Als eine Katastrophe beschreibt Jörg Weimer, Geschäftsführer von Blumen Weimer in Künzell, die Situation angesichts der extrem gestiegenen Gaspreise: „Ich habe 300 Prozent mehr Kosten.“ Für die notwendige Wärme von 16 bis 18 Grad Celsius zum Wachstum der Pflanzen müsse er die Heiztechnik Tag und Nacht laufen lassen. Das bedeute trotz Gaspreisdeckel bei mehreren hundert Quadratmetern Fläche Kosten, die schnell über 100.000 Euro ansteigen würden. „Wie sollen wir das auf die Blumen umschlagen? Das geht nicht“, macht er deutlich. Im schlimmsten Fall bedeute das für viele heimische Gärtnereien in der Region das Ende. Die gestiegenen Preise einfach an die Kunden weitergeben sei nicht möglich, da sich Kunden bei den Blumen als Luxusartikel im Zweifel gegen den Kauf entscheiden würden. „Wir haben 14 Tage später als üblich mit der Produktion angefangen, um Heizungskosten zu sparen“, erzählt Weimer. Die Temperaturen herunterdrehen könne er nicht: „Die Pflanzen brauchen Wärme.“
Die Aufzucht der Pflanzen für den Frühjahrsverkauf laufe bereits, gibt der Geschäftsführer an. Dazu gehören unter anderem 70.000 Frühjahrsblüher sowie 50.000 Gemüsepflanzen. Für die kommenden Wochen hofft der Geschäftsführer auf weniger Regen und Frost: „Die Temperaturen sind gut, es fehlt nur noch die Sonne. Wir stehen in den Startlöchern.“ Gerade für das Ostergeschäft würden aktuell etwa Osterglocken und Schnittblumen für den Verkauf vorbereitet werden. „Wir hören erst Mitte April mit der Produktion auf“, so Weimer. Kapazitäten für zusätzliche Veranstaltungen wie die Landesgartenschau oder das fürstliche Gartenfest habe er nicht: „Wir konzentrieren uns auf unseren Betrieb als Großhandel, auch für Mitbewerber.“
Über ähnlich gestiegene Preise berichtet auch Andrea Becker, Inhaberin von Blumen Krug in Weyhers: „Es ist nicht nur Energie, sämtliche Produktionskosten, Blumenerde und vieles mehr, sind gestiegen, 35 bis 40 Prozent von jetzt auf gleich.“ Bei dem enormen Wettkampfdruck mit anderen Anbietern wie größeren Supermarktketten könne sie diesen Anstieg nicht an die Kunden weitergeben. Das bedeute eine deutliche finanzielle Belastung. „Ich brauche 45.000 Liter Heizöl übers Jahr für das Gewächshaus. Da macht sich jeder Cent bemerkbar“, fasst Becker zusammen. Weniger zu heizen sei für ein ideales Pflanzenwachstum nicht möglich. „Die Situation ist deutlich schwieriger als vor einem Jahr“, ergänzt sie. Produktion und Aufzucht der Pflanzen geschehe zu 75 Prozent direkt vor Ort, erzählt die Inhaberin: „Das Ostergeschäft steht schon in den Startlöchern, wir haben schon im Herbst begonnen.“ Das Sortiment reiche von Gemüse- und Kräuterpflanzen bis zu klassischen Frühlings- und Sommerfloren. Becker stelle ebenfalls Blumen für die Landesgartenschau, gibt sie an.
