgegangen. „K+S wartet ab“, stellte er fest und ergänzte: „Wir fangen gerade erst an.“ Derzeit sei noch unklar, ob die Salzwerte an den Messpunkten tatsächlich durch den Salzabbau am Kaliberg zu erklären seien. Fest stehe, dass diese nicht natürlichen Ursprungs seien. „Es ist eine ökologische Katastrophe“, sagte der Redner deutlich. In den Bildern wurden Pflanzen gezeigt, die mitten im Wachstum verdorrt waren. An anderer Stelle würden Pflanzen wachsen, die besonders auf salzigem Boden gut gedeihen würden.

Mehrere Bürger bedankten sich für das ehrenamtliche Engagement aller Aktiven in der Initiative. Eine Frau erzählte davon, dass die deutlich überschrittenen Grenzwerte und die schon jetzt sichtbare Versalzung sie „geschockt“ hätten. Ein anderer Neuhofer stimmte dem zu und zeigte sich verwundert, dass K+S sich immer noch bedeckt halte. Ein Landwirt, der Flächen in der Umgebung seit Jahrzehnten bewirtschafte, erklärte, dass einige Bereiche landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar sind: „Sie sind zerstört für immer.“

Vorsitzender Hubert Enders begrüßte die zahlreich erschienenen Bürger im Saal. Zu Beginn fassten Ruppel und Marco Enders in ihrem Vortrag die Entwicklungen des vergangenen Jahres zusammen. Dabei erläuterten sie die ursprünglichen Pläne von K+S, welche mit ihrer Haldenabdeckung zunächst ein „Jahrhundert-Projekt“ angestrebt hätten. Dagegen habe sich die Bürgerinitiative Umwelt Neuhof gegründet. Das gemeinsame Engagement der Menschen sowie ihr deutlicher Widerstand gegen die ursprünglichen Pläne seien zunächst erfolgreich gewesen. Gemeinsam einigten sich Bürgerinitiative, Gemeinde, K+S und weitere Vertreter auf ein Eckpunktepapier sowie die Schaffung eines Runden Tisches zur weiteren Verhandlung. Ein erster Erfolg sei gewesen, dass K+S auf die Abdeckung in der „bisher geplanten Form“ verzichten werde. Dennoch habe es im Laufe des Jahres weitere Spannungen gegeben, so Ruppel. Er berichtete von den Diskussionen bezüglich der Umverlegung der Midal-Gasleitung, die sich an alten Plänen der ursprünglichen Haldenabdeckung orientiert hatte. Das sei ein „Schlag ins Gesicht“ gewesen, so der Redner. Ruppel und Enders appellierten an die Anwesenden, sich weiterhin zu engagieren und unabhängig zu bleiben.

Infoforum der BI Umwelt Neuhof. Fotos: Andreas Schellenberg