Lokales FD 11.12.2024

Krankenhausreform bietet Chancen und Herausforderungen

Hünfeld/Bad Hersfeld (fp) – Die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Krankenhausreform stößt bei Kliniken auf gemischte Reaktionen. In der Helios-Gruppe, zu der die St. Elisabeth Klinik in Hünfeld gehört, werden mehr Vor- als Nachteile gesehen. Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg wird vor allem die Stärkung der belegungsunabhängigen Vorhaltefinanzierung positiv gesehen, es gebe aber auch noch Bereiche mit Klärungsbedarf.

Die Helios St. Elisabeth Klinik in Hünfeld. Foto: Pascal Fischer.

„Der Fokus der Krankenhausreform liegt auf mehr Flexibilisierung für die stationäre Behandlung und Zentralisierung komplexer medizinischer Leistungen. Dies bestätigt unsere eigenen, bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzten Initiativen der Cluster- und Schwerpunkt-Bildung bei Helios“, sagt Sascha-Pascal Schimmel, Referent für Marketing, Kommunikation und Technologien an der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld. Mit der Bündelung der Expertisen der verschiedenen Fachgebiete sollen für die Patienten die besten Behandlungserfolge erzielt werden. „Wir sind daher der Auffassung, dass die Reform für Helios mehr Vor- als Nachteile bietet. Als Qualitätsführer in Deutschland haben wir dafür die richtigen Strukturen“, so Schimmel weiter. Die aus der Krankenhausreform folgenden Entwicklungen und Effekte für die Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld konkret will das Unternehmen derzeit noch nicht bewerten.

 

Klinikum Hersfeld-Rotenburg stellt sich den Herausforderungen

Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg werden in der Reform Chancen, aber auch Herausforderungen gesehen. „Insbesondere die Stärkung der Vorhaltefinanzierung, die Krankenhäuser unabhängig von ihrer tatsächlichen Belegung absichert, ist ein zentraler und längst überfälliger Baustein“, sagt Werner Hampe, Pressesprecher des Klinikums Hersfeld-Rotenburg, und fügt hinzu: „Die Reform ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Fachkräfteknappheit und der notwendigen Qualitätssteigerung dringend notwendig. Sie bietet die Chance, eine sektorenübergreifende und bedarfsgerechte Versorgung zu etablieren.“

Gerade der Ansatz der Vorhaltefinanzierung mit 60 Prozent der Vergütung sei positiv zu bewerten, da sie den finanziellen Druck auf Krankenhäuser mindere. Für Kliniken wie das Klinikum Hersfeld, das in der Schwerpunktversorgung tätig ist, böte dies Stabilität und Planungssicherheit, erklärt Hampe, fügt aber hinzu: „Dennoch wird die tatsächliche finanzielle Situation stark von der konkreten Ausgestaltung der Finanzierung abhängen.“ In diesem Bereich bestünde noch Klärungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die Deckung der Investitionskosten und die Vergütung von Leistungen außerhalb der neuen Leistungsgruppen. Als Herausforderungen nannte er unter anderem die Anpassung der Vorhaltefinanzierung an die tatsächlichen Leistungsmengen und die Definition der Leistungsgruppen. Ein weiteres dringendes Thema sei die sektorübergreifende Zusammenarbeit, etwa zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, da bisherige Strukturen getrennt verwaltet würden.

Auch innerhalb des Klinikums seien in der organisatorischen Ausrichtung und der Zuordnung zu Leistungsgruppen Anpassungen notwendig. „Diese Veränderungen erfordern umfangreiche Planungen, die wir in unserem medizinischen Zielbild bereits initiiert haben und aktuell nochmals anpassen“, so Hampe: „Die Umsetzung bis 2027 ist ambitioniert, aber machbar, wenn Bund und Länder unterstützend wirken und den Krankenhäusern ausreichend Zeit und Mittel bereitstellen.“ Für die Patienten könnten sich durch die Reform zwei zentrale Verbesserungen ergeben, schätzt der Pressesprecher: „Eine qualitativ hochwertigere Versorgung durch die stärkere Bündelung von Kompetenzen und eine bessere Vernetzung zwischen stationären und ambulanten Angeboten.“ Notfall- und Grundversorgungen blieben flächendeckend erhalten, während spezialisierte Behandlungen verstärkt in ausgewählten Kliniken erfolgen würden. „Für Patienten bedeutet dies möglicherweise weitere Wege, jedoch mit Aussicht auf eine höhere Behandlungsqualität“, so Hampe.