Die Zusammenarbeit des Netzwerks sei etwas Besonderes, erklärte Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Vorstandssprecher im Klinikum Fulda. Michael Konze vom MVZ Altstadt-Carree Fulda ergänzte: „Es ist ziemlich einzigartig. Um das Projekt werden wir beneidet.“
Prof. Dr. Volker Schächinger, Direktor der Medizinischen Klinik I sowie des Herz-Thorax-Zentrums am Klinikum Fulda, erläuterte in einer Präsentation die Abläufe im Netzwerk. Am Anfang würde die Behandlung bei den Hausärzten stehen, welche aufgrund von Symptomen wie Luftnot oder geschwollenen Beinen eine Blutabnahme anordnen würden. Sollten Auffälligkeiten entdeckt werden, werde frühzeitig ein Herzultraschall in der Kardiologie durchgeführt. Mithilfe von einer Medikament-Behandlung, welche Schächinger als die „Fantastischen Vier“ bezeichnete, könnte dann die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Fortgeschrittenere Erkrankungen wiederum könnten über chirurgische Eingriffe behandelt werden. Wie wichtig die gute Zusammenarbeit aller Akteure in diesem Beispiel sei, machte der Klinik-Direktor an der Häufigkeit von Herzschwäche als Behandlungsgrund in Kliniken deutlich: „Die Sterblichkeit an Herzschwäche ist höher als bei Krebs.“
Dr. med. Ralph-Michael Hönscher, Vorsitzender des Gesundheitsnetz Osthessen, lobte die Erstellung eines Screening-Fragebogens durch das Netzwerk, mit dem die Praxis-Teams effektiv die richtige Behandlung herausarbeiten könnten: „Die Patienten merken, dass sie sehr gut aufgehoben sind.“ Das Interesse unter den Kollegen in der Region am Netzwerk sei sehr groß, ergänzte er. Dr. Silvia Steinebach, Landärztin im MVZ Fulda und im Vorstand für Ambulante Medizin Osthessen, verglich Herzschwäche mit einer Krebserkrankung und die Medikamente mit einer „Chemotherapie“. Eine frühzeitige Diagnose verhindere effektiv Krankenhauseinweisungen. Sie wünschte sich künftig eine Finanzierung durch die Krankenkassen: „Es ist das teuerste Hobby, was ich habe. Ich mache es trotzdem mit vollem Herzen.“
Das neue Herzinsuffizienz-Netzwerk Osthessen
Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) in der Region nachhaltig zu verbessern ist das Ziel des neu gegründeten Herzinsuffizienz-Netzwerk Osthessen. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung wird durch diese Allianz von Partnern aus Kliniken und Arztpraxen die Zusammenarbeit zwischen den ambulanten und den stationären Bereichen erheblich verbessert.
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine schwere chronische Erkrankung, die auch bei bester medizinischer Versorgung mit der Zeit fortschreiten kann. Sie entwickelt sich oft auf der Grundlage anderer Erkrankungen. So können beispielsweise ein jahrelanger hoher Blutdruck oder eine koronare Herzkrankheit eine Schädigung oder vermehrte Arbeitsbelastung des Herzens verursachen. Patienten mit Herzschwäche benötigen daher zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Versorgungsangebote: vom Hausarzt über den Facharzt Kardiologie zu Krankenhäusern der Regel- oder Maximalversorgung.
Gemeinsam Herzschwäche besser behandeln!
Das ist die Mission: Durch das Herzinsuffizienz-Netzwerk wird für die Region Osthessen ein organisatorisches Gerüst der Zusammenarbeit aller medizinischen Akteure eingerichtet, damit keine Lücken an den Schnittstellen der Versorgung mehr entstehen. Patienten mit einer Herzschwäche werden früher diagnostiziert und die Behandlungsabläufe werden optimiert. Die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der betroffenen Patienten werden dadurch erheblich verbessert. Das neue Netzwerk steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Herzstiftung, welche sich für die Belange der Patienten einsetzt.
„Erstens eine Herzschwäche zu erkennen und zweitens mit allen erforderlichen Maßnahmen „am Ball zu bleiben“, wenn eine Herzschwäche schon bekannt ist, sind wesentliche Ziele des Netzwerkes“, erläuterte Prof. Schächinger stellvertretend für das Steuerungsteam des Netzwerkes aus Klinik und Praxis, in denen auch die Verbünde der Hausärzte (Gesundheitsnetz Osthessen und Ambulante Medizin Osthessen) vertreten sind.
Hierfür haben die Partner des Netzwerkes spezielle Versorgungsstrukturen aufgebaut, die von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Herzinsuffizienz-Schwerpunkt zertifiziert worden sind, unter anderem die Herzinsuffizienz-Schwerpunktpraxen im Landarzt MVZ und im MVZ Altstadt-Carre sowie die Herzschwächeeinheit („Heart Failure Unit“) für schweres Herzversagen am Maximalversorger Herz-Thorax-Zentrum Fulda (Klinikum Fulda), das auch mit der Herzinsuffizienz-Spezialambulanz am MVZ Osthessen assoziiert ist. Die weiteren umliegenden Kliniken übernehmen dabei wichtige Aufgaben in der Regelversorgung von Patienten mit einer Herzinsuffizienz.
Nähere Informationen finden Interessierte unter: www.hi-netz-osthessen.de
