Lokales FD 19.02.2024

Versalzung im Untergrund – K+S bestätigt Ursprung aus der Halde

Neuhof (as/pm) – Verdorrte Pflanzen und grünes Wasser, mit den schockierenden Bildern wies die Bürgerinitiative (BI) Umwelt Neuhof auf erhöhte Salzkonzentrationen in der Nähe der Kali-Halde hin. Wie das Unternehmen K+S mitteilt, sei an drei lokalen Bereichen aktuell von einem möglichen Eindringen von Haldenwässern in den Untergrund auszugehen. Die Bürgerinitiative fordert nun Gegenmaßnahmen von K+S, das Unternehmen arbeitet bereits dran.

Fotos: BI Umwelt Neuhof

Marcus Janz, Pressesprecher für K+S, erklärt: „K+S betreibt schon lange ein dichtes, durch die Berg- und Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Kassel reglementiertes Monitoring mit Messstellen für Grund- und Oberflächenwasser, regelmäßiger Geoelektrik und im Bedarfsfall sogenannten aerogeophysikalischen Messungen per Hubschrauber, die ein Gesamtbild möglicher Salzwassereinflüsse im Umfeld der Halde ergeben.“ Die Behörden seien darüber umfassend informiert worden, würden das Monitoring durch K+S seit vielen Jahren begleiten und würden eigene Proben nehmen. Ebenso sei die Gemeinde Neuhof in der Vergangenheit über das Monitoring und dessen Ergebnisse informiert worden: „In den 2022 vorgelegten Scopingunterlagen zur ursprünglich geplanten Haldenabdeckung, die K+S in der bisherigen Form nicht mehr weiterverfolgt, wurden die Monitoringergebnisse ebenfalls dargestellt.“

Im Umfeld der Kalihalde Neuhof gebe es lokale Bereiche, in denen erhöhte Salzkonzentrationen und vereinzelt Schwermetallkonzentrationen nachweisbar sind, gibt Janz an: Im Norden an der Quelle Alte Wiese, im Osten im Verlauf des Rippbachs und im Südwesten im Bereich zwischen der Halde und dem Lützbach. Die erhöhten Konzentrationen hätten teilweise Einfluss auf die Vegetation in diesen Bereichen: „Ursache sind nach derzeitiger Einschätzung Infiltrationen von salzhaltigen Haldenwässern in den Untergrund vor allem aus dem Altbereich der Halde, in dem die Aufstandsfläche der Halde noch nicht, wie heute üblich, vor der Beschüttung speziell vorbereitet wurde.“

Die von Salzwasser beeinflussten Bereiche im Umfeld der Halde seien lokal begrenzt würden im Wesentlichen der Geländeform folgen, erläutert der Pressesprecher: „Das Ausmaß der Beeinflussung ist auch innerhalb dieser Bereiche aber nicht überall gleich, sondern wird unter anderem durch Niederschläge beeinflusst.“ Alle Bereiche mit Salzwassereinfluss würden sich weit entfernt von Trinkwasserschutzgebieten befinden, stellt er fest. K+S nehme die Situation dennoch ernst, macht Janz deutlich: „Werden im Rahmen der Untersuchungen Auffälligkeiten oder leicht ansteigende Messwerte beobachtet, wie im Sommer 2023 im Bereich des Lützgrunds, werden das Monitoring verdichtet und gemeinsam mit den Behörden geprüft, welche weiteren Maßnahmen geeignet, möglich und erforderlich sind.“ So werde aktuell beispielsweise die Errichtung eines Entnahmebrunnens auf dem Werksgelände oder einer Drainage im südlichen Bereich der Halde untersucht, um die Ausbreitung der Salzwässer zu begrenzen. „Langfristig wird eine möglichst weitgehende Reduzierung der Haldenwässer, etwa durch eine Abdeckung der Halde, auch das Eindringen von Haldenwässern in den Untergrund minimieren“, ergänzt er.

 

BI Umwelt Neuhof fordert Gegenmaßnahmen

Die BI Umwelt Neuhof hatte Mitte Januar bei einem Infoforum über eine zuletzt stark zunehmende Versalzung im unmittelbaren Umfeld der Kalihalde berichtet. Im Anschluss an die folgende Sitzung des Runden Tischs am 23. Januar war ein offener Brief des Unternehmens  an seine Mitarbeiter in Umlauf gekommen, in der über mögliche Ursachen der Versalzung informiert wurde. „K+S hat mit dieser Aussage erstmals eingestanden, dass die Versalzung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen im Haldenumfeld durch austretende Wässer aus der Kalihalde verursacht wird“, teilt die Bürgerinitiative mit. „Leider scheint sich nun also zu bestätigen, was wir schon seit längerem befürchtet hatten: Das in der Halde befindliche Wasser kommuniziert offenbar mit dem darunter liegenden, ungeschützten Boden und dem Grundwasser und schwemmt so ungehindert gelöste Salze aus“, so Dr. Karl-Ludwig Ruppel von der BI Umwelt Neuhof.

Die BI weist darauf hin, dass die Kalihalde ein „Eigenleben“ habe und in den Rückständen aus dem Bergbau Millionen Tonnen Wasser enthalten seien. Die Wege, die das Wasser nehme – und damit auch die Infiltrationen in den Boden – seien schwer kalkulierbar. „Wir werden jedenfalls nicht zusehen, wie in Neuhof, die Natur, die Umwelt und unser aller Lebensraum versalzt und mit Schwermetallen infiltriert wird, weil K+S seine Altlasten aus dem Bergbau nicht beseitigt, wie es sich heutzutage für einen verantwortungsbewussten Konzern gehört“, ergänzt Hubert Enders, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Letztlich gehe es auch um den Schutz des Trinkwassers als kostbarem Gut für die Menschen.

Daher will die BI nun darauf drängen, dass die Wechselwirkung zwischen der Halde und dem umgebenden Naturraum von den zuständigen Behörden im Detail lückenlos aufgeklärt wird. Dazu gehöre insbesondere, dass die konkreten Wege, die die salzhaltigen Wässer unter der Halde nehmen, untersucht und das gesamte Infiltrationsgeschehen rund um die Halde von unabhängiger Seite aufgeklärt werde. Die BI habe daher beantragt, dass das Thema zentraler Tagesordnungspunkt der nächsten Sitzung des Runden Tischs wird. Die Gemeinde Neuhof unterstütze diesen Antrag laut BI. „Dieser Umgang mit der Natur ist nicht tolerierbar. Hier sind nicht mehr bloß Messungen und Prüfungen gefragt – was wir brauchen, sind wirksame Gegenmaßnahmen“, teilt die BI weiter mit.