Lokales FD 04.12.2024

Barbarafeier unter Tage: K+S Bergleute feiern in über 500 Meter Tiefe

Neuhof (fp) – In über 500 Metern Tiefe fand am Mittwochfrüh wieder die Barbarafeier im Salzbergwerk von K+S in Neuhof statt. Im Schacht II feierten die Arbeiter gemeinsam mit zahlreichen Gästen, den Namenstag der Schutzheiligen der Bergleute. Vorher hielten Pfarrer Dagobert Vonderau (katholisch) und Pfarrer Holger Biehn (evangelisch) eine Predigt für die Anwesenden unter denen sich auch Landrat Bernd Woide und Bürgermeister Heiko Stolz befanden.

Fotos: Felix Pillat

Mit Schutzkleidung, Helm und einem Sauerstoff-Notfallkit ausgestattet, fuhren die zahlreichen Gäste in kleinen Gruppen in die Tiefe. Die Luft schmeckte nach Salz und Kalium. Im hellerleuchteten Gang des Schachts II versammeln sich allmählich die Besucher vor dem aufgebauten Rednerpult und lauschten den Worten des Grubenleiters. „Es ist eine schöne Tradition, die wir nun seit über 70 Jahren feiern“, begann Christian Berghausen seine Ansprache.

Er lobte seine Arbeiter für die harte Arbeit, die sie tagtäglich im Werk verrichten. Auch die Schutzheilige der Bergleute, die heilige Barbara hätte in diesem Jahr „einen guten Job gemacht“, führte er weiter an, denn in 2024 seien nur zwei Arbeitsunfälle vorgefallen. Dafür sei Berghausen sehr dankbar, denn: „Das wichtigste Kapital des Werkes seid ihr, die Mitarbeiter“, erklärte er und fügte hinzu: „Die wichtigste Kennziffer ist eine Null. Null Arbeitsunfälle in 98 Tagen.“ Weiter sprach der Grubenleiter über die Herausforderungen im abgelaufenen Jahr. So seien die Planmengen und die Wertstoffgehalte in 2024 gesunken, die Kosten für Materialien und die Krankenquote im Werk gestiegen, was Berghausen besorgte. Aber in diesem Jahr hätten auch viele Erfolge gefeiert werden können. So führte Berghausen stolz die neue Aufstellung der Dienstpläne, die Verkürzung der Fahrtwege und vor allem den Einsatz eines neuen Hauptliftes im Werk an. Derzeit werde auch geprüft, ob der Umbau im gesamten Werk möglich sei, so der Grubenleiter.

Nach seiner Ansprache folgten die Predigten der beiden Pfarrer Vonderau und Biehn. In seiner Rede griff Biehn immer wieder das Vertrauen als zentrales Thema auf und tadelte den derzeitigen Trend zum Gegenteil. „Misstrauen ist ein Erfolgsrezept geworden“, mahnte er und fügte dann an: „Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir uns aufeinander verlassen können.“ Er wünsche sich, dass die Leute wieder mehr Vertrauen finden, wie die Bergleute, die jeden Tag darauf vertrauen, dass die Menschen, die sich auskennen, wissen, was sie tun.

Nach dem Gottesdienst spielte die Bergmannskapelle Neuhof-Hattenhof das Steigerlied gespielt in das alle Gäste mit einstimmten. Nach dem Fest gingen die Gäste gemeinsam durch den mit Fackeln beleuchteten Stollen zum vorbereiteten Frühstücksraum. Vorher sprach dort noch kurz Werksleiter Dr. Stefan Weber zu den Anwesenden. Er lobte das Bergwerk als „eine Stütze der Gesellschaft“, dankte der Gemeinde Neuhof für die langjährige Zusammenarbeit und sprach auch die derzeit aufkommenden Herausforderungen mit der Haldenabdeckung an. „Wir nehmen diese Sorgen ernst“, sagte Weber mit Blick auf die Bürgerinitiative und den runden Tisch, an dem regelmäßig über die Endlagerung der Abfallstoffe gesprochen wird. „Unsere Verantwortung für die Umwelt und die nächste Generation steht für uns außer Frage“, versicherte er und appellierte dann an die Mitglieder des runden Tisches: „Lassen Sie uns einen Dialog führen, der auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen beruht.“ Danach durften die Gäste an den schön eingedeckten Tischen ihr reichhaltiges Frühstück zu sich nehmen.