Die Entwicklungen in der Bahnhofstraße gingen über einen längeren Zeitraum, erzählt Bukel, Geschäftsführer von Catwalk Fashion am Centhof. In 2013 war als erster Abschnitt die untere Bahnhofstraße als Fußgängerzone eröffnet worden, 2019 folgte die Fertigstellung der restlichen Straße. Das Ergebnis könne sich wirklich sehen lassen, lobt er: „Es gibt eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.“ Das sehr urbane Straßenbild mit Bänken, Spielgelegenheiten und attraktiven Geschäften lade die Passanten zum Flanieren und erkunden ein: „Sie kommen extra zum Bummeln in die Bahnhofstraße.“ Dabei könnten die Menschen ohne große Anstrengung nach links und rechts wechseln, ohne auf durchfahrenden Verkehr in der Straße selbst achten zu müssen.
Vorangetrieben wurde die Entwicklung in der Bahnhofstraße von dem Verein „Fulda Central BID“. Unter BID – Business Improvement District – ist ein räumlich definierter Bereich zu verstehen, in dem Hauseigentümer mit der Stadt und den Gewerbetreibenden den Standort qualitativ aufwerten wollen. Dazu werden Maßnahmen durch selbstbestimmte Abgaben gemeinsam finanziert. In der Bahnhofstraße sei das etwa die Anschaffung des großen „I love Fulda“ Schriftzuges am Bahnhofsvorplatz gewesen, gibt Bukel an. Als weitere Beispiele nennt er die Neugestaltung der Stromkästen oder das Winterlicht während der Adventszeit: „Das kommt sehr gut an.“ Die Laufzeit des BID gehe fünf Jahre. Eine Neu-Ausschreibung für weitere fünf Jahre in der Bahnhofstraße sei geplant, teilt der Catwalk-Geschäftsführer mit: „Wir sind noch nicht am Ziel.“ Das Quartier solle damit weiter nach vorne gebracht werden.
Die Erwartungen durch den Umbau seien definitiv erfüllt worden, erläutert der City Marketing Vorsitzende weiter: „Das ganze Quartier wurde aufgewertet.“ Das liege nicht unbedingt an einer gestiegenen Besucherfrequenz, welche so nah am Bahnhof ohnehin hoch sei. Vielmehr hätte sich die Aufenthaltsdauer der Menschen in der Straße verbessert, was sich im Kundenaufkommen der verschiedenen Geschäfte zeige. Der Weg hin zur Fußgängerzone habe auch für Kritik gesorgt, erinnert sich der Catwalk-Geschäftsführer. Verschiedene Anlieger hätten sich beispielsweise um den Wegfall von Parkplätzen oder die Zufahrt zu Stellplätzen gesorgt. „Hier wurden gute Kompromisse gefunden“, meint er. Geholfen hätten unter anderem die Anbindungen zu mehreren Parkhäusern.
Im Rückblick habe sich die Umgestaltung der Bahnhofstraße in eine Fußgängerzone als richtungsweisend bewiesen, freut sich Bukel: „Es ist ein absolutes Erfolgsmodell.“ Frühere Skeptiker könnten heute sehen, dass das Zusammenspiel gut funktioniere. Ob dieses Modell jedoch auf andere Stadtbereiche wie beispielsweise die Friedrichstraße übertragbar sei, kann der Vorsitzende des City Marketings nicht einschätzen: „Die Ausgangsbasis ist eine andere.“ Es brauche viel Eigeninitiative der Geschäfte und Anwohner vor Ort, um ein ähnliches Projekt umzusetzen. Falls das vorhanden sei, könne die Zusammenarbeit in einer BID helfen, findet er.
