Susanne Maul, Vorsitzende der Aidshilfe Fulda, erklärt, dass Drogengebrauchende oftmals mit Kriminalisierung und gesellschaftlicher Isolation zu kämpfen hätten: „Vor allem in Fulda fehlt es an Akzeptanz, weswegen Betroffene vermehrt die Öffentlichkeit aufgrund der Illegalität meiden“. Um Öffentlichkeit und Raum für diese Problematik zu schaffen, organisiert die Aidshilfe Fulda zusammen mit der Selbsthilfegruppe Connection und dem Streetwork-Projekt Sidewalk eine Gedenkveranstaltung. Seit knapp drei Jahren bieten die Initiativen ihre Hilfe auf den Straßen Fuldas, besonders am Bahnhof und den Busbahnhöfen, an. Auch die wöchentliche Selbsthilfegruppe, sowie die Beratungsstelle der Aidshilfe bieten Zuflucht und Unterstützung für Betroffene. „Niedrigschwellige und akzeptierende Drogenarbeit“ laute dabei ihre Leitlinie, indem sie nur das tun würden, was die Leute wollen. „Jeder Drogengebrauchende hat seine menschliche Würde, und muss sie sich nicht durch Abstinenz oder Sonstiges verdienen“, betonte Simone Schafnitzel, Leiterin der Selbsthilfegruppe Connection. Die Organisationen bieten auch weiterführende Hilfe wie Wohnungsvermittlung, Therapeutensuche und Behördenarbeit an, da diese Dinge für Drogenkonsumenten eine große Herausforderung sein können und somit isolieren und zur Folge haben, ohne staatliche Unterstützung auf eigenen Beinen stehen zu müssen.
Innerhalb des Netzwerks hätte sich über die Jahre ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis entwickelt, erzählte Susanne Maul mit einem Lächeln. Dennoch erfahre man seitens anderer Bürger eher Abneigung und Ausgrenzung, oft heiße es, man solle doch einfach aufhören. „Sucht aber“, so Schafnitzel, „ist eine Krankheit, von der man nicht vom einen auf den anderen Tag geheilt werden kann“. Die Kriminalisierung führe zu steigendem Drogenkonsum, einem Kreislauf, dem man unheimlich schwer entkommen könne. Daher laute das Motto des Aktions- und Trauertags in diesem Jahr „Drogentod ist Staatsversagen“.
Vernetzt mit anderen Suchthilfeeinrichtungen wie dem JES Bundesverband setzen sich die Organisationen für die Entkriminalisierung von Drogen für den Eigenbedarf in kleinen Mengen ein. Sie möchten die Wünsche der Betroffenen ernst nehmen und gezielt mit ihnen zusammenarbeiten, um ihnen die Möglichkeit auf ein menschenwürdiges Leben zu geben. In der Stadt Fulda fordern die Hilfegruppen zudem einen Platz, an dem die Konsumenten „so sein können, wie sie sind“, da ein solcher Raum besonders wichtig für ihre Arbeit sei. Des Weiteren legen sie Wert darauf, in Schulen mehr über die Illegalität zu sprechen. Simone Schafnitzel fordert, es solle ein Schulfach über Sucht, Drogen und ihre Auswirkungen geben, da Prävention und Aufklärung in jungem Alter anfangen müsse. Für die Stadt, die Schirmherr der Veranstaltung war, hielt Magistratsmitglied Jochen Kohlert eine kurze Rede und zum Abschluss der Veranstaltung wurden im Gedenken an alle Opfer Ballons in die Luft steigen gelassen.
