Lokales VB 14.11.2023

„Broccoli Buddies“ in Fulda startklar – Viel Andrang für Cannabis-Club

Fulda (as) – Legal in Deutschland Gras konsumieren, darüber wird aktuell im Bundestag weiter debattiert. Während die Politik an den gesetzlichen Vorgaben für sogenannte „Cannabis-Clubs“ feilt, haben erste Vorreiter ebenfalls mit der Arbeit begonnen. Dazu gehören beispielsweise die „Broccoli Buddies“ in Fulda. Wie die Vorstandsvorsitzende Elena Fischer berichtet, sei die Nachfrage an der Club-Mitgliedschaft schon jetzt groß.

Elena Fischer. Foto: privat

Die „Broccoli Buddies“ würden sich auf sieben Gründungsmitglieder stützen, sagt Fischer. Die 26-jährige Schlitzerin spricht von einem Projekt aus Leidenschaft, bei dem Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengekommen wären, um die Club-Gründung zu ermöglichen. „Wir haben uns in Spanien oder New York angeschaut, wie es laufen kann“, erzählt sie. Dort sei der Marihuana-Konsum legalisiert worden, was eine Veränderung in der jeweiligen Kultur nach sich ziehe. Der legale und „ordentliche Umgang“ mit der Droge sei spannend, findet Fischer. Mit einer Entkriminalisierung könne der Konsum auch in Deutschland bald ermöglicht werden.

Die Hintergründe für das Interesse an Cannabis seien unterschiedlich, beschreibt die Schlitzerin: „Es ist nicht nur der Spaßfaktor, für einige hat es gesundheitliche Gründe.“ Dazu gehören beispielsweise Schmerz-Patienten, denen Cannabis bei der Entspannung helfe. Wichtig ist der 26-Jährigen, die selbst Mutter ist, die Aufklärung bei dem Thema Drogenkonsum. Das spiegele sich auch in den internen Mitgliedschafts-Vorgaben der Broccoli Buddies wider: „Der Club ist erst ab 21 Jahren, vorher ist noch zu jung.“ Jedes Mitglied werde im Vorfeld über die Wirkungen von THC informiert und welche Auswirkungen übermäßiger Konsum habe.

In dem aktuellen Gesetzesentwurf, der im Bundestag weiter diskutiert wird, gebe es noch einige offene Fragen, stellt die 26-Jährige fest. Dazu gehört beispielsweise die Grenze für den Cannabis-Konsum und anschließendes Autofahren. Ebenso unklar ist, welchen Abstand Abgabestellen zu Schulen oder Kitas haben müssen, um den Jugendschutz zu wahren. „Das ist unmöglich umsetzbar in Städten“, merkt sie an. Bei anderen Punkten könne Fischer die Bedenken nachvollziehen. So befürwortet sie beispielsweise, dass der Genuss von Marihuana nicht vor öffentlichen Einrichtungen, wie zum Beispiel Kitas geschehen solle. „Wir erhoffen uns einen frühen Start, möglichst Anfang nächsten Jahres“, gibt die Schlitzerin zur Einführung des neuen Gesetzes an.

Das Interesse sei enorm, stellt Fischer zufrieden fest: „Der Andrang ist hoch.“ Bereits über 200 Anmeldungen seien eingegangen. Für den Club seien bereits erste gemeinsame Aktivitäten geplant, etwa ein Besuch des Fuldaer Weihnachtsmarktes. Die Mitgliedschaft erfolge über einen Antrag auf der Internetseite der Broccoli Buddies, erläutert die 26-Jährige: „Da erklären wir, wer wir sind.“ Interessierte würden ihre privaten Daten angeben, ein Foto ihres Ausweises hochladen und könnten zudem mitteilen, welche Erfahrungen sie bisher mit Marihuana gesammelt haben. Die Angaben würden anschließend von der Vorsitzenden geprüft. Bei den Kosten biete der Club eine kostengünstigere Mitgliedschaft für Renter, Menschen mit Behinderung sowie Studierende an. Der monatliche Beitrag belaufe sich auf zehn Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr.

Privat habe es für die Position als Vorsitzende eines Cannabis Clubs unterschiedliche Reaktionen gegeben, meint Fischer. Einige hätten positiv reagiert und es „voll cool“ gefunden. Bei anderen habe sie Unverständnis geerntet und die Frage: „Muss man das machen?“ Die Reaktionen kann die 26-Jährige nachvollziehen: „Es muss nicht jeder dafür sein.“ Sie selbst beispielsweise trinke keinen Alkohol, überlasse die Entscheidung aber jeder Person dazu selbst. „Meine Familie steht hinter mir“, so die Schlitzerin abschließend.